Weinstadt

Anwohner in Weinstadt protestieren gegen neue Mobilfunk-Antenne von Vodafone

MobilfunkBebion
Sie wollen keine neue Mobilfunk-Antenne in ihrer Nachbarschaft: Anwohner aus der Bebionstraße artikulieren ihren Unmut über die Pläne von Vodafone. © Gaby Schneider

Vor 17 Jahren hat die Bürgerinitiative Mobilfunk Weinstadt gegen eine Mobilfunkantenne von Vodafone in der Bebionstraße gekämpft – nun wiederholt sich die Geschichte. Da der Vertrag für die bisherige Antenne in dem Endersbacher Wohngebiet in absehbarer Zeit ausläuft, sucht der Konzern in unmittelbarer Nähe einen neuen Standort – sehr zum Ärger der Anwohner. Cornelie Bort und Uschi Entenmann von der Bürgerinitiative wollen das Vorgehen von Vodafone nicht einfach schlucken und organisieren nun Widerstand.

Vertrag hat 20 Jahre Laufzeit

Die neuen Besitzer des Gebäudes, an dem die Antenne in der Bebionstraße einst 2003 angebracht wurde, kündigten seinerzeit sofort den Vertrag. An den 20 Jahren Laufzeit konnten sie indes nichts ändern. „Mittlerweile wendet sich Vodafone wieder an die Nachbarschaft, sie suchen einen neuen Standort“, schreibt die Bürgerinitiative.

Masterplan der Stadt schließt sensible Bereiche wie Schulen aus

Das widerspricht nach ihren Angaben dem Masterplan der Stadt Weinstadt, der seit 2006 Standorte von Mobilfunkstationen ausweise und sensible Bereiche wie Schule, Kindergärten, Seniorenheim ausschließe. „Die gesundheitlichen Risiken von jeglichen Mobilfunkstrahlen werden von vielen Wissenschaftlern belegt, auch in einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz, die ergab, dass Mobilfunk unter anderem die Ausbreitung von Tumoren im Körper von Mäusen erheblich beschleunigt“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Bürgerinitiative.

Sind die Ergebnisse aus Studien an Mäusen auf Menschen übertragbar?

Nicole Meßmer, Pressereferentin beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), bestätigt die Existenz der Studie, die aus dem Jahr 2015 stammt. In der sei es darum gegangen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder eine wachstumsfördernde Wirkung auf Tumore der Lunge und der Leber hätten. Hochfrequente elektromagnetische Felder allein lösten indes keinen Krebs aus.

„Dabei handelte es sich um Ergebnisse, die an einem bestimmten Stamm von Mäusen mit einem bestimmten chemischen Tumorinitiator erzielt wurden. Dieses System eignet sich besonders gut, um möglicherweise bisher unbekannte Wirkmechanismen zu erforschen. Direkt auf den Menschen übertragbar sind die Ergebnisse allerdings nicht.“

Bundesamt für Strahlenschutz: Kein Nachweis für Gesundheitsgefahr

Der bislang für den Mobilfunk genutzte Frequenzbereich ist laut dem Bundesamt für Strahlenschutz bezüglich möglicher gesundheitlicher Risiken und grundsätzlich biologischer Wirkungen und Mechanismen sehr gut erforscht. „Demnach gibt es innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen keinen Nachweis einer gesundheitsschädigenden Wirkung des Mobilfunks“, teilt Sprecherin Nicole Meßmer mit. Die einzige, bislang nachgewiesene Wirkung sei die Wärmewirkung: Hochfrequente elektromagnetische Felder würden zum Teil vom Körper aufgenommen und in Wärme umgewandelt. „Eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um weniger als ein Grad gilt jedoch in der Regel als gesundheitlich unproblematisch.“

Initiative: „Wäre 5G ein Impfstoff, würde es so nicht zugelassen“

Die Bürgerinitiative Mobilfunk Weinstadt zeigt sich indes besorgt über den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G, in dessen Zusammenhang sie auch die Suche nach einem Antennenstandort in Endersbach sieht. „Wäre 5G ein Impfstoff, würde es so nicht zugelassen.“

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht dies indes anders. „Wenn der Aufbau der nötigen Infrastruktur umsichtig erfolgt, sind auch durch 5G keine gesundheitlichen Wirkungen zu befürchten“, betont die Präsidentin der Behörde, Inge Paulini, laut einer Pressemitteilung der Behörde vom August 2018.


Wie geht Vodafone bei der Suche nach Antennen-Standorten vor?

Vodafone will nach eigenen Angaben in Endersbach eine sechsstellige Summe in die Infrastruktur investieren, um die dortige Bevölkerung weiterhin an das Mobilfunknetz und an das mobile Breitbandnetz LTE anzubinden. „Der neue Standort muss sich im Bereich Endersbach-City befinden, um die Versorgungsziele zu erfüllen“, sagt Vodafone-Konzernsprecher Volker Petendorf.

Vodafone: Stadt weiß seit Anfang 2019 Bescheid

Der Konzern hat nach eigenen Angaben die Stadt Weinstadt Anfang 2019 über diese Pläne informiert und befindet sich seitdem im Dialog zur genauen Standortsuche. Die neue Mobilfunkstation soll auf alle Fälle die Mobilfunktechnologien GSM (für mobile Telefonie) und LTE (für mobile Telefonie und mobile Datenübertragung) an Bord haben.

Auch bestehende Masten anderer Anbieter werden bisweilen genutzt

Bei der Standortwahl müssen nach Angaben von Vodafone immer die Kriterien in folgender Reihenfolge stimmen: sicherer Betrieb im Sinne der Gesetze, richtige Standortwahl mit Blick auf den Versorgungsbereich und der Finanzrahmen respektive die Wirtschaftlichkeit. Als Mobilfunkstandorte kämen grundsätzlich Dächer von Gebäuden (Wohnhäuser, Bürogebäude), Rathaustürme, Kirchtürme, Aussichtstürme und ähnliche Objekte infrage. Manchmal werden nach Petendorfs Angaben auch bestehende Mobilfunkmasten anderer Anbieter mit genutzt oder eigene Mobilfunkmasten gebaut.


Was sagt die Weinstädter Stadtverwaltung?

Die Stadt Weinstadt betont, dass der Masterplan für Mobilfunkstationen, der sensible Bereiche ausschließt, weiter gilt. „Er besteht aus einer Karte, auf der die entsprechenden Einrichtungen mit einem Kreis von 200 Meter Radius dargestellt sind“, betont Pressesprecherin Claudia Leihenseder. Der Masterplan diene als Grundlage für die Abstimmung mit den Mobilfunkbetreibern, wenn diese neue Standorte für Mobilfunkantennen anmelden.

„Eingehende Bauanträge für Mobilfunkanlagen werden von der Verwaltung den Vorschriften entsprechend abgearbeitet. Der Masterplan wird genauso wie die Vorschriften des Bauplanungs- und Bauordnungsrechts berücksichtigt.“ Falls ein Vorhaben also tatsächlich dem Masterplan widerspricht, kann die Stadt intervenieren.

Stadt: In Endersbach wird kein Standort dem Masterplan gerecht

Für die Gegner des Vorhabens von Vodafone gibt es gute Chancen, eine neue Antenne zu verhindern. „Aktuell sieht die Stadt im dicht besiedelten Endersbach keinen eigenen Standort, der dem Masterplan gerecht wird“, sagt Claudia Leihenseder. Ein Ausweichen in den Außenbereich widerspreche dem Suchkreis der Mobilfunkanbieter und sei natürlich auch landschaftlich kritisch.

Die Verwaltung ist nach eigenen Angaben mit der Bürgerinitiative in Kontakt. Aktuell gibt es wegen des Themas Mobilfunk in Weinstadt nur diesen einen Konfliktfall. Allerdings wird innerhalb von Weinstadt noch an einem anderen Ort nach einem Standort für eine Antenne gesucht – und zwar im Bereich von Schnait.

Vor 17 Jahren hat die Bürgerinitiative Mobilfunk Weinstadt gegen eine Mobilfunkantenne von Vodafone in der Bebionstraße gekämpft – nun wiederholt sich die Geschichte. Da der Vertrag für die bisherige Antenne in dem Endersbacher Wohngebiet in absehbarer Zeit ausläuft, sucht der Konzern in unmittelbarer Nähe einen neuen Standort – sehr zum Ärger der Anwohner. Cornelie Bort und Uschi Entenmann von der Bürgerinitiative wollen das Vorgehen von Vodafone nicht einfach schlucken und organisieren nun

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