Weinstadt

Cannabis am Bahnhof verkauft?

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Marihuana darf in Deutschland nur jener konsumieren, der es zur Behandlung von chronischen Schmerzen vom Arzt verschrieben bekommt. Alles andere ist illegal. © Pixabay Creative Commons CC0

Weinstadt-Beutelsbach. „Bock auf Smarties, Kaffee und Party“: Was sich in dem Chat für den Laien harmlos anhört, hat Beamte der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen in Alarmbereitschaft versetzt. Smarties gilt als Szenewort für die Partydroge Ecstasy, Kaffee als Code für aufputschende Amphetamine wie Speed. Bei einem weiteren Begriff las sich der Chat so, als ob für den 23. März 2018 ein konkretes Drogengeschäft an der Beutelsbacher S-Bahn-Haltestelle vereinbart wurde. Zwei „Gemü“ orderte Bastian Z., der zum damaligen Zeitpunkt in Beutelsbach gewohnt hatte, bei dem heute 36-jährigen Thomas F. (beide Namen geändert) – eine typische Umschreibung für Marihuana. Letzteres dürfen in Deutschland nur Ärzte verschreiben, wenn ein Patient etwa an chronischen Schmerzen leidet. Thomas F. aber ist kein Arzt und der Mann aus Beutelsbach hatte zum Tatzeitpunkt auch kein ärztliches Rezept. Ging es um ein Drogengeschäft? Die Frage versucht nun die Waiblinger Amtsrichterin Figen Basoglu-Waselzada zu klären. Kein leichtes Unterfangen – denn der Angeklagte machte zum Prozessauftakt zum Tatvorwurf keine Angaben.

Nun kommt es darauf an, was jener Mann aussagt, den die Staatsanwaltschaft als Käufer der Droge ansieht. Der aber konnte zur Verhandlung nicht geladen werden. Der Wohnungslose war laut Einwohnermeldeamt in der Obdachlosenunterkunft im Großheppacher Heuweg gemeldet, in der er aber nach Auskunft des Staatsanwalts nicht mehr lebt. Über eine Cousine, bei der er angeblich wohnen soll, konnte er ebenfalls nicht erreicht werden. So blieben Amtsrichterin Figen Basoglu-Waselzada nur die Aussagen eines Polizeibeamten und der Chatverlauf.

Was dort steht, reicht aus Sicht der Staatsanwaltschaft jedenfalls aus, den 36-jährigen Thomas F. wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz anzuklagen. Dieser soll dem damals in Beutelsbach lebenden Bastian Z. zwei Gramm Marihuana verkauft haben. Aufmerksam auf den 36-jährigen Angeklagten wurde die Polizei, weil gegen Bastian Z. ein Ermittlungsverfahren lief. In diesem Zusammenhang wurden auch seine Chats ausgewertet – und da stieß die Polizei auf den Angeklagten. „Ja, was brauchst du?“, soll Thomas F. über sein Handy an Bastian Z. geschrieben haben. Dass es sein Handy ist, dafür spricht zumindest die Existenz eines Mobilfunkvertrags bei der Deutschen Telekom. Antwort von Bastian Z.: „Zwei Gemü“. Später heißt es in dem Chat: „Wann soll ich bei dir sein?“ Und: „Das ist mein letztes Geld, das ich dir vorstrecke.“ Das Treffen sollte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft an jenem 23. März 2018 zwischen 18 und 19 Uhr stattfinden.

Ob das so war, darüber gab der Angeklagte selbst keine Auskunft. Nur zu seiner Person machte er Angaben, etwa dass er einer geregelten Arbeit nachgeht, Schulden hat und Kinder, die aber nicht bei ihm wohnen, sondern bei seinen Eltern. Als ihn Amtsrichterin Figen Basoglu-Waselzada fragte, ob er selbst Drogen konsumiere, murmelte der 36-Jährige erst kurz etwas vor sich hin, ehe er verstummte und dazu keine Angaben machen wollte.

Tonaufnahmen sollen im Gerichtssaal abgespielt werden

Da der Chat zwischen Thomas F. und Bastian Z. nicht nur aus Textnachrichten besteht, sondern auch aus Tonaufnahmen, fragte der Anwalt des Angeklagten nach, ob es möglich sei, diese Audiodateien im Gerichtssaal abzuhören. So soll abgeklärt werden, ob die Tonaufnahmen richtig abgetippt wurden und ob es sich bei der Stimme wirklich um die Stimme von Thomas F. handelt. Das Abspielen der Tonaufnahmen war aber in der Verhandlung nicht möglich. „Ich beantrage, dass wir das zum nächsten Termin hören“, forderte der Anwalt. Und genau so soll es kommen.

Mutmaßlicher Käufer soll noch aussagen

Richterin Figen Basoglu-Waselzada legte den Fortsetzungstermin am Waiblinger Amtsgericht auf Mittwoch, 12. Februar. Dabei soll versucht werden, dass auch Bastian Z. noch in der Verhandlung als Zeuge aussagen kann. Die große Frage ist freilich, ob ihn die Behörden erreichen und er tatsächlich auch kommt. Zuletzt hieß es, er sei auf Montage in der Nähe von Ulm.