Waiblingen

Zum Tod von Alfred Biolek: Ein Showtalent aus Waiblingen

Biolek
Alfred Biolek bei einem Auftritt 2007 in Schorndorf. © Schneider

Wortgewandt, witzig und intelligent – so kannten alle Alfred Biolek, diesen Großmeister aus den besten Tagen des analogen Fernsehens. Mit 87 Jahren ist er nun verstorben. Was viele heute schon gar nicht mehr wissen: Der Mann mit der markanten Nickelbrille lebte viele Jahre in Waiblingen, machte hier sein Abitur, spielte Theater – und kehrte dem Anwaltsberuf den Rücken.

In Armut beginnt die Waiblingen-Geschichte des Showmasters: Ursula Kwapil, die mit ihren Eltern aus ihrer Heimat in Oberschlesien geflohen war, leitete 1946 die Waiblinger Caritas-Stelle. Täglich bis zu 100 Menschen half die ausgebildete Sozialarbeiterin bei der Wohnungssuche, vermittelte Kleider und Lebensmittel. Einem Jungen gab sie ein Paar Schuhe, noch Jahrzehnte später erinnerte er sich voll Dankbarkeit daran. Sein Name: Alfred Biolek.

Nach dem Krieg "gut aufgenommen"

Die Familie aus Freistadt (Karvina) im heutigen Tschechien wurde gut aufgenommen in der neuen Heimat Waiblingen, erzählte er selbst im Interview mit unserer Redaktion anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2014. „Ich habe sehr schnell zu schwäbischen Einheimischen Kontakt gehabt. Wir wohnten erst in Rommelshausen bei einer Familie, die ein großes Haus hatte und uns eine Wohnung zur Verfügung stellte. Ziemlich bald sind wir dann nach Waiblingen in die Bahnhofstraße gezogen.“ An die damalige Zeit habe er „nur positive Erinnerungen“.

Lieber „Allotria treiben“ als Anwalt sein

Gute Freunde aus der Schulzeit waren Eva Mayr-Stihl, Hans-Dieter Märtterer, Notar Heiner Gerstenmaier und Anwalt Manfred Künzel. Letzteren beerbte Biolek als Schulsprecher und präsentierte ihn als Nachfolger für die Anwaltskanzlei des Vaters. Wohl nur dem Freund gegenüber gab er als Begründung an, statt Juristerei wolle er lieber „Allotria treiben“. Der 2016 verstorbene Notar Gerstenmaier erinnerte sich,  wie Biolek als Assistent beim Amtsgericht ironisch-theatralisch mit wehenden Rockschößen und der dicken Schönfelder-Gesetzessammlung unter den Arm geklemmt durch die Altstadt fegt. „Sein Talent zum Komödiantischen und zur Show, das war immer schon da.“ Und er war überall beliebt, so wie später als Fernsehstar, klug, warmherzig und stets charmant.

Kabarettist und WKZ-Mitarbeiter

Mit Freunden gründete er eine Theatergruppe. Geprobt und gespielt wurde im katholischen Gemeindesaal. Sie spielten Molières „Der Bürger als Edelmann“ und Priestleys „Ein Inspektor kommt“. In Orffs „Bernauerin“ übernahm Biolek – von den Kumpels Fredy genannt – gleich acht Rollen. Später widmete er sich mit der „Kleinen Showbude“ Waiblingen und dem „Trojanischen Pferdchen“ Freiburg mehr und mehr dem Musikkabarett. Schon als 15-Jähriger verfasste er Beiträge in der Waiblinger Kreiszeitung. Beim Blumen- und Heimatball brillierte er mit witzigen Beiträgen und strapazierte mit seiner „Kleinen Showbude“ laut WKZ-Bericht die Lachmuskeln „beträchtlich“.

Der Popstar-Entdecker

Der Erfinder der legendären Fernsehsendungen „Alfredissimo“ und „Bio's Bahnhof“ hatte schon seit einigen Jahren gesundheitliche Probleme. Das war ihm auch bereits beim Interview mit der Redaktion zum 80. Geburtstag anzumerken. 2010 hatte er sich beim Sturz von einer Treppe schwere Verletzungen zugezogen.

Viele alte Weggefährten und Freunde aus Waiblingen haben seine Fernsehkarriere aufmerksam verfolgt. Bei allem „Allotria“ hat er Waiblingen nicht vergessen, kam immer wieder mal zu Besuch. So hielt er zum Beispiel bei der Eröffnung der Galerie Stihl eine Rede.

Über Jahrzehnte war er für deutsche Fernsehzuschauer der Inbegriff des Talkmasters. Bei „Bio's Bahnhof“ bewies er beeindruckendes Geschick als Talent-Entdecker. Gleich in der ersten Sendung stellte er eine gänzlich unbekannte junge Engländerin vor und sagte vorher, in ein paar Jahren werde sie auf den größten Bühnen New Yorks gefeiert werden. Das Publikum lachte über den Scherz, doch er sollte sich als wahr erweisen: Die 19-jährige Sängerin hatte damals dank Alfred Biolek ihren ersten TV-Auftritt überhaupt. Ihr Name: Kate Bush.

Wortgewandt, witzig und intelligent – so kannten alle Alfred Biolek, diesen Großmeister aus den besten Tagen des analogen Fernsehens. Mit 87 Jahren ist er nun verstorben. Was viele heute schon gar nicht mehr wissen: Der Mann mit der markanten Nickelbrille lebte viele Jahre in Waiblingen, machte hier sein Abitur, spielte Theater – und kehrte dem Anwaltsberuf den Rücken.

In Armut beginnt die Waiblingen-Geschichte des Showmasters: Ursula Kwapil, die mit ihren Eltern aus ihrer Heimat in

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