Weinstadt

Ärger um Wohngebiet in Großheppach

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Auf einer Grundstücksgröße von 1500 Quadratmetern sollen 12 Wohneinheiten entstehen. © Laura Edenberger

Weinstadt-Großheppach. „Wir zählen gar nichts“: Eine Gruppe Großheppacher Anwohner hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung übers geplante dreigeschossige Wohngebäude in der Straße „In den Hauern“ beschwert. Aus ihrer Sicht passt es nicht in die Umgebung. Das sah der Weinstädter Gemeinderat anders: Mit 13 zu elf Stimmen stimmte er dafür.

Als sich Dr. Joachim Schwarz als erster Betroffener in der Bürgerfragestunde zu Wort meldete, hielten sich die zahlreich anwesenden Anwohner noch an die Regeln einer Gemeinderatssitzung. Schwarz ging auf die vier Entwürfe ein, die von der Stadt geprüft wurden. Der erste sieht auf dem Grundstück am Großheppacher Ortsrand vier zweigeschossige Reihenhäuser vor, die jeweils 164 Quadratmeter groß sind. Beim zweiten Entwurf geht’s um zwei zweigeschossige Doppelhäuser mit insgesamt vier Wohneinheiten, von denen jede 158 Quadratmeter Wohnraum bietet. Mit den ersten beiden Varianten kann Joachim Schwarz noch leben – nicht aber mit den anderen.

„Das geht in meinen Augen überhaupt nicht“

Entwurf Nummer drei sieht zwei dreigeschossige Gebäude vor, die jeweils sechs Wohneinheiten mit je 89 Quadratmeter haben. Und der vierte besteht aus einem dreigeschossigen Gebäude mit zwölf Wohnungen, die zwischen 70 und 105 Quadratmeter groß sind. „Das geht in meinen Augen überhaupt nicht“, betonte Schwarz. Für ihn ist es eine Kasernenbebauung – und die zahlreich anwesenden anderen Anwohner sahen das ähnlich. Karin Gabler erwähnte, dass ihre Familie einst verpflichtet worden sei, kostenlos Grund abzugeben, verbunden mit der Aussage, dass hier ein Spielplatz entstehen soll. Der sei aber nie gekommen, stattdessen gebe es nun Wohnungen. Obwohl die Verwaltung zu den Fragen aus der Bürgerfragestunde sofort Stellung bezog, kochten die Emotionen hoch. Das ging so weit, dass die Bürger dazwischenriefen und den Oberbürgermeister belehrten. Irgendwann wurde es OB Scharmann zu viel. „Nein, Stopp. Wir führen hier die Sitzung und nicht Sie.“

Gemeinderat bewertet den Fall unterschiedlich

Baubürgermeister Thomas Deißler betonte, dass mit Blick auf den Wohnungsmangel auch Baulücken genutzt werden müssen. Dabei denke er auch an junge Familien, „die nicht das Geld haben, 600 000 Euro für ein Reihenhaus auszugeben“. Dass eine Gemeinbedarfsfläche umgewandelt und nun eben nicht mehr für einen Spielplatz vorgesehen wird, ist laut Deißler nicht ungewöhnlich. Sollte sich ein Rechtsanspruch auf eine nachträgliche Zahlung ergeben, werde die Stadt dem nachkommen.

Im Gemeinderat selbst wurde der Fall unterschiedlich bewertet. Armin Zimmerle (Freie Wähler) sprach sich gegen Geschosswohnungsbau aus. Er begründete dies unter anderem damit, dass hier nur 1,5 Stellplätze vorgesehen sind und keine zwei wie bei den Reihen- und Doppelhäusern. GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger sah dagegen die Pflicht der Stadt, Wohnraum zu schaffen – und zwar auch für jene, die sich kein Einfamilien- oder Reihenhaus leisten können. Zudem sei es so, dass es südlich des betroffenen Grundstücks bereits Geschosswohnungsbau gebe. SPD-Fraktionschef Julian Künkele schlug vor, auch beim Geschosswohnungsbau zwei Parkplätze pro Wohneinheit vorzusehen – und nicht nur 1,5.

CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger befürchtet durch den geplanten Geschosswohnungsbau hingegen Unfrieden in der Nachbarschaft. „Da können die neuen Bewohner noch so nett sein.“