Weinstadt

Corona-Impfung: Nachfrage in Weinstadt sinkt, Biontech-Termine leichter zu haben

ImpfaktionHNOArzt
HNO-Arzt Christos Gkotsis verpasst am Donnerstagnachmittag im Zelt vor der Praxis einem jungen Patienten die Corona-Schutzimpfung. © Gaby Schneider

Als die HNO-Ärzte Delf-Hagen Taxis und Christos Gkotsis Anfang Mai in die Corona-Impfkampagne eingestiegen sind, war der Ansturm riesig. Kaum schalteten sie donnerstags um 18 Uhr die Termine für die Folgewoche frei, waren die Dosen von Biontech und Co. bereits vergriffen. Böse Mails an die Ärzte waren die Folge. Diese bauten die Kapazitäten aus, impften fortan auch im Testzelt des Apotheker-Ehepaars Grübel direkt vor ihrer Praxis. Seit Mai haben die beiden mehr als 800 Spritzen aufgezogen. Jetzt entspannt sich die Lage deutlich.

136 Dosen Impfstoff von Biontech verimpfen die HNO-Ärzte in dieser Woche, teilweise in der Praxis, teilweise in einer Kabine des Schnelltest-Zelts, das zwischen der Praxis und dem Ladengeschäft „Mode am Markt“ steht. Am Donnerstagabend (1.7.) um 18 Uhr sind auf der Homepage von Delf-Hagen Taxis und Christos Gkotsis 114 neue Termine für die Erstimpfung mit Biontech in der kommenden Woche online gegangen. Bis vor zwei Wochen wären diese Termine noch in der Sekunde vergriffen gewesen, in der sie freigeschaltet wurden. Dieses Mal sind noch zahlreiche Dosen übrig - sie können jetzt auch als Zweitimpfung an diejenigen verimpft werden, die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben.

Plötzlich sind noch Impfdosen übrig

In der vergangenen Woche war es erstmals so, dass der Tag der Impfung gekommen war und die Ärzte noch Dosen übrig hatten. Dass sie einmal Impfstoff vernichten müssen – das hätten Taxis und Gkotsis nicht gedacht. Aber ist das jetzt ein gutes Zeichen oder ein schlechtes?

Zunächst einmal sind die beiden Ärzte froh, jetzt alle Impfwilligen bedienen zu können. So bleiben auch die „Frustrationsbekundungen“ derjenigen aus, die leer ausgegangen sind. Christos Gkotsis sieht in der aktuellen Entwicklung außerdem ein Zeichen für den Erfolg der Impfkampagne durch die Hausärzte, die im Kreis fast 80 000 Menschen versorgt haben. „Es scheint, als seien die Impfwilligen größtenteils versorgt“, sagt sein Kollege Delf-Hagen Taxis. Und die Übrigen finden nun leichter und schneller einen Termin.

Was bleibt, ist die Frage, wie groß der Anteil derer ist, die sich nicht impfen lassen wollen. Noch haben erst etwas mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Erstimpfung erhalten. Mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen in den vergangenen Tagen ist für manche ein Anreiz verloren gegangen, eine doppelte Impfung im Pass vermerkt zu haben.

Die Nachfrage nach Schnelltests ist ebenfalls stark zurückgegangen

Dieser Effekt schlägt freilich bei den Schnelltests noch viel stärker durch.

Für die Endersbacher Apothekerin Melanie Grübel ist es bei der aktuellen Infektionslage vertretbar, dass weniger getestet wird: „Die Zahlen sind sehr niedrig, viele Leute sind geimpft. Das kann man schon verantworten“, sagt sie.

Melanie Grübel und ihr Mann Tobias Grübel bieten die Schnelltests seit Januar an. Waren es Anfang des Jahres zunächst 20 Tests pro Woche, ließen sich in der ersten Juniwoche mehr als 3200 Menschen vom Grübel’schen Team in der Nase bohren.

Weniger Tests? Apothekerin Grübel: "Ein Zeichen von Normalität"

Zeitweise waren in dem Zelt, das der Unternehmer Christian Hartmann vor seinem Modegeschäft zur Verfügung gestellt hat, fünf Tester gleichzeitig im Einsatz. Doch seit nicht mehr immer und überall nach einem negativen Test-Nachweis verlangt wird, sind die Zahlen stark zurückgegangen. „Ein Zeichen von Normalität“, wie Melanie Grübel findet. Und sollten die Zahlen wieder steigen – die Infrastruktur für mehr Tests sei schnell geschaffen.

Die Schnelltests werden ab Montag, 5. Juli, wieder in der Spiess’schen Apotheke selbst angeboten. Das Zelt wird teilweise abgebaut, hier wird dann nur noch geimpft – sollte es dafür noch Bedarf geben.

In der Corona-Krise ist Eigeninitiative gefragt

Christian Hartmann dürfte nichts dagegen haben, dass sein Schaufenster dann wieder sichtbar ist. Und die Apotheker und Ärzte freuen sich über eine Rückkehr zu etwas geregelteren Arbeitszeiten. Denn Corona war für sie alle ein Kraftakt. Was sich dabei besonders gezeigt habe, sagt Melanie Grübel, ob jetzt in puncto Schnelltests, Impfen oder bei der Zusammenarbeit im Zelt: „Es kommt auf Eigeninitiative an.“

Als die HNO-Ärzte Delf-Hagen Taxis und Christos Gkotsis Anfang Mai in die Corona-Impfkampagne eingestiegen sind, war der Ansturm riesig. Kaum schalteten sie donnerstags um 18 Uhr die Termine für die Folgewoche frei, waren die Dosen von Biontech und Co. bereits vergriffen. Böse Mails an die Ärzte waren die Folge. Diese bauten die Kapazitäten aus, impften fortan auch im Testzelt des Apotheker-Ehepaars Grübel direkt vor ihrer Praxis. Seit Mai haben die beiden mehr als 800 Spritzen aufgezogen.

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