Weinstadt

Aufregung um geplante Weinkellerei

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Leon Gold im Weinkeller des Weinguts Gold. © ZVW/Sarah Utz

Weinstadt-Gundelsbach. „Nun fällt der Blick auf eine riesige Baustelle und später auf ein Bauwerk, das dort sicher nicht hinpasst“: Die Interessengemeinschaft Idyllisches Gundelsbach stemmt sich gegen die geplante Weinkellerei von Leon Gold. Der Wengerter versteht die Kritik indes nicht – und verspricht, dass sich sein größtenteils unterirdisches Gebäude am Ortseingang in die Gegend einfügt.

„Die meisten Gundelsbacher wurden von diesen Baumaßnahmen vollkommen überrascht“: Das schreibt die Interessengemeinschaft Idyllisches Gundelsbach in einem Brief an unsere Zeitung über das geplante landwirtschaftliche Betriebsgebäude mit Weinkellerei, das der junge Wengerter Leon Gold am Ortseingang errichten möchte und das im Lauf des Jahres 2019 fertiggestellt werden soll. Aufmerksam wurden die Verfasser nach eigenen Angaben durch Arbeiten auf dem Grundstück, die in der zweiten Aprilwoche begonnen haben. Wie viele Mitglieder die Initiative hat, geht aus dem Brief nicht hervor, denn die Verfasser wollen anonym bleiben. „Gundelsbach ist sehr klein, jeder kennt jeden, und wir wollen keinen Krieg, sondern nur Aufklärung.“ Die Schreiber fragen sich, wie es zu der Baugenehmigung im Landschaftsschutzgebiet kommen konnte. Bisher sehen Leute, die Richtung Gundelsbach fahren, das alte Gasthaus „Im Krug zum grünen Kranze“ und die alte Kelter, dahinter die Weinberge und den Wald. Durch das Projekt, so die Befürchtung der Kritiker, werde sich alles ändern – und die Idylle von Gundelsbach zerstört.

Gegner werfen der Stadt vor, schlecht informiert zu haben

Die Initiative fragt sich, warum das Weingut Gold nicht direkt am Ortsrand statt am Ortseingang baut. Dort habe die Familie ein ebenso großes Grundstück, dass sich nach Ansicht der Schreiber ebenfalls zum Bau eines landwirtschaftlichen Betriebsgebäudes mit Weinkellerei eignen würde. Der Stadtverwaltung werfen die Kritiker vor, bislang nicht über das Vorhaben des Weinguts informiert zu haben.

Bauherr Leon Gold hat nun auf Anfrage unserer Zeitung zu den Vorwürfen Stellung bezogen – und wundert sich, warum die Kritiker davon ausgehen, dass der idyllische Blick auf Gundelsbach zerstört werde. Schließlich errichtet er kein mehrgeschossiges Bauwerk, sondern eine eigene Kellerei, als Alternative zu den bislang angemieteten Räumen in Großheppach. „Die ist im Prinzip nur unter der Erde.“ Zudem werde sie auch noch umfangreich begrünt – nur eine von mehreren Ausgleichsmaßnahmen, die das Ehepaar Gold im dortigen Landschaftsschutzgebiet umsetzen muss.

Rein landwirtschaftliche Nutzung

Wer jetzt denkt, dass Leon Gold nebenbei noch eine schöne neue Wohnung im Betriebsgebäude unterbringt, dem kann der junge Wengerter nur sagen, dass es „rein für die landwirtschaftliche Nutzung“ vorgesehen sei. Dass es ein anderes Grundstück am Ortsrand gibt, das im Besitz des Ehepaars Gold ist und auf dem ein Bau möglich gewesen wäre, bejaht der Gundelsbacher – aber dort hätte es nach seiner Aussage von den Behörden eben auch mehr Auflagen gegeben. Für die Umwelt wäre es laut Leon Gold die schlechtere Lösung gewesen – und so habe er sich für den jetzigen Standort entschieden.

Dass nun einige Gundelsbacher auf die Zeitung zugehen und sich schlecht informiert fühlen, wundert den Wengerter laut eigenem Bekunden sehr. „Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass es ganz Gundelsbach weiß.“ Die neue Kellerei, sagt Leon Gold, brauche er schlicht, seinen Betrieb gibt es nämlich erst seit ein paar Jahren, er kann also nicht auf gewachsene Strukturen zurückgreifen, sondern muss sich erst etwas aufbauen. Außerdem, findet Leon Gold, sollte jeder sich überlegen, ob die Wengerter nicht mehr Unterstützung verdient haben. „Das vergessen die meisten Leute, dass wir Winzer die Kulturlandschaft pflegen.“

Das sagt die Weinstädter Stadtverwaltung

„Grundsätzlich hält die Stadt das Bauvorhaben gestalterisch und baurechtlich für eine gute Lösung“, betont Holger Niederberger, Pressesprecher und persönlicher Referent des Weinstädter Oberbürgermeisters, auf Anfrage unserer Zeitung. Darüber hinaus begrüße es die Stadtverwaltung immer, wenn Unternehmer in Weinstadt investieren würden.

Leon Gold hat laut der Stadt als planungsrechtlich privilegierter Landwirt anders als sonstige Bauherren auch die Möglichkeit, im Außenbereich zu bauen, falls die im Gesetz formulierten Bedingungen erfüllt seien – und dies sei der Fall. „Also wurde die Genehmigung erteilt.“

Die Interessengemeinschaft Idyllisches Gundelsbach wirft der Stadtverwaltung vor, über das Bauvorhaben bislang nicht informiert zu haben. Holger Niederberger erklärt dies damit, dass eine Änderung des Bebauungsplanes nicht erfolgt sei. „In der Regel ist eine Information der Bürgerschaft über private Bauvorhaben nicht vorgesehen. Bei Vorhaben im Außenbereich wird der Technische Ausschuss des Gemeinderats vor der Genehmigung informiert, wie hier auch geschehen.“ Jene Sitzung fand nichtöffentlich statt.

Die Interessengemeinschaft fragt sich in ihrem Schreiben auch, warum nicht ein direkt am Ortsrand befindliches Grundstück bebaut wird, das ebenfalls im Eigentum der Eheleute Gold ist. Die Stadt betont in ihrer Stellungnahme indes, dass es zwar zunächst einen Bauantrag auf besagtem Grundstück gegeben habe, dieser jedoch vom Bauherrn nicht weiter verfolgt worden sei. „Der nun genehmigte Standort hat planerische und rechtliche Vorteile und fand daher Unterstützung.“