Waiblingen

Zum ersten Mal ein Haustier kaufen: Tipps vom Tierschutzverein Waiblingen

Tierschutzverein sucht Pflegestellen
Die Nachfrage nach jungen Katzen ist laut dem Tierschutzverein Waiblingen gerade jetzt im Frühjahr sehr hoch – unabhängig von Corona. © ZVW/Alexandra Palmizi

Wer zum ersten Mal ein Haustier erwirbt, kann viel falsch machen. Anders als noch vor einem halben Jahr merkt der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung derzeit zwar nicht, dass wegen Corona mehr Menschen ein Haustier erwerben wollen - das heißt aber nicht, dass die Nachfrage gering ist.

Dass etwa das Interesse an jungen Katzen gerade seit dem Frühjahr sehr hoch ist, liegt laut der Vorsitzenden Annemarie Werner einfach daran, dass in dieser Zeit traditionell am meisten Katzen geboren werden. Saisonbedingt fragen derzeit viele Anrufer auch nach Kaninchen. Schließlich, betont Annemarie Werner, komme auch hier im Frühjahr der Nachwuchs – und zudem sei es die beste Zeit, die Tiere an eine Außenhaltung zu gewöhnen. Wer sich ein Haustier zulegen will, sollte laut Annemarie Werner indes einiges beachten – schließlich gibt es gerade im Internet viele unseriöse Anbieter.

Welpen werden teilweise mehr als 1000 Kilometer durch Europa gefahren

Wer etwa Welpen nicht von einem anerkannten Züchter kauft, sondern auf irgendein Inserat reagiert, läuft Gefahr, einen Hund zu erwerben, bei dem nicht klar ist, woher dieser wirklich kommt. Viele dieser Tiere stammen oft aus dem Ausland, haben mehr als 1000 Kilometer Transport hinter sich und wurden viel zu früh dem Muttertier und den Geschwistern entrissen.

Annemarie Werner kann sich zwar nicht erinnern, dass der Tierschutzverein Waiblingen in jüngster Zeit mit solch einem Fall zu tun hatte – aber generell warnt die Vorsitzende vor Tierhändlern aus dem Ausland. „Hier hat der Tierinteressent generell schlechte Karten, überhaupt etwas zu überprüfen. Daher raten wir generell vom Kauf eines Tieres aus dem Ausland ab, wenn keine seriöse Tierschutzorganisation dahintersteht.“

Qualitätsunterschiede bei den Züchtern

In Deutschland selbst haben es die Tierliebhaber in der Regel mit Züchtern zu tun, doch auch hier gibt es Qualitätsunterschiede. „Diese sollten imstande sein, zumindest das Muttertier zu präsentieren, die Hunde sollten menschlichen Familienanschluss haben und gut sozialisiert sein“, betont Annemarie Werner. Generell gilt: Finger weg von Tieren und auch deren Geschwistern, die kränklich oder schwach wirken. Und: keinerlei Zahlungen leisten, bevor das Tier nicht vor Ort ist. „Seriöse Tierschutzorganisationen und Züchter verlangen keine Vorauszahlungen“, stellt Annemarie Werner klar. Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten im Grunde auch für Katzen, wobei hier nach Wissen des Tierschutzvereins der Import aus dem Ausland nicht so beliebt ist wie bei Hundewelpen.

Was ist, wenn sich der süße Welpe als aggressiver Hund entpuppt?

Ein Problem bei jedem Haustierkauf im Ausland ist die Frage, was mit dem Tier passiert, wenn es im neuen Zuhause nicht zurechtkommt. Laut Annemarie Werner sollte sich jeder folgende Fragen stellen: Was ist, wenn der niedliche Retriever-Welpe sich plötzlich als Hund entpuppt, der Haus und Hof aggressiv verteidigt? Wie gehe ich damit um, wenn die süße Katze die ganze Wohnung als Katzentoilette nutzt? „Hier sollte man sich als Interessent absichern, wo das Tier dann untergebracht werden kann“, findet Annemarie Werner. Denn ausländische Tierschutzorganisationen haben nach ihrem Wissen nicht immer eine Fülle an Pflegestellen für Tiere aus gescheiterten Vermittlungen.

Gute Züchter nehmen einen Hund bei Bedarf nach dem Kauf zurück

Wer bei einem guten Züchter gekauft hat, kann diesen auch bei Problemen kontaktieren – und gegebenenfalls nimmt dieser das Tier auch zurück. „Ebenso wird in Tierheimen verfahren, hier darf sogar das Tier nicht an Dritte weitergegeben werden, ohne dass der Verein informiert wird“, erläutert Annemarie Werner. Tierschutzvereine wie in Waiblingen, die ausschließlich mit Pflegestellen arbeiteten, könnten oft nicht gleich einen Platz für das Tier anbieten, stünden aber mit Rat und Tat zur Seite.

Ebenso können laut der Tierschutzvereinsvorsitzenden Hundeschulen und Hundesportvereine helfen. „Wichtig ist es daher umso mehr, sich bereits vor der Anschaffung eines Tieres umfassend zu informieren und aufkeimende Probleme zeitnah anzusprechen, bevor die Situation untragbar wird.“ Steht beim Hundezüchter dagegen im Vertrag, dass das Tier nicht zurückdarf, wirft das nach Ansicht von Annemarie Werner kein gutes Licht auf den Züchter.

Wenn das Home-Office endet, bekommt mancher Neubesitzer Probleme

Generell sollte sich jeder vor dem Kauf fragen, ob er wirklich auch dann noch Zeit hat, wenn er nicht mehr im Home-Office arbeitet. „Erst im normalen Alltag wird deutlich werden, ob es wirklich passt mit dem Neuzugang“, betont Annemarie Werner. Ein großer Fehler sei es bei jeder Anschaffung eines Tieres, wenn man nur kurzfristig denke und die oftmals recht große Lebensspanne des Tieres nicht berücksichtige. Schildkröten können weit mehr als 60 Jahre alt werden – und Hunde immerhin je nach Rasse zwischen zwölf und 20 Jahre.

Immer wieder passiert es auch in Waiblingen, dass Tiere ohne Besitzer gefunden werden. Ob diese tatsächlich bewusst ausgesetzt wurden, kann der Tierschutzverein nicht immer eindeutig klären. Und selbst wenn es klar ist: Die Täter werden selten erwischt. Über soziale Medien, andere Tierschutzvereine sowie Chip oder Tätowierung des Tieres versucht der Tierschutzverein Waiblingen natürlich, so viel wie möglich über Vorbesitzer und potenzielle Tieraussetzer herauszufinden. „Sollte es möglich sein, bringen wir solche Fälle selbstverständlich zur Anzeige.“

Ausgesetzter Hund vor dem Remspark

Vor einem Jahr gab es in Waiblingen einen Fall, bei dem laut Tierschutzverein ein Hund beim Remspark definitiv ausgesetzt wurde – sogar mit Impfpass. „Die Recherche bei den behandelnden Tierärzten verlief aufgrund falscher Adress- und Namensangaben im Sande“, bedauert Annemarie Werner. Oft bleibe daher leider nur die Aufgabe, das Tier in ein gutes neues Zuhause zu vermitteln, in dem es geliebt und respektiert wird – „was wir dank unserer aktiven und passiven Mitglieder und Unterstützer auch können“.

Wer zum ersten Mal ein Haustier erwirbt, kann viel falsch machen. Anders als noch vor einem halben Jahr merkt der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung derzeit zwar nicht, dass wegen Corona mehr Menschen ein Haustier erwerben wollen - das heißt aber nicht, dass die Nachfrage gering ist.

Dass etwa das Interesse an jungen Katzen gerade seit dem Frühjahr sehr hoch ist, liegt laut der Vorsitzenden Annemarie Werner einfach daran, dass in dieser Zeit traditionell am meisten Katzen

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