Weinstadt

Aus Endersbach auf die Kino-Leinwand: Was Schauspieler Gioele Viola jetzt vorhat

Filmemacher
Filmschauspieler Gioele Viola stammt aus Endersbach, er hat schon viele Rollen in Filmen und Serien gespielt. Obwohl er eine coronabedingte Durststrecke hinter sich hat, möchte er jetzt sein eigenes Drehbuch auf die Leinwand bringen. © Alexandra Palmizi

Auch in Zeiten von Streamingdiensten wie Netflix und Co. hat Gioele Viola einen großen Traum: dass sein eigener Film im Kino läuft. Der 25-jährige Schauspieler aus Endersbach, der schon in mehreren TV-Produktionen sowie im Kinofilm „A Gschicht über d’Lieb“ zu sehen war, hat jetzt sein erstes Drehbuch geschrieben. Mit unserer Zeitung hat er über seine großen Pläne und die schwierige Corona-Zeit gesprochen – und auch darüber, dass es ihn manchmal ärgert, immer den Klischee-Italiener spielen zu müssen.

„Der Italiener kann doch auch ein Anwalt sein oder ein Doktor“

Denn Gioele Viola ist zwar in Stuttgart geboren und in Endersbach aufgewachsen, seine Eltern stammen aber aus Kalabrien, ganz im Süden des italienischen Stiefels. Deshalb hat der Schwabe auch die italienische Staatsbürgerschaft – und ist nicht zuletzt wegen seines südländischen Aussehens prädestiniert für Charakterrollen, die ebenfalls Wurzeln in Italien haben. „Das ist so in der Filmbranche: Der Türke ist der Türke, der Deutsche ist der Deutsche“, sagt Gioele Viola. Dabei geht es ihm weniger um die Nationalität der Figur als um die Klischees, die gerne reproduziert werden: Der Ausländer ist der Kleinkriminelle, der Deutsche stammt aus gutem Elternhaus. „Dabei kann der Italiener doch auch ein Anwalt sein, oder ein Doktor“, sagt der 25-Jährige, der unter anderem schon in „Aktenzeichen XY“ oder der Jugendserie „Einstein“ zu sehen war.

Filme zu produzieren ist teuer: „Mit 700 000 Euro musst du rechnen“

Und noch einen Kritikpunkt hat der Endersbacher, der am Filmset gerne mal auf seine Ähnlichkeit zu Schauspieler Costia Ullmann angesprochen wird: In Deutschland liege der Fokus zu sehr auf Komödien. Zwar entstünden auch in diesem Genre tolle Filme, wie zum Beispiel „Das perfekte Geheimnis“ aus dem Vorjahr. Aber nach Gioele Violas Geschmack könnte der deutsche Film etwas mehr Spannung vertragen. Sein eigenes Drehbuch, das er gemeinsam mit Schauspielkollegin Riccarda Richter geschrieben hat, soll hingegen eine Mischung aus Thriller und Drama werden.

Die beiden haben es an verschiedene Produktionsfirmen verschickt, bereits positive Rückmeldungen erhalten und eine erfolgreiche Schwarmfinanzierung angestoßen, um an Startkapital zu kommen. 20 000 Euro haben sie bereits zusammen, jetzt soll eine weitere Kampagne folgen. Je mehr Eigenkapital die beiden zur Verfügung haben, desto größer ist ihr Mitspracherecht, hofft Gioele Viola. Denn die Filmproduktion ist teuer: „Mit 700 000 Euro musst du rechnen“, sagt der 25-Jährige.

Doch wovon handelt sein Drehbuch überhaupt? „Der Film soll die Kehrseite von Social Media zeigen“, erklärt Gioele Viola. Dabei wird das Phänomen der Internet-Challenges (deutsch: Herausforderungen) bei Instagram, Tiktok und Co. aufgegriffen. „Da gibt es die krassesten Sachen: Leute klettern auf Hochhäuser oder fahrende Züge.“ Gioele Violas Geschichte, die den Titel „Ich wette mit dir, dass ...“ trägt, dreht sich um eine Gruppe von sechs jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach Adrenalinkicks, Anerkennung und Klicks ein Russisch Roulette veranstaltet. Doch einer der Teilnehmer hat das Spiel manipuliert ...

"Hauptsache ist, dass er gesehen wird"

Natürlich werden die Drehbuchautoren selbst zwei Hauptrollen in dem Film übernehmen, wenn er hoffentlich in den nächsten beiden Jahren gedreht wird, je nachdem, wann und wo die beiden einen Zuschlag für die Filmförderung erhalten. „Wir haben das schon ein bisschen für uns geschrieben“, sagt Gioele Viola und grinst. Das Schönste für ihn wäre, wenn die Geschichte dann in den Kinos zu sehen wäre, ganz altmodisch, oder „oldschool“, wie der 25-Jährige sagt. Doch selbst wenn er über ein Streamingportal oder im TV veröffentlich würde: „Die Hauptsache ist, dass er gesehen wird.“

Gesehen werden, das ist für Filmschauspieler wie Gioele Viola derzeit gar nicht so einfach. Seinen letzten Dreh hatte der Weinstädter im Januar für den Kurzfilm „Pipeline“, in dem er die Hauptrolle spielt und der im kommenden Jahr auf Festivals gezeigt werden soll. Castings für neue Rollen finden wegen der Corona-Pandemie kaum statt. Dass Gioele Viola ausgerechnet in der Gastronomie arbeitet, um auch in schlechten Zeiten über die Runden zu kommen, macht es nicht einfacher.

Sein Potenzial wurde an der Erich-Kästner-Schule entdeckt

Doch der Schauspieler, der ein großer Fan von Leonardo DiCaprio ist, bleibt zuversichtlich. Die Krise wird nicht ewig dauern. Und er habe es durch seine bisherigen Rollen mittlerweile in einen Zirkel geschafft, in dem er immer wieder tolle Angebote für Rollen bekomme.

Das Potenzial in Gioele Viola, mit der Schauspielerei die Leidenschaft zum Beruf zu machen, hat übrigens vor vielen Jahren eine Theaterpädagogin an der Erich-Kästner-Schule in Weinstadt entdeckt. Aus der Theater-AG der Schule vermittelte sie das Talent an das Jugendensemble in Stuttgart, in dem der Endersbacher, der mittlerweile mit seiner Frau in Denkendorf lebt, sieben Jahre mitspielte. In Köln machte er eine dreijährige Schauspielausbildung, vom Theater wechselte er zum Film, spielte viele kleinere Rollen und schließlich in „A Gschicht über d’Lieb“ eine Rolle in seinem ersten Kinofilm.

Diese Rolle hat ihm Türen geöffnet. Jetzt möchte er sich seinen nächsten Traum verwirklichen, dafür will der 25-Jährige alles geben. Beim Schauspielern geht es vor allem um Emotion, sagt Gioele Viola: „Du bist nackt, du machst dich komplett angreifbar“.

Auch in Zeiten von Streamingdiensten wie Netflix und Co. hat Gioele Viola einen großen Traum: dass sein eigener Film im Kino läuft. Der 25-jährige Schauspieler aus Endersbach, der schon in mehreren TV-Produktionen sowie im Kinofilm „A Gschicht über d’Lieb“ zu sehen war, hat jetzt sein erstes Drehbuch geschrieben. Mit unserer Zeitung hat er über seine großen Pläne und die schwierige Corona-Zeit gesprochen – und auch darüber, dass es ihn manchmal ärgert, immer den Klischee-Italiener spielen zu

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