Weinstadt

Cabrio-Ruine: Wie geht es weiter?

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Cabrio-Ruine
Die Ruine des Mineralbads Cabrio. Die Aufnahme stammt vom Juli 2017. © Drohnenbild / Büttner / ZVW
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Mit Genehmigung der Stadtverwaltung haben wir uns im Juli 2017 auf dem Cabrio-Gelände aufhalten dürfen – das Badgebäude selbst durften wir allerdings schon damals nicht betreten. Als wir nun erneut auf dem Areal fotografieren wollten, teilte die Stadt mit, dass sie aus Sicherheitsgründen keinem Fotografen mehr Zugang gewährt.
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Cabrio-Ruine
Links befindet sich die Flüchtlingsunterkunft des Landkreises, rechts die Ruine des Mineralbads Cabrio. Die Aufnahme stammt vom Juli 2017. © Benjamin Buettner

Weinstadt-Endersbach.
Ist der Abriss des Cabrios aufgrund der hohen Kosten generell vom Tisch? Gibt es überhaupt Pläne bei der Weinstädter Stadtverwaltung, was auf dem Areal des ehemaligen Endersbacher Mineralbads einst entstehen könnte? Fakt ist, dass das Thema vor zweieinhalb Jahren das letzte Mal auf der Tagesordnung einer öffentlichen Sitzung auftauchte. „Rückbau Mineralbad Cabrio – Sachstandsbericht zu Planung und Ausführung“ stand in der Einladung zur Sitzung des Technischen Ausschusses vom 6. Juli 2017. An jenem Tag wurde der Tagesordnungspunkt von Baubürgermeister Thomas Deißler abgesetzt. Damals hieß es von Seiten der Verwaltung, dass der Abriss des Cabrios am 5. Oktober 2017 erneut öffentlich beraten werden soll. Passiert ist bis heute nichts.

Pachtvertrag mit Landratsamt für Teil der Wiese läuft Ende 2020 aus

Auf Nachfrage teilt der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger nun mit, dass derzeit eine mögliche Nachnutzung des 1,3 Hektar großen Cabrio-Geländes in Endersbach nicht im Fokus der Planungen der Stadt Weinstadt stehe. Der Pachtvertrag über Teile der ehemaligen Liegewiese mit dem Landratsamt des Rems-Murr-Kreises läuft nach seinen Angaben zunächst noch bis Ende des Jahres 2020. Hier leben seit April 2016 Flüchtlinge in Wohncontainern, die das Landratsamt geleast hat. „Zu der Frage, ob der Pachtvertrag gegebenenfalls verlängert werden sollte, müssen noch Gespräche geführt werden“, schreibt Niederberger.

In der Gemeinschaftsunterkunft sind derzeit nach Angaben des Landratsamts 80 Flüchtlinge untergebracht. Die maximale Belegungszahl der Unterkunft liegt bei rund 100 Personen. Rund die Hälfte der Bewohner kommt laut Pressesprecherin Martina Keck aus afrikanischen Ländern, mehr als ein Drittel aus dem Mittleren Osten. „Der Pachtvertrag läuft bis Ende des Jahres. Prinzipiell ist es für uns natürlich sinnvoll, bestehende Unterkünfte beizubehalten – wenn das auch im Sinne der jeweiligen Kommune ist. Hierzu werden wir uns noch mit der Stadt Weinstadt abstimmen.“

Früher versorgte die Heizung des Cabrios auch das Otto-Mühlschlegel-Haus in der Strümpfelbacher Straße 63. Wer sich deswegen nun Sorgen machte, ob der Zustand der Mineralbad-Ruine die Versorgung gefährdet, den kann Niederberger beruhigen. „Das benachbarte Gebäude des Otto-Mühlschlegel-Hauses wird seit einigen Jahren autark, das heißt ohne jegliche Verbindung zum Cabrio-Gebäude, beheizt.“ Im Gebäude des einstigen Bads finden laut Niederberger aus Sicherheitsgründen auch keinerlei Übungen mehr statt. „Den Vorplatz nutzt die Feuerwehr selten für eine Übung.“ Ebenfalls aus Sicherheitsgründen gewährt die Stadtverwaltung keinem Fotografen mehr Zugang zu dem Gelände.

Bürgerentscheid verhindert 2010 den Neubau eines Hallenbads

Das Endersbacher Cabrio wurde einst in den 70er Jahren errichtet. Das Besondere war, dass es im Winter als Hallenbad fungierte und im Sommer als Freibad. Noch in den 2000er Jahren hätte ein nicht allzu hoher siebenstelliger Betrag gereicht, das Bad zu sanieren – doch in der Diskussion um einen Neubau oder eine Sanierung ging ein Riss durch den Gemeinderat. Der damalige Oberbürgermeister Jürgen Oswald konnte diesen nicht kitten. Schließlich stimmte eine knappe Mehrheit der Stadträte zusammen mit OB Oswald 2010 für den Neubau eines Hallenbads auf dem Cabrio-Gelände. Dagegen formierte sich eine Bürgerinitiative, deren maßgebliche Vertreter heute für CDU und GOL im Gemeinderat sitzen. Noch im selben Jahr stoppte ein von ihr initiierter Bürgerentscheid den Bad-Neubau. Einzig in Endersbach gab es damals eine Mehrheit für einen Neubau, in allen anderen Ortsteilen überwogen die Gegner.

Der Abriss der Ruine wurde aus den Reihen des Gemeinderats immer wieder gefordert. Als 2017 das Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung der Abbrucharbeiten vom Büro Klinger und Partner erstellt wurde, kam heraus, dass die in der bisherigen Kostenschätzung prognostizierten Abbruchkosten von 750 000 Euro nicht ausreichen. Im Juli 2017 teilte die Stadt mit, dass während der Sommerferien 2017 untersucht werden soll, ob Bodenplatten und Fundamente ganz oder teilweise belassen werden können. Auch sollte geprüft werden, wie sich das auf die Abbruchkosten und die künftige Nutzung des Areals auswirkt. Seither gab es zu dem Thema keine öffentliche Verlautbarung mehr.


Cabrio-Areal: Was sollte hier gebaut werden?

Soll das Cabrio abgerissen werden – und falls ja: in welchem Zeitfenster? Und was soll auf dem Gelände künftig entstehen? Das hat unsere Zeitung die vier Fraktionen im Weinstädter Gemeinderat gefragt.

GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger schrieb, dass eine Sanierung absolut nicht infrage kommt. „Der Abriss sollte aber erst erfolgen, wenn über die Nachnutzung des Areals entschieden ist.“ Dann kann der Umfang des Abrisses an die Erfordernisse der Nachnutzung angepasst werden. Siglinger hofft, so einen Teil der Abrisskosten einzusparen, etwa wenn die Fundamente nicht vollständig entfernt werden müssen. Die seitherige Nutzung des Areals für ein Hallenbad kommt für die GOL nicht mehr in Betracht. „Denn wenn sich der Gemeinderat für den Neubau eines Hallenbads entscheiden sollte, dann muss dieses aus unserer Sicht zwingend beim Schulzentrum gebaut werden.“ Somit kann es laut Siglinger dazu kommen, dass die Zweckbestimmung für das Areal im Flächennutzungsplan geändert werden muss – und es keine Fläche für den Gemeinbedarf mehr ist. Wenn über Nachnutzungen nachgedacht wird, kommen für die GOL in erster Linie altersgerechte Pflege- und Betreuungskonzepte in Betracht mit einer möglichst großen Bandbreite an Angeboten. „Ehe dazu jedoch weitere Überlegungen angestellt werden, wollen wir die Ergebnisse des von der Stadt Weinstadt beauftragten Stadtseniorenplans abwarten.“ Der soll im Mai/Juni 2020 im Gemeinderat beraten werden.

Auch die Freien Wähler bitten noch um Geduld. „Wie Sie wissen, findet im April eine Klausurtagung zum Thema Bäder statt, dann gibt es neue Informationen“, schreibt Fraktionschefin Isolde Schurrer. Da sich aktuell auf dem Gelände des Cabrios noch Asylunterkünfte befinden, steht das Thema über die Zukunft des Geländes für die Freien Wähler momentan nicht auf der Agenda – was nicht bedeutet, dass es für die Fraktion nicht wichtig ist. „Schon 2015 haben wir einen Haushaltsantrag über 500 000 Euro zum Abriss des Cabrios gestellt. Der wurde vom damaligen OB abgelehnt, weil die Gegenfinanzierung gefehlt hat. In der Zwischenzeit sind, wie die Baukosten, die Abrisskosten rasant angestiegen, deswegen wurde der Abriss vertagt.

Die CDU-Fraktion will nach Auskunft von Fraktionschef Ulrich Witzlinger das Cabrio-Gebäude zeitnah abreißen. „Der konkrete Abbruchtermin lässt sich allerdings erst dann konkret sagen, wenn man gemeinsam eine Entscheidung getroffen hat, wie die Zukunft des Cabriogeländes aussehen soll.“ Auch die CDU setzt hier auf die Klausurtagung im April. „Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Weinstadt gehen wir nicht davon aus, dass wir einen Abbruchtermin in diesem Jahr versprechen können.“ Hinsichtlich der weiteren Gestaltung des Geländes ist die CDU für alle Ideen grundsätzlich offen. „Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass an dieser Stelle ein Hallenbad gebaut wird.“

Die SPD-Fraktion ist der Ansicht, dass in Anbetracht des Gebäudezustands ein Abriss die einzige Möglichkeit darstellt. „Die enormen Abrisskosten bedingen eine sinnvolle, den örtlichen Bedarfen entsprechende Nachnutzung und Investition“, betont Fraktionschef Julian Künkele. Um über eine konkrete Nachnutzung entscheiden zu können, müssen aus Sicht der SPD noch weitere Erkenntnisse gewonnen werden, zum Beispiel, ob und – falls ja – wo ein neues Hallenbad entstehen kann.

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Ist der Abriss des Cabrios aufgrund der hohen Kosten generell vom Tisch? Gibt es überhaupt Pläne bei der Weinstädter Stadtverwaltung, was auf dem Areal des ehemaligen Endersbacher Mineralbads einst entstehen könnte? Fakt ist, dass das Thema vor zweieinhalb Jahren das letzte Mal auf der Tagesordnung einer öffentlichen Sitzung auftauchte. „Rückbau Mineralbad Cabrio – Sachstandsbericht zu Planung und Ausführung“ stand in der

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