Waiblingen

Zwei neue Leerstände in der Waiblinger Innenstadt - aber Corona ist nicht der Grund

Fashion Outlet
Lis Ritter vom „Fashion Outlet“ inmitten der Schlussverkaufs-Ware. © ALEXANDRA PALMIZI

Am Marktplatz hat das „Soho“ eben erst geöffnet – mitten in der Corona-Krise. In zwei anderen Modegeschäften der Waiblinger Innenstadt ist hingegen zum Jahresende Schluss. Mit „Mum Moden“ hört ein kleiner, aber feiner Laden auf, der viel Tradition hat: Inhaberin Marianne Baumgärtner arbeitet seit 42 Jahren dort. Eine jüngere Kundschaft hatte das „Gieck Fashion Outlet“ in der Kurzen Straße. Den Brüdern Gieck gehört auch das „Brothers“ ganz in der Nähe.

In beiden Fällen hat die Schließung nichts mit Corona zu tun. Mit 72 Jahren geht Marianne Baumgärtner in den Ruhestand. Bevor sie vor über 25 Jahren die Boutique übernahm, hatte sie in denselben Räumlichkeiten bei Seibold gearbeitet. Der Abschied erfolgt zwar altershalber, aber in den letzten Jahren seien auch Umsatz und Frequenz weniger geworden, berichtet die Inhaberin. Die Ursache sieht sie im veränderten Kaufverhalten, dem Trend zu Billigware und Wegwerf-Mode, bei der sich angesichts von Spottpreisen das Waschen kaum noch lohne.

Trauriger Rückblick

Marianne Baumgärtner setzt seit jeher auf hochwertigere Marken wie Windsor oder Cambio. Ware, die zwar mehr koste, dafür aber viele Jahre halte – ihren langjährigen Stammkundinnen war’s das wert. „Sie sind mit mir alt geworden“, stellt sie fest – die jungen Frauen suchten tendenziell andere Läden auf. Beim Rückblick auf mehr als 40 Jahre im Waiblinger Einzelhandel wird Marianne Baumgärtner traurig: „Es gab so viele Geschäfte in Waiblingen – und eins war schöner als das andere.“ Die Corona-Krise werde das Problem der Leerstände und weniger schönen Läden wohl noch verschärfen: Anfang dieser Woche zum Beispiel sei die Innenstadt „so gut wie leer“ gewesen.

Innenstadt: Winnenden als Positiv-Beispiel

Keine wirkliche Überraschung ist nach Auskunft des Geschäftsführers die Schließung des „Fashion Outlets“ der Brüder Gieck in der Kurzen Straße: „Der Laden war sowieso eine Notlösung“ , sagt Carsten Gieck. Einige Jahre verkauften sie an Ort und Stelle die Eigenmarke Nuuc – aber wie sich zeigen sollte, funktionierte der Laden auf diese Weise nicht. Obwohl die Gieck Fashion Group GmbH zu dieser Erkenntnis gelangt war, lief der Mietvertrag noch weiter. Kurzerhand wurde er in das „Fashion Outlet“ verwandelt, das nun eben mit Vertragsende zum 31. Dezember schließt.

Da stellt sich für die Kundschaft die Frage, was nun mit dem „Brothers“-Laden in der Kurzen Straße 53 passiert. Er läuft weiter, versichert Carsten Gieck, Schließung sei hier kein Thema. Der Mix aus Eigenmarken und anderen Labels funktioniere erfolgreich. „Nuuc“ gibt es dort weiterhin – aber nicht ausschließlich. Sich mit eigenen Marken unabhängig zu machen, mache einen Teil des Erfolgs aus.

Es war ein hartes Jahr

Im Fashion Outlet läuft jetzt ein Räumungsverkauf mit Rabatten bis zu 70 Prozent. Gut möglich, dass er gestoppt werden muss, wenn wegen der hohen Infektionszahlen die Corona-Maßnahmen verschärft werden. Drüber macht sich Carsten Gieck jedoch keinen Kopf: „Man muss von Tag zu Tag sehen und es nehmen, wie es kommt.“ Rückblickend war 2020 ein „hartes Jahr, aber wir haben es gut hinbekommen“. Es sei in der Geschäftswelt wie in der Medizin: Wer schon vorher krank war, den erwischt es im Ernstfall schwerer.

Zuletzt übt der Chef von 17 Damenmoden-Geschäften in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Winnenden, Waiblingen, Backnang und Schorndorf noch etwas Kritik an der Stadt: Hier bestehe Nachholbedarf in Sachen Förderung der Innenstadt, etwa beim Parken und beim Erscheinungsbild der Fußgängerzone. Konkret nennt er den „Bretterverschlag“ einer nahe gelegenen Kneipe. Als Positiv-Beispiel dürfe Winnenden mit einem schönen Stadtbild und freiem Parken gelten.

Für die Räumlichkeiten des Fashion Outlets sei der Vermieter auf der Suche nach einer Nachnutzung. „Das wird nicht lange leer stehen“, glaubt er.

Am Marktplatz hat das „Soho“ eben erst geöffnet – mitten in der Corona-Krise. In zwei anderen Modegeschäften der Waiblinger Innenstadt ist hingegen zum Jahresende Schluss. Mit „Mum Moden“ hört ein kleiner, aber feiner Laden auf, der viel Tradition hat: Inhaberin Marianne Baumgärtner arbeitet seit 42 Jahren dort. Eine jüngere Kundschaft hatte das „Gieck Fashion Outlet“ in der Kurzen Straße. Den Brüdern Gieck gehört auch das „Brothers“ ganz in der Nähe.

In beiden Fällen hat die

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