Weinstadt

Alexander Bauer will OB werden

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Für den Fall eines Wahlsiegs will SPD-Mann Alexander Bauer (48) zeitnah von Schwaikheim nach Weinstadt ziehen. Für ihn kein Neuland: Er ist in Strümpfelbach aufgewachsen – jenem Ort, in dem der in Schnait groß gewordene Mitbewerber Michael Scharmann (42) heute lebt. © Ramona Adolf

Weinstadt. Die Oberbürgermeister-Wahl ist nicht mehr länger langweilig: Mit Alexander Bauer gibt es nun einen zweiten Bewerber. Der Kriminalhauptkommissar sitzt seit 2009 für die SPD im Schwaikheimer Gemeinderat und seit 2014 im Kreistag, zudem war er 2013 Bundestagskandidat. Weinstadt ist für ihn nicht irgendein Ort: Alexander Bauer ist in Strümpfelbach aufgewachsen.

Video: Alexander Bauer ist OB-Kandidat in Weinstadt.

Er ist vielen wahrscheinlich gar nicht aufgefallen: Auch Alexander Bauer war Anfang des Jahres mit seiner Frau beim Neujahrsempfang der Stadt Weinstadt – obwohl er seit 20 Jahren in Schwaikheim wohnt. Die Frage, ob Amtsinhaber Jürgen Oswald noch mal als Oberbürgermeister antritt, interessierte damals viele – Alexander Bauer trieb sie besonders um. Der ehrgeizige Lokalpolitiker aus Schwaikheim gehört in der SPD schon eine Weile zu dem Pool potenzieller Kandidaten für einen Rathaus-Chefsessel. Dass Oswald an jenem Tag wie von vielen erwartet auf eine dritte Amtszeit verzichtete, passte genau in Bauers Plan. Danach sondierte er erst mal die Lage, führte viele Gespräche – und wartete ab. Dass Freie-Wähler-Stadtrat Michael Scharmann Ambitionen auf das OB-Amt hat, konnte Alexander Bauer Ende April in der Zeitung lesen. Scharmann veröffentlichte bereits damals fleißig auf Facebook kurze Berichte zu jüngst besuchten Vereinsfesten, Anfang Juli erklärte er offiziell seine Kandidatur. Alexander Bauer blieb noch im Verborgenen und gönnte sich erst mal eine Urlaubsreise. Nun greift er an und rechnet sich gute Chancen aus, auch weil er in Strümpfelbach aufgewachsen ist. Doch wer ist dieser Alexander Bauer eigentlich?

Bei der Polizei Karriere gemacht

Auf jeden Fall ist er ein Mensch mit Aufstiegswillen. Die mittlere Reife an der Reinhold-Nägele-Realschule und die Ausbildung zum Energiegeräte-Elektroniker reichten ihm nicht, also erwarb er die Fachhochschulreife an der Technischen Oberschule in Stuttgart. Karriere machte er später bei der Kriminalpolizeidirektion in Waiblingen, bei der er sich auf die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität spezialisierte. Das Studium zum Diplom-Verwaltungswirt Polizei (FH) beendete er 1999. Engagiert hat er sich darüber hinaus auch als Personalrat der Polizeidirektion Waiblingen und als Bezirkspersonalrat für die Polizei in Nord-Württemberg. Das erwähnt er bewusst, um zu zeigen: Seht her, ich habe Verwaltungserfahrung – und zwar auf vielen Ebenen. Neben der Fachkompetenz ist für Alexander Bauer aber noch etwas anderes entscheidend: der Stil. „Für mich beginnt gute Verwaltung mit dem Zuhören.“

Alexander Bauer sieht sich als Verfechter eines ständigen Dialogs mit den Bürgern vor Ort. Er will im Fall eines Wahlsiegs wieder nach Weinstadt ziehen, möchte präsent sein. Ganz konkret: Wenn der 48-Jährige ins Amt kommt, plant er eine Bürgersprechstunde zu einem festen Termin, an dem nicht nur Rentner problemlos Zeit haben – nämlich am Samstagvormittag zwischen 11 und 12 Uhr. „Das geht nur, wenn wir vor Ort wohnen.“ Das ist – auch wenn Alexander Bauer das so offen nicht sagen würde – ein indirekter Seitenhieb auf Amtsinhaber Jürgen Oswald, der aus Weinstadt weggezogen ist.

Einen Vorteil sieht der 48-Jährige in dem Umstand, dass er sich bislang nicht in der Weinstädter Lokalpolitik engagiert ist – ganz im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Michael Scharmann. „Ich kann von außen draufgucken.“ Sein SPD-Parteibuch empfindet er nicht als Nachteil. Er will als unabhängiger Kandidat antreten – genau wie Freie-Wähler-Stadtrat Scharmann. „Es ist so, dass ich meinen Wahlkampf komplett selber finanzieren werde.“ Auch da unterscheidet er sich nicht von seinem Mitbewerber. Natürlich, sagt Alexander Bauer, freue er sich über jede Spende, schließlich gehört er nicht zu denen, die solch einen Wahlkampf aus der Portokasse bezahlen. Da er sich nicht als reiner SPD-Kandidat betrachtet, will er auf alle vier im Gemeinderat vertretenen Fraktionen zugehen – also neben der SPD auch auf CDU, Freie Wähler und GOL. „Ich lass’ mich von jedem unterstützen, der meint, ich bin der Richtige.“

Viele, die Alexander Bauer kennen, beschreiben ihn als linken Sozialdemokraten. Hier legt der 48-Jährige allerdings Wert auf die Feststellung, dass die SPD in den vergangenen Jahren nach rechts gerückt ist, etwa in der Sozialpolitik. „Ich habe meine Position nicht verändert. Die Partei, habe ich den Eindruck, verschiebt sich. Die, die vor 30 Jahren rechts waren, sind auf einmal auf dem linken Flügel.“ Seine Grundwerte, sagt Bauer, hätten sich nie verändert – und die seien klassisch sozialdemokratisch: Gerechtigkeit, Solidarität, Zusammenhalt.

Seine Stärken und Schwächen

Und was denken andere über Alexander Bauer? Beobachter der Schwaikheimer Lokalpolitik sagen, er sei nicht dumm und könne auf Menschen zugehen, ohne dabei ungelenk zu wirken. Bisweilen sei er allerdings detailversessen und übereifrig. Wenn irgendwo im Land ein SPD-Gemeinderat mit einem Antrag zu einem bundes- oder landespolitischen Thema Erfolg habe, dann könne man sicher sein, dass bald im Schwaikheimer Gremium ein ähnlicher Antrag auftauche. Verkämpft hat sich Alexander Bauer in Schwaikheim vor allem für die Gemeinschaftsschule, die aber nach Einschätzung von Außenstehenden viele Eltern kritisch sehen. Überhaupt liegt Alexander Bauer das Thema Bildung am Herzen, nicht umsonst hat er sich lange als Elternbeiratsvorsitzender einer Schwaikheimer Schule engagiert. Und so ist es auch kein Zufall, dass er das Pressegespräch zu seiner Kandidatur im Hof der Grundschule Beutelsbach stattfinden lässt – denn die ist seit Jahren marode. Ein Thema, das Weinstadt schon lang beschäftigt. Aber Alexander Bauer weiß auch, woran es der Stadt mangelt – nämlich am Geld. Darum fordert er erst mal nur ein Schulentwicklungskonzept.

In den nächsten Wochen will Alexander Bauer oft an Haustüren klingeln. An festen Terminen als Kandidat im Ort präsent sein, jetzt am Samstag erstmals in Beutelsbach und Endersbach. Er braucht ja auch noch Unterstützerunterschriften, um seine Kandidatur einreichen zu können. Eine Internetseite soll es geben, Flugblätter, Wahlkampf auf Facebook, das Übliche eben. Zahlen will er das alles wie gesagt selbst. „Für mich ist das Weinstadt wert.“

Alle Informationen finden Sie unter wahlen.zvw.de


Zu wenig Wettbewerb

Kommentar von Bernd Klopfer

Es war schon fast peinlich: Wochenlang gab es außer Michael Scharmann keinen weiteren Kandidaten für den Oberbürgermeisterposten in Weinstadt. Selbst das kleine Winterbach hatte bei seiner Bürgermeisterwahl im Juli vier Bewerber, von denen immerhin drei durchaus ernst zu nehmen waren. Jetzt gibt es einen zweiten Mann, der in Weinstadt OB werden will: Alexander Bauer, SPD-Fraktionschef aus Schwaikheim, ehemaliger SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Waiblingen. Beobachter der Lokalpolitik in Schwaikheim bezeichnen ihn als jemanden, der auf Leute zugehen kann, ohne linkisch zu wirken. Gerechtigkeit sei ihm wichtig, heißt es über ihn, bisweilen sei er detailversessen und auch übereifrig, innerhalb der SPD stehe er politisch eher links.

Wer zu weit links steht, gewinnt freilich in Württemberg zumindest außerhalb der großen Städte keine Wahlen. Nicht ohne Grund steht deshalb in Alexander Bauers Pressemitteilung folgender Satz: „Bauer pflegt in der Beziehung zu seiner Partei, der SPD, einen kritischen Dialog, nicht zuletzt aufgrund seines Berufes, insbesondere mit Blick auf das Thema Innere Sicherheit.“ Der Kriminalhauptkommissar muss natürlich auch konservative Kreise für sich gewinnen können. Darum wundert er es nicht, dass er sich als unabhängigen Kandidaten bezeichnet. Das Gleiche macht übrigens auch Freie-Wähler-Stadtrat Michael Scharmann. Taktisch ist das klug.

Beide Kandidaten betonen zudem, dass sie mit Weinstadt verwurzelt sind. Michael Scharmann zeigt sich auf Facebook seit Wochen als Mann, der jedes noch so kleine Fest besucht – und zwar in allen fünf Ortsteilen. Alexander Bauer verweist in seiner Pressemitteilung gleich im zweiten Satz darauf, dass er aus Strümpfelbach stammt. Außerdem kündigt er für den Fall eines Wahlsiegs an, zeitnah seinen Wohnort nach Weinstadt zu verlegen. Das ist nachvollziehbar, denn der größte Fehler des jetzigen Oberbürgermeisters Jürgen Oswald war es, dass er aus Weinstadt weggezogen ist. Er ließ sich eben in den vergangenen Jahren nicht mehr oft im Ort blicken, außer wenn er musste. Bei vielen Wählern wird es ankommen, dass Bauer und Scharmann einen persönlichen Bezug zu Weinstadt mitbringen.

Die Frage ist, ob es bei dem Duell bleibt – oder ob nicht doch noch ein dritter Kandidat oder eine dritte Kandidatin ins Rennen eingreift. Es wäre Weinstadt zu wünschen. Grundsätzlich gilt: je mehr Wettbewerb, umso besser. Es wäre für den Wahlkampf erfrischend, wenn ein ernsthafter Bewerber antritt, der völlig von außen kommt. Die GOL sucht nach eigenen Angaben seit einem Jahr, der CDU sind laut Aussage von Fraktionschef Ulrich Witzlinger zwei potenzielle Bewerber wieder abgesprungen. Die CDU ist von den Mitgliederzahlen immer noch die größte Partei in Baden-Württemberg, mit immerhin 68 000 Mitgliedern. Anspruch einer Volkspartei muss es immer sein, zumindest in den Großen Kreisstädten des Landes einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Jürgen Oswalds Verhältnis zur CDU-Fraktion war zwar in den vergangenen Jahren durchwachsen, aber immerhin hatte er ein CDU-Parteibuch. Jetzt sieht es so aus, als ob der neue OB entweder ein Freier Wähler wird oder ein Sozialdemokrat. Das kann der durchaus selbstbewussten Weinstädter CDU nicht egal sein.

In Zeiten, in denen ein Grüner im Land seit 2011 Ministerpräsident ist, sollte eine auch den Grünen inhaltlich sehr nahe stehende GOL in Weinstadt ebenfalls einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Es ist kaum zu glauben, dass es hier im Kreis keine fähigen Leute geben soll, die Lust haben aufs Amt. So oder so: Dass Weinstadt jetzt zwei ernsthafte Kandidaten hat, ist gut für die Demokratie – aber mehr Auswahl ist trotzdem nötig.

Alexander Bauers Wahlerfolge und Niederlagen

Alexander Bauer ist keiner, der die klassische Ochsentour hinter sich hat. Politisch ist er ein Spätzünder: Zwar ist er seit 1987 gewerkschaftlich organisiert, aber er trat erst 2006 der SPD bei. Dann allerdings ging es bergauf: 2008 wurde er Ortsvereinsvorsitzender in Schwaikheim, ein Jahr später wurde er in den Gemeinderat gewählt – mit dem immerhin achtbesten Ergebnis aller Kandidaten (2096 Stimmen).

2013 musste Alexander Bauer seine erste große Niederlage einstecken. Als Nachfolger des Solarpioniers Hermann Scheer trat er im Wahlkreis Waiblingen bei der Bundestagswahl für die SPD an – und verlor klar gegen CDU-Mann Joachim Pfeiffer, der fast 30 Prozentpunkte Vorsprung hatte.

Alexander Bauer war über die SPD-Landesliste nicht abgesichert, hatte nur Platz 36 inne – und zog damit nicht in den Bundestag. Immerhin verbesserte er das Zweitstimmenergebnis seiner Partei im Vergleich zu 2009 ein klein wenig auf 20,05 Prozent. Ans 2009er-Ergebnis von Scheer (27 Prozent der Erststimmen) kam Bauer mit seinen 23 Prozent nicht heran. Immerhin: In seiner Heimatgemeinde Schwaikheim holte er mehr als 31 Prozent der Erststimmen, ohne auffällige Schwachstellen in einzelnen Wahlbezirken.

2014 dann wieder ein echter Erfolg: Alexander Bauer schnitt bei der Kommunalwahl besser ab als 2009, erzielte nun das drittbeste Ergebnis aller Kandidaten. Bei der Kreistagswahl 2014 sicherte er sich einen Sitz im Gremium, in seinem Wahlkreis (Leutenbach, Schwaikheim, Berglen) belegte er den vierten Platz.

Für einen späteren Sozialdemokraten verwunderlich ist Bauers früheres Engagement als Kreisvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft – denn die gilt ja im Vergleich zur deutlich größeren Gewerkschaft der Polizei als eher CDU-nah.

Alexander Bauer ist am 3. Juli 1968 in Waiblingen geboren worden, aufgewachsen ist er in Strümpfelbach. Der Protestant ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit 1996 in Schwaikheim. Seine Frau Bianka Bauer ist Jugendsachbearbeiterin beim Schwaikheimer Polizeiposten.