Waiblingen

Zwei Hunde sind in Hegnach gestorben, mehrere in Behandlung: Was macht die Tiere krank?

Hund
Symbolbild. © Alexandra Palmizi

„Was ist denn nur los in Hegnach?“, fragt sich Hermann Hensen. Er und weitere Hundebesitzer machen sich Sorgen. Zwei Hunde in Hegnach, die in der gleichen Gegend Gassi geführt werden, sind gestorben, weitere sind erkrankt. Die Hundebesitzer vermuten Gift als Ursache.

Vor vier Wochen musste Mona eingeschläfert werden. „Wir gehen von einer Vergiftung aus“, berichtet Hermann Hensen. Zwischen dem Friedhof in Hegnach und der Rems ging er mit der Hündin spazieren. Zunächst glaubte er, dass Mona sich dort in gespritzten Feldern vergiftet hätte. Er fragte beim Landwirtschaftsamt nach, welche Substanz dort verteilt wurde. Die Antwort: Ein Wachstumshemmer, der laut Giftnotrufzentrale aber nicht ätzend sei und in keiner Studie Beschwerden beim Mensch oder Tier nachgewiesen habe. Nur für Wasserorganismen ist das Herbizid sehr giftig, heißt es in mehreren Beschreibungen des Unkrautbekämpfungsmittels.

Gespritzte Felder oder Giftköder?

Nun vermuten er und weitere Hundebesitzer in Hegnach, dass jemand Giftköder auslegt. Rund zehn Hunde sind inzwischen in Hegnach erkrankt, vier von Ihnen mussten in einer Tierklinik behandelt worden, zwei sind inzwischen verstorben – einer von ihnen Mona. Mit seinem anderen Hund traut Hermann Hensen sich nun kaum noch vor die Tür. Er lässt ihn nur noch Beifuß laufen. Denn auch diesem Vierbeiner ging es nicht gut. Er sei nun aber wieder auf dem Weg der Besserung.

Vor ihrem Tod habe Mona Erbrechen und Durchfall gehabt, dann sei sie apathisch geworden und habe sich kaum noch bewegt. Ein Test auf Gift sei nach dem Tod nicht gemacht worden, berichtet Hermann Hensen. Die gleichen Symptome schildert Claudia Bendig bei ihrem Hund Butgus, der am Mittwoch starb. „Das fing mit blutigem Erbrechen und Durchfall an“, sagt sie. Anfang der Woche sei er in der Tierklinik gewesen. „Dann hat er sich wieder berappelt.“ Von Dienstag auf Mittwoch sei er dann nicht mehr hochgekommen. Vor der Tür zum Tierarzt sei er dann gestorben. Ein Test habe ergeben, dass sich Gift im Blut des Hundes befunden habe, so Claudia Bendig. Der behandelnde Tiermediziner möchte dazu nichts sagen, ist die Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Vergiftungen zeigen gleiche Symptome wie eine Magen-Darm-Erkrankung

Gleiche Symptome wie bei einer Vergiftung zeigen manchmal aber auch Magen-Darm-Erkrankungen. Auch mit Blut? „Blut bedeutet oft nur, dass etwas gereizt ist“, erklärt ein anderer Tiermediziner – also ja. Momentan sei aufgrund des wechselhaften Wetters eine Magen-Darm-Erkrankung bei Hunden im Umlauf.

Weder das Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises noch die Polizei wissen von ausgelegten Giftködern geschweige denn vergifteten Hunden. Ein Pressesprecher der Polizei appelliert daher: „Die Botschaft der Polizei ist, dass man sofort Anzeige erstattet.“ Nur dann könne ein offizieller Hinweis für alle Hundehalter herausgegeben werden.

Das können Hundebesitzer tun: Anzeige erstatten und Hunde anleinen

Markus Motschenbacher, Ortsvorsteher von Hegnach, weiß über die Fälle Bescheid und drückt den Hundebesitzern sein Mitgefühl aus: „Dass es diese Ausmaße angenommen hat, ist natürlich schrecklich.“ Er sei von einer Hegnacher Ortschaftsrätin informiert worden. Die Kollegen vom Ordnungsamt seien zur Route, die die Hundehalter geschildert hatten, gefahren und haben sich dort umgeschaut. Doch feststellen konnten sie nichts – weder eine Überdüngung noch Giftköder. Bei weiteren Meldungen würde er sich dem Thema aber nochmals annehmen, sagt Motschenbacher. Den Hundebesitzern gibt er den Rat, die Tiere derweil anzuleinen.

Meldung auch aus Rommelshausen

Auch Jula Hutzmann hat bei ihrer Hündin ähnliche Symptome festgestellt. Dabei geht sie nicht an derselben Stelle spazieren, sondern auf dem Schmidener Feld. Ihrer Hündin ging es nach drei Tagen zum Glück wieder besser. In den sozialen Medien wurden zwei Beiträge über die verstorbenen Hunde bis Redaktionsschluss mehr als 90 Mal geteilt. Inzwischen gibt es auch eine Meldung von einem kranken Hund in Rommelshausen. Die Besitzerin fand vermeintliche Giftköder, die jetzt untersucht werden. Die Polizei kennt den Vorfall. „Ob ein Zusammenhang zwischen dem Gesundheitszustand des Tieres und dem gefundenen Gegenstand besteht, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht sagen“, sagt ein Polizeisprecher.