Weinstadt

Baugebiet "In den Hauern" in Weinstadt-Großheppach: Pläne werden offengelegt

Bebauungsplan In den Hauern
Dort, wo jetzt noch ein Wasserbehälter steht, sollen in Zukunft zwei Doppelhäuser mit insgesamt vier Wohneinheiten entstehen. © ALEXANDRA PALMIZI

Noch vor drei Jahren sollten auf einem rund 1500 Quadratmeter großen Grundstück am Großheppacher Ortsrand zwölf Wohneinheiten in dreigeschossiger Bauweise entstehen.

Nach massivem Gegenwind aus der Anwohnerschaft, die das Bauvorhaben in der Straße „In den Hauern“ damals unter anderem als „Kasernenbebauung“ bezeichnete, plante die Stadt 2020 noch einmal um: Sie kam den Bürgern mit einem neuen Entwurf für zwei Doppelhäuser mit je zwei Wohneinheiten zu jeweils 158 Quadratmeter Wohnfläche entgegen. Trotzdem bleiben zu diesem Zeitpunkt noch einige Fragen offen.

Zahlreiche Stellungnahmen von Behörden und Bürgern

Seitdem ist die Planung weiter fortgeschritten. Im Zuge des Verfahrensschritts der frühzeitigen Beteiligung sind die Pläne schon kurzzeitig öffentlich ausgelegt worden.

„Es gingen sowohl von Seiten der Behörden als auch von der Öffentlichkeit zahlreiche Stellungnahmen ein, die nach Prüfung und Abwägung zu Änderungen im Bebauungsplan geführt haben. Auch fachliche Beiträge wurden eingeholt und eingearbeitet“, so Alexander Schell vom Stadtplanungsamt in der zugehörigen Beschlussvorlage. In der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause hat das Gremium den Änderungen in Form einer Zwischenabwägung zugestimmt, den Bebauungsplan so weit abgesegnet – nun soll die öffentliche Auslegung des Planentwurfs erfolgen.

Nutzung als Fläche für Wohnbau wurde weiterhin infrage gestellt

Das grundsätzliche Konzept, wie es der Öffentlichkeit vor zwei Jahren schon vorgestellt worden ist, soll hinsichtlich Nutzung, Grünstruktur und Bebauung beibehalten werden. Aber schon über die Nutzung als Fläche für Wohnbebauung konnten sich die Anwohner in der Vergangenheit mit der Stadtverwaltung nur schwer einig werden.

Grund dafür war ein rund vier Jahrzehnte zurückliegendes Vorhaben der Stadt, in der Baulücke einen Spielplatz zu bauen. Dafür hatten Besitzer angrenzender Grundstücke offenbar zumindest einen Teil ihrer Flächen unentgeltlich an die Stadt abtreten müssen, der Spielplatz wurde aber nie gebaut. Außerdem wünschten Anwohner sich statt der neuen Häuser einen Generationenpark.

Stadt stellt klar: Neuer Wohnraum wird dringend gebraucht

Auch mit dieser Hinterfragung des Wohnraumbedarfs, der Entbehrlichkeit der Spielplatzfläche und des noch auf dem Grundstück befindlichen Wasserbehälters habe sich das Stadtplanungsamt im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung auseinandergesetzt.

Wie schon in der Vergangenheit fiel die Antwort der Stadt darauf eindeutig aus: Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist groß, Baulücken sollen hier Abhilfe schaffen und mit neuen Wohnungen gefüllt werden. „Entsprechende Ausführungen zur ungebrochen hohen Nachfrage nach Wohnbauland und zu den ausreichend vorhandenen Spielmöglichkeiten wurden in die Begründung aufgenommen“, so die Stadt.

Zufahrtsweg wird deutlich breiter 

Eine maßgebliche Veränderung hat sich bei der Erschließung der beiden neuen Gebäude ergeben: Ursprünglich war es so gedacht gewesen, dass der Wohnweg entlang der neuen Gebäude schmal ausfallen sollte - zu schmal zum Beispiel für die Müllabfuhr und auch nicht für den alltäglichen Autoverkehr geeignet. Deswegen waren eine zentrale Carportanlage für alle vier Wohneinheiten und ein Müllsammelplatz geplant.

Anregungen hinsichtlich der Verbreiterung des Weges seien nun in die Konzeption aufgenommen worden, auch in Rücksprache mit der Abfallwirtschaft Rems-Murr und den Stadtwerken: Mit der Abfallwirtschaft wurde demnach die Müllabhol-Situation bereits besprochen. Durch den verbreiterten Weg können die Tonnen künftig direkt an den Häusern abgeholt werden. Dadurch könne auf den Sammelplatz verzichtet werden.

Zisternen sind vorgeschrieben, kein zentraler Carport mehr

Außerdem benötigen die Stadtwerke einen Leitungsrechtsstreifen zur Sicherung der Wasserversorgung: Dieser muss noch zusätzlich zur Verbreiterung des Weges angelegt werden. Auch die Stadtentwässerung benötigt laut der Beschlussvorlage das Leitungsrecht und schlägt vor, Zisternen zur Regenwasserrückhaltung vorzuschreiben.

Diese Anpassungen genau wie das Wegfallen der wegen der breiteren Zufahrt überflüssig gewordenen Sammel-Carportanlage sind in den überarbeiteten Bebauungsplan aufgenommen worden. Es wird weiterhin mit zwei Stellplätzen pro Doppelhaushälfte geplant.

Vögel, Fledermäuse, Zauneidechse: Ein Teil des Grünbereichs muss bestehen bleiben

Die Feuerwehr habe an der Planung nichts auszusetzen gehabt, so das Stadtplanungsamt. Alle Gebäude seien über öffentliche Verkehrsflächen ausreichend zugänglich.  Einem weiteren Einwand folgend sieht die überarbeitete Konzeption außerdem eine private Grünfläche auf dem Grundstück vor. Diese soll für ausreichend Abstand zur Bestandsbebauung sorgen.

Auch die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung hat für „In den Hauern“ inzwischen stattgefunden. Laut Stadt führte sie zu dem Ergebnis, dass auf dem Grundstück verschiedene Vogelarten, Fledermausarten und die Zauneidechse leben.

Deswegen werden kompensatorische Maßnahmen erforderlich sein: Es darf zum Beispiel nur in einem bestimmten Zeitraum gerodet werden. Gehölzbereiche und Zauneidechsenhabitate, die erhalten werden müssen, seien im Bebauungsplan sowohl zeichnerisch als auch textlich übernommen worden. Ein Teil des Grünbestands werde erhalten, außerdem soll mit „heimischen Hölzern“ nachgepflanzt werden.

Archäologische Grabungen nach der Hauernkelter könnten folgen

Es könnte vor dem eigentlichen Baubeginn auch noch zu archäologischen Grabungen auf dem Grundstück kommen: Das Regierungspräsidium für Denkmalpflege hat laut Stadt darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Gebiet um eine archäologische Verdachtsfläche für die „abgegangene Hauernkelter“ handle.

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau merkte an, dass es auf dem Grundstück „Verkarstungserscheinungen“ gebe und es sich um ein Rutschgebiet handle. Im Rahmen der Erschließungsarbeiten und des Abbruchs des Wasserbehälters soll es deshalb entsprechende Gutachten geben, so die Stadt.

Noch vor drei Jahren sollten auf einem rund 1500 Quadratmeter großen Grundstück am Großheppacher Ortsrand zwölf Wohneinheiten in dreigeschossiger Bauweise entstehen.

Nach massivem Gegenwind aus der Anwohnerschaft, die das Bauvorhaben in der Straße „In den Hauern“ damals unter anderem als „Kasernenbebauung“ bezeichnete, plante die Stadt 2020 noch einmal um: Sie kam den Bürgern mit einem neuen Entwurf für zwei Doppelhäuser mit je zwei Wohneinheiten zu jeweils 158 Quadratmeter Wohnfläche

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