Weinstadt

Abbau von 70 Strommasten zwischen Wendlingen und Korb

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„Das sind alles Bergsteiger – kleine Messner“, sagt Bauleiter Stefan Gratz über seine Tiroler Truppe, die am Montag im Auftrag der Transnet-BW in Weinstadt gearbeitet hat. © Büttner / ZVW
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Mitarbeiter, die am Strommast arbeiten müssen, bekommen eine sogenannte Steigerschulung. © Büttner / ZVW
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Rund 1,2 Kilometer sind die Leiterseile der 220-Kilovolt-Leitung lang, die am Montag von Mast 50 (in der Nähe der Aldi-Filiale) mit einer Seilzugmaschine und Trommelböcken (siehe Foto) abgezogen wurden. © Büttner / ZVW
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Transnet-BW-Pressesprecher Alexander Schilling (links) und der aus Tirol stammende Bauleiter Stefan Gratz von der Firma Habau-C-Team. © Büttner / ZVW
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Früher haben die Leiterseile am Mast 47 am Großheppacher Ortsrand (Verlängerung der Pfahlbühlstraße) Strom transportiert, nun sind sie schon seit längerem überflüssig. © Büttner / ZVW

Weinstadt. Sie sind schlichtweg überflüssig: 70 Strommasten zwischen Wendlingen und Korb werden bis Ende 2017 abgebaut. Durch die 220-Kilovolt-Leitung auf der rund 20 Kilometer langen Strecke fließt schon seit rund einem Jahr kein Strom mehr. Derzeit sind die Arbeiter dabei zu sehen, wie sie in Weinstadt in schwindelerregender Höhe die Leiterseile entfernen.

Im Video: Die 220-Kilovolt-Leitungsanlage des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW wird zwischen Korb und Wendlingen im Kreis Esslingen abschnittsweise nicht mehr benötigt und daher auf weiten teilen zurückgebaut. Wir waren mit der Go-Pro dabei.

Oft müssen sie bei Regen und Eiseskälte an den Masten arbeiten – aber an diesem Montag haben es Bauleiter Stefan Gratz und seine Leute gut erwischt: Die Sonne scheint und die Temperaturen in Weinstadt sind sogar zweistellig. „Das sind alles Bergsteiger – kleine Messner“, scherzt Stefan Gratz und lacht.

Schwindelfreie Tiroler

Seine Leute stammen aus Tirol, sind also in einer Region mit hohen Bergen aufgewachsen. Für ihren Job haben sie extra eine Steigerschulung erhalten, schließlich sind allein die Strommasten auf der Trasse zwischen Wendlingen und Korb teilweise mehr als 100 Meter hoch.

In Weinstadt sind die Arbeiter zwar nur auf rund 40 Meter Höhe im Einsatz – aber auch dafür müssen sie natürlich schwindelfrei sein. „Man muss eine ärztliche Untersuchung haben für die Höhentauglichkeit“, erläutert Stefan Gratz. Im Moment ziehen seine Leute in Weinstadt die 1,2 Kilometer langen Leiterseile ab, mit denen einst auf der 220-Kilovolt-Leitung zwischen Wendlingen und Korb der Strom transportiert wurde. Bis die Masten auf Weinstädter Gemarkung abgebaut sind, dauert es aber noch eine Weile.

Längere Pause in der warmen Jahreszeit

Die Transnet-BW, die für die Arbeiten zuständig ist, wird sie erst im Herbst demontieren lassen. Nicht am Stück, sondern scheibchenweise. Schließlich muss die Transnet-BW beispielsweise neben der Bundesstraße und dem Klärwerk auch auf die Landwirtschaft und auf die Wengerter Rücksicht nehmen. Deshalb wird es laut Pressesprecher Alexander Schilling in der warmen Jahreszeit eine längere Pause geben.

„Wir wollen den Bauern ja nicht die Ernte vermiesen.“ Zudem muss sein Unternehmen, eine 100-prozentige Tochter des Energiekonzerns EnBW mit rund 600 Mitarbeitern, auch Rücksicht auf Vögel nehmen, etwa auf den Wanderfalken, der gern auf Strommasten nistet. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Brutphase geraten.“ Aus dem Grund, betont Alexander Schilling, arbeite sein Unternehmen auch mit dem Nabu zusammen.

Bei dem Rückbau der 220-Kilovolt-Leitung handelt es sich laut dem Transnet-BW-Sprecher um eine Optimierungsmaßnahme. Basis dafür ist das sogenannte Nova-Prinzip: Das steht für den Grundsatz „Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau“. Das heißt: Der Neubau einer Stromtrasse ist nur das letzte Mittel, wie etwa bei der zehn Milliarden Euro teuren Gleichstrom-Trasse Südlink, die bis 2025 Windkraft-Strom vom Norden in den Süden transportieren soll. Bei der 220-Kilovolt-Leitung zwischen Wendlingen und Korb hat sich einfach gezeigt, dass sie nicht mehr nötig ist.

Schnee und Gewitter können den Zeitplan durcheinanderbringen

Stefan Gratz und seine Leute sind dank des guten Wetters im Zeitplan. In rund zwei bis drei Wochen, schätzt der Bauleiter, werden die Arbeiten zwischen Korb und Weinstadt abgeschlossen sein. Dann werden alle Leiterseile mit der Seilzugmaschine und mit Hilfe von Trommelböcken von den Strommasten abgezogen sein. Das Einzige, was die Truppe noch aufhalten könnte, wären Gewitter oder Schnee.

Alle Autofahrer können sich übrigens laut Bauleiter Stefan Gratz schon mal den übernächsten Sonntag (12. März) vormerken: Da wird die B 29 in Weinstadt gesperrt sein – allerdings nur von 7 bis 9 Uhr. „Da holen wir die letzten Seile runter.“ Denn so ausgefeilt die Technik auch ist: Bei den letzten Leiterseilen der 220-Kilovolt-Leitung geht es nicht ohne Vollsperrung.

Go-Pro-Kamera

  • Um Aufnahmen aus besonderen Perspektiven zu bekommen, hat unsere Zeitung am Montagmorgen einem Mitarbeiter der Firma Habau-Cteam bei seinem Einsatz in Weinstadt eine Go-Pro-Kamera an seinem Bauhelm befestigt. Dabei handelt es sich um Geräte, die kleiner und robuster als herkömmliche Videokameras sind. Der Arbeiter ist mit dieser Kamera am Helm den Strommast hochgeklettert.
  • Zusätzlich hat unser Fotograf Benny Büttner eine Drohne aufsteigen lassen, die gefilmt und fotografiert hat. Einige Bilder auf dieser Zeitungsseite sind erst durch den Einsatz der Drohne möglich geworden. Dazu musste unser Fotograf freilich Sicherheitsabstand zu jenen Strommasten einhalten, die noch aktiv sind.