Zwei Schlaganfälle: Wird er wieder wie früher? Familie von Björn Knöpfle bangt
Waiblingen/Fellbach. Noch vor ein paar Wochen haben sie in Hegnach beim Sommerfest die Nacht durchgetanzt. Nun ist alles anders: Zwei Schlaganfälle in kurzer Zeit haben das Leben des sehr beliebten Hegnachers Björn Knöpfle und das seiner Familie auf den Kopf gestellt. Wie es dem 53-Jährigen, den man auch in Oeffingen gut kennt, nach der ersten OP geht, wie er sich mitteilen kann und wie es weitergeht. Viele Fragen sind offen, sagt Ehefrau Viera Knöpfle.
Björn Knöpfle hat sich immer engagiert, etwa in den Sportvereinen in Hegnach und Oeffingen
Björn Knöpfle ist unter anderem durch sein sportliches Engagement in Hegnach und Oeffingen bekannt und wird überall für seine Hilfsbereitschaft geschätzt. Das trägt dazu bei, dass auf einen Spendenaufruf bei gofundme.com in kurzer Zeit über 500 Menschen kleine oder auch größere, vierstellige Beträge gegeben haben, insgesamt bereits mehr als 55.000 Euro (Stand 21.9.). Dabei musste die Organisatorin Eirene Hauptmann, eine enge Freundin der Familie, Björn Knöpfles Frau erst überzeugen, so einen Aufruf für sie starten zu dürfen, sagt sie. Denn um Geld zu bitten, kann unangenehm sein. Die große Solidarität tut aber gut, und Viera Knöpfle möchte sich ganz herzlich bei allen bedanken, betont sie im Gespräch mit der Redaktion.
Die Spenden sind dafür gedacht, zumindest die finanziellen Sorgen zu mildern, sagt Eirene Hauptmann. Sorgen und Fragezeichen hat die Familie Knöpfle derzeit genug. Seit dem zweiten Schlaganfall, nur Stunden nach dem ersten, der noch relativ „glimpflich“ hätte ausgehen können, ist Björn Knöpfle nicht mehr der Mann, den so viele kannten und schätzten. Ob er es wieder werden kann, ist unklar. Derzeit kann er kaum sprechen, nur vereinzelte Worte sagen. Kommunikation ist schwierig. Sie wissen, dass er sie versteht – aber auch traurig ist, dass er sich nicht so mitteilen kann, wie er möchte, berichtet Eirene Hauptmann. Sein 14-jähriger Sohn scheint dabei einen „besonderen Draht zum Papa“ zu haben: Er verstehe oft, was sein Vater sagen wolle und für andere unverständlich bleibt.
„Ich habe Björn als den starken Familienvater kennengelernt“
Die beiden Söhne, der Ältere ist 18, machen momentan einen gefassten Eindruck, erzählt die Mutter. Aber welche Auswirkungen die Veränderung auf sie hat, wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen. „Ich habe Björn als den starken Familienvater kennengelernt“, so Eirene Hauptmann. Künftig braucht er wohl viel Hilfe. Noch sehen die Jungs ihren Vater nur in der Rehaklinik. Wenn er dann mal wieder zu Hause in Waiblingen-Hegnach ist, kann das neben der Erleichterung auch zu neuer Belastung führen, so die Sorge. Wird er einigermaßen eigenständig sein oder nicht? Wird er überhaupt die Mietwohnung im dritten Stock erreichen können – oder muss die Familie eine neue, barrierefreie Wohnung suchen, und das auf dem umkämpften Mietmarkt? Wird Viera Knöpfle weiter in Teilzeit im Bereich Warenwirtschaft arbeiten können – oder wird sie plötzlich die Rund-um-die-Uhr-Pflege ihres Mannes übernehmen müssen?
Solche Fragen kommen auf die Familie zu. Aktuell liegt der Fokus darauf, dass es Björn Knöpfle bald etwas besser geht. Er bekommt momentan täglich mehrere Therapien. In ein paar Wochen steht die zweite Operation an. Seine Angehörigen hoffen, dass sich das auch positiv auf sein Sprachvermögen und Gedächtnis auswirkt. Seine rechte Hand ist momentan komplett gelähmt. Das Bein kann er immerhin wieder „einen Tick“ bewegen.
„Er war der Hauptverdiener“
Vor zwei Monaten stand Björn Knöpfle noch voll im Leben. Bei den Sportvereinen im Jugendbereich, im Beruf als Techniker beim Fernsehturm in Stuttgart. „Er war der Hauptverdiener“, sagt seine Ehefrau. Vorerst bekommt er Krankengeld. Ausgaben laufen weiter, während vielleicht dauerhaft deutlich weniger reinkommt.
Am schwersten ist aber, nicht zu wissen, ob der geliebte Mensch je wieder so wird wie früher. Ihr Mann sei immer sehr lebensfroh gewesen, sagt Viera Knöpfle. Er hat einen großen Freundeskreis, hat sich immer für alle engagiert, die ihn brauchten. Vor 22 Jahren haben Björn und Viera sich in Hegnach kennengelernt, vor 13 Jahren geheiratet. Seinen 53. Geburtstag haben sie im August in der Rehaklinik verbracht. Momentan kümmern sich die Pflegekräfte dort um ihren Mann, direkt nach dem Schlaganfall war es das Personal der „Stroke Unit“ des RKH-Klinikums Ludwigsburg. Bei diesen Teams will sich Viera Knöpfle ebenfalls bedanken. Sie kümmern sich geduldig und einfühlsam um die Patienten - und auch um deren Angehörigen.



