Weinstadt

Dank besonderer Pflanzenkohle: Bald schon klimapositiver Wein aus Weinstadt

Pflanzenkohle
Das Kohle-Kompost-Gemisch Terra Preta bringt Achim Stilz mit dem Traktor aus. © Büttner

Auf den ersten Blick sieht der Eimerinhalt aus wie klein gestampfte Grillkohle: Hinter der Herstellung steckt aber ein uralter und aufwendiger Prozess – und das fertige Produkt ist auch um ein Vielfaches teurer.

Bio-Weinbauer Achim Stilz hat sich insgesamt 2,5 Tonnen Pflanzenkohle und Terra Preta von dem Allgäuer Start-up „Kohlekumpels“ kommen lassen. Das Streugut möchte er in den kommenden Wochen auf ungefähr zwei bis drei Hektar Weinberg ausbringen. Dort soll die Pflanzenkohle nicht nur mehrere Tonnen Kohlenstoff dauerhaft im Boden binden – der besondere „Dünger“ soll sich auch positiv auf die Böden auswirken.

Auch Betriebe spielen Rolle bei den Klimazielen

Die Aktion des Weinguts „Im Hagenbüchle“ ist im Kontext des Bestrebens des Klimabündnisses Weinstadt und der Stadt Weinstadt zu sehen, bis 2035 die Klimaneutralität zu erreichen. Dabei gibt es nicht nur offensichtliche Handlungsfelder wie grüne Energie oder umweltfreundliche Mobilität: Gerade auch die Betriebe in Weinstadt spielen dabei eine große Rolle.

Dafür hat das Klimabündnis das Handlungsfeld „Klimafreundliche Betriebe“ formuliert. Achim Stilz interessiert sich schon lange für umweltfreundlichen und möglichst nachhaltigen Weinbau.

Besondere Rebsorten müssen fast nicht mehr gespritzt werden

Er hat für seine Weinberge eine Bioland-Zertifizierung und betreibt ökologischen Anbau. Damit aber noch nicht genug: Er will auch den Einsatz von sämtlichen Pflanzenschutzmitteln und auch seine Fahrten mit dem Weinberg-Traktor, die beim regelmäßigen Spritzen nun einmal anfallen, auf ein Minimum reduzieren. Deshalb hat er sich die vergangenen 20 Jahre intensiv nach besonders pilzresistenten Sorten umgeschaut - und ist fündig geworden. Statt des bekannten Rieslings baut er seit einiger Zeit schon die weiße Traubensorte Johanniter an.

Die Sorte Monarch als „top Rotweinsorte“ hat sich ebenfalls als sehr widerstandsfähig herausgestellt. Drei Hektar Weinberg hat der Wengerter schon mit den neuen Sorten bepflanzt, einen Weinberg mit Zweigelt wolle er vorläufig noch behalten – der Rest seiner rund fünf Hektar Fläche in den Weinbergen über Schnait liegt aktuell brach.

Kohle speichert Nährstoffe sehr gut

Auf diesem Brachland bringt Achim Stilz jetzt rund 1,5 Tonnen rohe Pflanzenkohle aus. Deren Einsatz sei auf bereits bewirtschafteten Flächen eher nicht zu empfehlen, sagt Benny Klose, Sprecher der „Kohlekumpels“: „Die Kohle wirkt wie ein Schwamm.“ Sie saugt sich voll mit Feuchtigkeit, Mikroorganismen und Nährstoffen – genau das macht diesen Rohstoff für Böden aber auch so wertvoll. Liegt die Kohle eine Zeit lang, wird sie von den Würmern in den Boden eingearbeitet. Dort lockert sie die Erde auf und speichert Wasser.

Wer nicht so lange warten kann, für den vertreibt das Unternehmen auch die Substanz Terra Preta: Dabei handelt es sich um mit Kompost fermentierte und dadurch schon angereicherte Pflanzenkohle. Beide Produkte werden aus Grün- und Holzschnitt, wie er in jeder Kommune anfällt, in einigen zertifizierten Betrieben im Pyrolyse-Verfahren hergestellt: Statt zu häckseln, wird der Pflanzenabfall zu Kohle verbrannt. Dabei wird die Hälfte des entstehenden CO2 dauerhaft in der Kohle gespeichert, die andere Hälfte werde zum Beispiel als Fernwärme genutzt, erklärt Benny Klose.

Toller Effekt, aber noch sehr kostspielig 

Rund 2,5 Tonnen CO2 könne eine Tonne Holzkohle dauerhaft im Boden binden. Die feuchte und schwere Terra Preta am Gewicht gemessen etwas weniger. Was bedeutet das für Achim Stilz' Weinberge? „3000 Liter Wein lassen sich damit um 20 Prozent überkompensieren“, so der Kohlekumpel-Sprecher. Das heißt: Die 2,5 Tonnen Streugut speichern 20 Prozent mehr CO2 im Boden, als bei der gesamten Produktion von 3000 Flaschen Wein entsteht. Einen Haken hat die Sache allerdings: Die Holzkohle ist noch extrem teuer. Das Start-up hofft jedoch, dass bald noch mehr Betriebe Holzschnitt zu Kohle verarbeiten.

Auf den ersten Blick sieht der Eimerinhalt aus wie klein gestampfte Grillkohle: Hinter der Herstellung steckt aber ein uralter und aufwendiger Prozess – und das fertige Produkt ist auch um ein Vielfaches teurer.

Bio-Weinbauer Achim Stilz hat sich insgesamt 2,5 Tonnen Pflanzenkohle und Terra Preta von dem Allgäuer Start-up „Kohlekumpels“ kommen lassen. Das Streugut möchte er in den kommenden Wochen auf ungefähr zwei bis drei Hektar Weinberg ausbringen. Dort soll die Pflanzenkohle nicht

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