Weinstadt

Bestellbegrenzung für Biontech: HNO-Arzt aus Weinstadt verärgert über Coronapolitik

Covid Impfung
Bei Biontech gilt neuerdings für Praxen eine Bestellobergrenze von 30 Dosen pro Arzt pro Woche. © Gabriel Habermann

Seit auch Fachärzte gegen Corona impfen dürfen, arbeitet die HNO-Praxis Gkotsis und Taxis mit Hochdruck daran, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Seit die Booster-Impfung für alle Altersgruppen freigegeben ist, sei die Nachfrage nach Impfterminen enorm angestiegen, berichtet HNO-Arzt Delf-Hagen Taxis. Bis zu über 400 Impfungen pro Woche könnte die Praxis eigentlich leisten. Doch jetzt hat der Bund für Biontech eine Bestellobergrenze eingeführt. Praxen sollen stattdessen auf Moderna zurückgreifen.

Aussagen der Politik „Fähnchen im Wind“

Dass sich das nun alles auf einen Schlag ändert, sei nicht nur viel zusätzlicher Aufwand für die Praxen, auch die Patienten verunsichere das unnötig. Und das nicht nur, weil Moderna seit kurzem von der ständigen Impfkommission (Stiko) nur noch für über 30-Jährige empfohlen wird. Die Aussagen der Politiker seien in Hinblick aufs Impfen viel zu oft „Fähnchen im Wind“, bei der Kommunikation hapere es gewaltig, ärgert sich Taxis: „Die können nichts anderes außer Lockdown.“

Besonders ärgert er sich über den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der vergangene Woche auf der Medizinmesse Medica in Düsseldorf den Hausärzten vorgeworfen hat, samstags lieber golfen zu gehen, statt ihren Patienten ein Impfangebot zu machen. Reine Polemik, findet der HNO-Arzt.

Nur noch 30-mal Biontech pro Arzt pro Woche

Denn gleichzeitig beschränkt der Bund nun Praxen bei der Impfstoff-Bestellung von Biontech auf 30 Dosen pro Arzt pro Woche. Für die HNO-Praxis Gkotsis und Taxis in Endersbach ein ernstes Problem: Sie hätten pro Woche eigentlich mehrere Hundert Impfpatienten, die gerne Biontech haben möchten – die Termine sind bis einschließlich Februar schon größtenteils ausgebucht.

Mit diesen Patienten – oder zumindest mit jenen, die in den kommenden Wochen einen Termin ausgemacht haben – muss sich die HNO-Praxis jetzt in Verbindung setzen. Die gute Nachricht für die Patienten: Der Impftermin kann bestehen bleiben. Aber nur, wer jünger als 30 Jahre ist, bekommt Biontech – den anderen bietet die Praxis nun Moderna an.

Kommt die Nachfrage wirklich so überraschend?

„Es ist ja kein schlechteres Impfangebot, es ist nur sehr schlecht kommuniziert“, sagt der Endersbacher Arzt. Trotzdem: Wer keine Drittimpfung mit Moderna möchte, wird seinen Impftermin wohl absagen. Die Planung beginnt für die Praxen von neuem. Gesundheitsminister Jens Spahn begründete die Bestellobergrenze gegenüber der dpa damit, dass einfach nicht mehr genug Biontech-Impfstoff verfügbar sei.

Die Regierung halte nichts zurück, dennoch drohten die Biontech-Lager im Moment leerzulaufen. Gleichzeitig sei von Moderna so viel auf Lager, dass diese Impfdosen bald schon ihr Verfallsdatum erreicht haben könnten, wenn sie nicht verimpft würden, so dpa.

Dass die steigende Nachfrage nach Biontech-Impfstoff den Bund tatsächlich so unvorbereitet erwischt hat, dass nun erneut ein Mangel an Biontech-Impfstoff droht, kann sich Delf-Hagen Taxis kaum vorstellen: „Die Kurzfristigkeit erschließt sich mir einfach nicht.“ Schließlich war die Nachfrage nach Biontech für die Erst- und Zweitimpfungen im Frühjahr und Sommer auch sehr groß. Damals sei der Impfstoff Moderna vorwiegend an die Impfzentren verteilt worden, in den Praxen habe man hauptsächlich Biontech zur Verfügung gehabt.

Mit einem anderen mRNA-Impfstoff boostern?

Viele seien jetzt sicherlich auch verunsichert. Immerhin lautet die offizielle Empfehlung ja eigentlich weiterhin, sich mit dem gleichen Impfstoff boostern zu lassen, den man auch bei den ersten beiden Impfungen erhalten hat. Auch diese Empfehlung kann der Endersbacher HNO-Arzt nur schwer nachvollziehen: So seien in anderen Ländern Kreuzimpfungen doch schon lange an der Tagesordnung, ja, würden sogar ausdrücklich empfohlen.

Trotzdem wolle die Weinstädter HNO-Praxis weiterhin versuchen, so viele Menschen wie möglich neben dem täglichen Betrieb her zu impfen. „Wir halten an den Impfterminen fest“, sagt der HNO-Arzt. Für die Praxis mache es an sich keinen großen Unterschied, ob Biontech oder Moderna bestellt wird. Der zweite mRNA-Impfstoff sei sogar etwas pflegeleichter: „Moderna muss man nicht anrühren“, erklärt HNO-Arzt Delf-Hagen Taxis.

Dieses Jahr noch sind auch zwei Impfsonntage eingeplant, an denen jeweils 250 Spritzen in den Arm gehen sollen. Ein Arzt im Ruhestand unterstütze ihr Team bei den Impfungen, so Taxis. Die Termine an den beiden Sonntagen seien allerdings schon vergeben.

Seit auch Fachärzte gegen Corona impfen dürfen, arbeitet die HNO-Praxis Gkotsis und Taxis mit Hochdruck daran, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Seit die Booster-Impfung für alle Altersgruppen freigegeben ist, sei die Nachfrage nach Impfterminen enorm angestiegen, berichtet HNO-Arzt Delf-Hagen Taxis. Bis zu über 400 Impfungen pro Woche könnte die Praxis eigentlich leisten. Doch jetzt hat der Bund für Biontech eine Bestellobergrenze eingeführt. Praxen sollen stattdessen auf Moderna

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