Weinstadt

Aufbruchsstimmung nach dem Ende der Corona-Notbremse in Weinstadt-Endersbach

erster Öffnungstag Robl
Ann-Christine Bäuerle und Mutter Ute Bäuerle von Robl Moden am Montag. © Benjamin Büttner

Am Montagmorgen, dem ersten Tag, an dem die „Bundesnotbremse“ außer Kraft gesetzt ist, herrscht gute Laune in der Endersbacher Einkaufsstraße. Erika Bürkle, die gute Seele der „Bohne“, strahlt jedenfalls, als sie die Stamm- und Laufkunden begrüßt, die sich bereits vor Ladenöffnung geduldig vor dem Eingang aufgereiht haben. Herrscht überall so gute Laune? Unsere Redaktion hat die Stimmung im Weinstädter Stadtteil eingefangen.

Trotz der Freude über die Gäste – das Mitnehmangebot bleibt erhalten

Sie freue sich über jeden Einzelnen, der den Weg zu ihr ins Café finde, um sich verwöhnen zu lassen, versichert Erika Bürkle. Schade sei lediglich, dass durch die geforderte Pflicht, fürs Verweilen einen negativen Corona-Test nachzuweisen, die Spontanität der Gäste abgewürgt werde. Da sei es leider nichts damit, kurz entschlossen aufzubrechen und loszuziehen.

Deshalb bleibe alternativ auch das To-go-Angebot weiter bestehen, auch für die angebotenen Tagesessen – wahrhafte Festtagsmenüs übrigens: am Montag Tafelspitz mit Bratkartoffeln, am Dienstag Hähnchengeschnetzeltes mit Rösti.

Von der allgemeinen Aufbruchsstimmung angesteckt sind auch diejenigen, die sich bereits kurz nach neun Uhr vor dem Testzentrum eingefunden haben. Seit vergangenen Herbst sei sie nicht mehr in der Endersbacher Einkaufsstraße gewesen, berichtet Sakine Mehmeti. Nun wolle sie einfach mal unbeschwert mit ihrer Freundin von einem Ende zum anderen bummeln, den Zipfel Freiheit ergreifen, der nun angeboten werde. Deshalb habe sie spontan zusammengepackt und sich nach hierher aufgemacht.

Nicht spontan stehen dagegen Reka und Richard Horvath mit der zweijährigen Jara in der Reihe vor dem Testzelt. Sie müssen an diesem Vormittag nach Stuttgart. Ein Arztbesuch stehe auf dem Programm, und da er seine Frau in die Sprechstunde begleiten wolle, müsse er dafür einen negativen Corona-Test vorlegen, erklärte Richard. Und hinterher wolle man womöglich noch etwas durch die Läden ziehen, ergänzt Reka. „Und ich gehe zur Oma!“, schiebt Jara nach.

Warten auf den Schnelltest - dann geht's in die Wilhelma

Die junge Mutter, die mit ihrem sechsjährigen Sprössling hinter der jungen Familie steht, berichtet, dass sie den wunderschönen Tag für einen Besuch in der Wilhelma nutzen möchte. Zu lange schon hätten die Tiere dort auf sie warten müssen.

Seit wir anbieten, dass man sich ohne Anmeldung testen lassen kann, werden wir von den Kunden geradezu überrannt“, erklären Michael Steeb und Maleen Sayer, deren Dienst im Testzelt an diesem Tag um 9.30 Uhr begonnen hat. Mit einer halben Stunde Wartezeit müsse man schon rechnen, kalkuliert Steeb mit einem kurzen Blick über die Wartenden hinweg, aber die überwiegende Mehrheit der Kunden sei geduldig und bleibe freundlich. Nur sehr wenige würden quengeln.

Wie die Endersbacher Einkaufsstraße wohl neu gestaltet wird?

Keine Geduld aufbringen muss an diesem Morgen ein älterer Herr, der vor dem Eingang der Bäckerei „Mildenberger“ steht. Lediglich eine Kundin sei noch vor ihm an der Verkaufstheke dran, da warte er gern. Er gehöre zu den wenigen Rentnern, meint er lachend, die tatsächlich Zeit haben – an so einem wunderbaren Morgen wie diesem sowieso. Er beobachte so lange er hier stehe den Verkehr, ein angenehmer Zeitvertreib. Im Moment finde wohl nur eine kleine „Rushhour“ statt, „die letzten Angestellten und Beamten fahren wahrscheinlich ins Büro. Home-Office, Lockdown und Schulferien machen sich gerade fühlbar bemerkbar und drücken das Verkehrsaufkommen“.

Neugierig sei er aber, sinniert er, ob sich bei der Neugestaltung der Einkaufsstraße die Idee des „space sharings“ tatsächlich durchsetzen und zur Anwendung kommen werde. Er könne sich nur schwer vorstellen, wie sich in der Einkaufsstraße Fußgänger, Kraftfahrzeuge und Fahrräder denselben Raum teilen können. „Aber wenn es so weit kommt, dann lernen wir das auch noch, so wie wir mittlerweile das Schlangestehen gelernt haben“, meint er gut gelaunt.

Die Blumenverkäuferin hofft auf die Hochzeitssaison 2021

Zuversicht ist auch bei Tanja Kretzschmar im „Flower Power“ angesagt. Das Schild „Neueröffnung“, das noch über dem Eingang zum Laden prangt, sei der Corona-Pandemie geschuldet, erklärt sie. Sie sei noch nicht dazu gekommen, es zu entfernen. Ihren Blumenladen habe sie im November 2019 eröffnet, gerade rechtzeitig, um voll in den Lockdown hineinzurauschen. „Seit Blumen zu den Gütern des täglichen Bedarfs gehören, haben wir wieder geöffnet“, erzählt sie.

Große Hoffnung setzt sie auf die allmählich anlaufende Hochzeitssaison. Im vergangenen Jahr seien ihr 18 Hochzeiten abgesagt worden, das habe richtig wehgetan. Aber nun würden die Paare beginnen, die Feiern nachzuholen, zwar noch in kleinerem Rahmen, aber wenn es mit der Pandemie so hoffnungsvoll weitergehe, könne man sich im Herbst auch wieder über größere Veranstaltungen mit mehr Gästen freuen, die dann dekoriert werden müssten.

Ein Pärchen schmiedet Zukunftspläne vor dem Juwelier

Zukunftspläne schmiedet auch ein junges Paar, das an diesem Morgen vor dem Schaufenster des „Timeless“ verweilt und nicht die Uhren, sondern die dort ausgestellten Ringe eingehend betrachtet. Eigentlich hätten sie ja im vergangenen Herbst heiraten wollen, doch wegen der Corona-Beschränkungen hätten sie die Hochzeit verschoben. Nun sei die Schwangerschaft dazwischengekommen, erzählen sie und strahlen sich an. Aber im Spätherbst, nach der Niederkunft, die sie für Juli erwarteten, werde die Hochzeit nachgeholt, und dann richtig.

Das Modegeschäft stellt sich neu auf

Geschäftige Umtriebigkeit herrscht an diesem Morgen auch bei Robl Moden. Geöffnet wird an diesem Dienstag, erklärt Inhaberin Ute Bäuerle. Man habe den Lockdown für einen Umbau genutzt. Die Räumlichkeiten erstrahlen ab sofort in neuem Glanz. „Um weiterhin erfolgreich zu sein“, ergänzt Tochter Ann-Christine, „müssen wir 24/7 auf verschiedenen Kanälen präsent sein. Wir haben unsere Kunden schmerzlich vermisst, freuen uns sehr, sie endlich wieder persönlich begrüßen zu dürfen, verzahnen jedoch mehr und mehr das für uns so wichtige stationäre Angebot mit virtuellen Kanälen.“

So sei es möglich, dass der Kunde im Instagram-/Facebook-Shop oder aber im virtuellen Schaufenster der Homepage bequem von zu Hause aus Lieblingsstücke reserviert und vor Ort probiert bzw. abholt. Neben virtuellen Rundgängen zur Inspiration sind auch private Shopping-Termine außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten möglich.

Am Montagmorgen, dem ersten Tag, an dem die „Bundesnotbremse“ außer Kraft gesetzt ist, herrscht gute Laune in der Endersbacher Einkaufsstraße. Erika Bürkle, die gute Seele der „Bohne“, strahlt jedenfalls, als sie die Stamm- und Laufkunden begrüßt, die sich bereits vor Ladenöffnung geduldig vor dem Eingang aufgereiht haben. Herrscht überall so gute Laune? Unsere Redaktion hat die Stimmung im Weinstädter Stadtteil eingefangen.

Trotz der Freude über die Gäste – das Mitnehmangebot bleibt

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