Waiblingen

Zwei Entwürfe im Rennen ums grüne Hochhaus

1/2
STEINHOFF-HAEHNEL_Hochhaus_WN_Gesamt_0
Der Verwaltungs-Favorit GWG. © Leonie Kuhn
2/2
feaf098f-e592-4453-81cc-7ccde94e2c35.jpg_1
Entwurf von Projektbau Pfleiderer. © kab-Architekten

Waiblingen. Beinahe-Krach im Gemeinderat: Wäre es nach dem Willen der Rathausspitze gelaufen, hätte die Mehrheit sich jetzt für einen Investor entschieden, der das grüne Hochhaus auf der Korber Höhe bauen sollte. Aber die Stadträte machten der Verwaltung einen Strich durch die Rechnung – zeitweilig standen die Pläne grundsätzlich infrage.

Über der Debatte schwebte als Schreckgespenst die Tower-Pleite von Fellbach, wo wegen der Insolvenz der Gewa seit Monaten nichts mehr passiert. Von den drei Entwürfen für das Hochhaus auf der Korber Höhe, die nach dem Wettbewerb übrig blieben, hat die Stadtverwaltung um OB Andreas Hesky und Baubürgermeisterin Birgit Priebe ihren Favoriten auserkoren: Aus ihrer Sicht überzeugte die Stuttgarter GWG-Gruppe als Investor mit den Plänen der Steinhoff/Haehnel-Architekten aus der Landeshauptstadt mit Grünkonzept und Architektur. Doch statt auf Zustimmung stieß der Antrag auf Kritik, Misstrauen und grundsätzliche Zweifel. Als CDU-Chef Dr. Siegfried Kasper die Haltung seiner Fraktion erläuterte, war die Mehrheit für das grüne Hochhaus plötzlich am Bröckeln.

Alles schon festgezurrt?

Die Vorgehensweise der Stadtverwaltung stieß den Christdemokraten ziemlich auf: Der Beschlussvorschlag für die GWG datierte vom 16. Januar – und damit vor der Sitzung des Planungsausschusses, in der vermeintlich „ergebnisoffen“ diskutiert worden war. Alles schon festgezurrt? „Das ist wenig respektvoll gegenüber den Bewerbern“, konstatierte Siegfried Kasper und bemängelte, noch immer keine befriedigende Antwort auf die Frage der Wirtschaftlichkeit bekommen zu haben. Die verlässlichsten Aussagen habe Projektbau Pfleiderer gegeben, zumal die Winnender ihren Generalunternehmer und ihre Bank schon klar benennen. „Die Erfahrung unserer Nachbarstadt prägt uns“, begründete der Fraktionsvorsitzende die Zweifel, warnte vor einem „Durchpushen“ der Entscheidung und äußerte Zweifel „ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg sind“.

Grünes Erscheinungsbild zu allen Jahreszeiten

Am Entwurf von Investor Terragon aus Berlin vermochte besonders das Grünkonzept mit den Pflanztrögen in Minimalgröße von 60 auf 60 Zentimetern nicht zu überzeugen, wobei ein Teil der Pflanzen die Aussicht überwuchert und direkt die Fenster berührt hätte. Bei Pfleiderer missfiel die Verlegung des Treppenhauses aus der Mitte nach Nordost, denn dies führe in den Wohnungen zu verwinkelten Grundrissen. Steinhoff/Haehnel sehen mit bis zu 14 Quadratmeter die größten Pflanztröge vor und versprechen mit immergrünen Pflanzen ein ansehnliches Äußeres zu allen vier Jahreszeiten. Die Wohnungspreise sollen bei Steinhoff/Haehnel/GWG wie bei Pfleiderer um die 5700 Euro pro Quadratmeter liegen, bei Terragon dank Komplettverkaufs an einen Vermarkter angeblich 4050 Euro.

„Der große Wurf ist nicht dabei.“

Zweifel an der Ökobilanz meldete Julia Goll (FDP) an und zeigte sich insgesamt enttäuscht: „Der große Wurf ist nicht dabei.“ Deswegen sollte sich die Stadt eher auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums konzentrieren. „Überrascht“ war DFB-Chef Wilfried Jasper – von der Diskussion: „Wir waren uns einig, dass bezahlbarer Wohnraum auf diesem Grundstück nicht funktioniert.“ Alfonso Fazio – „wir waren von Anfang an gegen dieses Projekt“ – sprach sich dafür aus, die Möglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum an Ort und Stelle zu prüfen. Ähnlich Bernd Wissmann (Bübi), jedoch ganz anders Daniel Bok (Grünt): Das grüne Hochhaus als „experimentelles Bauen“ könne dazu führen, dass bald die Architekten in Waiblingen Schlange stehen. Und Roland Wied (SPD) sah nichts Verwerfliches an der Vorgehensweise: „Ich erwarte sogar, dass die Verwaltung einen Vorschlag macht.“

Links der Entwurf von Projektbau Pfleiderer, rechts der Verwaltungs-Favorit GWG. (Bilder: kab-Architekten/ Steinhoff-Haehnel)

Grünes Hochhaus und Gewa-Tower

Sabine Wörner (SPD): „Die Absicherung der Risiken muss in den Verhandlungen geklärt werden, da vertraue ich der Verwaltung.“

Wilfried Jasper (DFB): „Der Vergleich mit Fellbach ist nicht gegeben, der Tower ist viel höher und die Wohnungen viel größer.“

Alfonso Fazio (ALi): „Die Risiken sind gewaltig.“

Dagmar Metzger (ALi): „Es ist doch gut, dass das Projekt kritisch gesehen wird. Wir als Stadträte müssen ja auch Verantwortung übernehmen.“

OB Andreas Hesky: „Ich finde es schon seltsam, wenn uns ein abgekartetes Spiel vorgeworfen wird. Sie dürfen von der Verwaltung eine Meinung erwarten.“

Julia Goll (FDP): „Erst zeigt man uns beeindruckende Bilder vom Bosco Verticale – und jetzt planen wir mit Büschen und Hecken. Die wollen wir nicht.“

Gegen die Stimme von Julia Goll und bei zwei Enthaltungen der FDP beschloss der Gemeinderat letztlich, dass die Stadt mit der GWG und mit Pfleiderer weiter verhandelt, die Stadträte können bis 14. März weitere Fragen an die Investoren richten.

Die Anregung von Andrea Rieger (FDP), in die Bürgerbeteiligung zu gehen, fand für diesen Zeitpunkt wenig Anklang. Dies soll geschehen, wenn der Gemeinderat sich entschieden hat. Unter anderem, weil sonst später die Verhandlungsposition der Stadt geschwächt sei.