Weinstadt

Der tägliche Ärger über die S-Bahn

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„Ich stehe morgens um 6 Uhr auf“: Evita Häcker (16) muss einen langen Weg auf sich nehmen, um von Großheppach zu ihrer Schule im Hallschlag zu kommen. Um 6.45 Uhr radelt sie los zur S-Bahn-Haltestelle Beutelsbach, wo um 7 Uhr ihre Bahn abfährt. Diese erreicht um 7.25 Uhr den Hauptbahnhof. Dann nimmt sie die U 12 Richtung Remseck und steigt um 7.48 Uhr an der Haltestelle Hallschlag aus. Um 8 Uhr ist sie an der Schule, die um 8.10 Uhr beginnt. © Büttner/ZVW

Weinstadt-Großheppach. Verspätungen, vollbelegte Sitzplätze, unverschämte Fahrgäste: Evita Häcker stört an der S-Bahn einiges. Die 16-Jährige muss täglich von Großheppach zu ihrer Schule im Hallschlag pendeln. Um 6.45 Uhr geht sie aus dem Haus, um 8 Uhr ist sie im Klassenzimmer – sofern alles gutgeht.

Wenn Evita Häcker zu spät zum Unterricht kommt, muss sie damit rechnen, dass es Ärger gibt. Denn nicht jeder Lehrer an ihrer Schule akzeptiert es, wenn sie einfach nur sagt, dass die S-Bahn zu spät gewesen ist. Sie selbst hat deshalb schon mit dem Handy eine Anzeigetafel abgefilmt, einfach um einen Beweis zu haben. Um 8.10 Uhr beginnt ihr Unterricht am kaufmännischen Berufskolleg im Hallschlag, zehn Minuten vorher kommt sie dort an. Da kann schon eine kleine Verspätung den Zeitplan durcheinanderbringen. Dabei steht Evita Häcker durchaus früh auf. Um 6 Uhr verlässt sie ihr Bett, um 6.45 Uhr geht sie aus der Wohnung in Großheppach und radelt zur S-Bahn-Haltestelle Beutelsbach, wo um 7 Uhr ihre S-Bahn Richtung Stuttgart abfährt. Einen Sitzplatz findet sie da fast immer: „Das kommt gefühlt einmal in zwei Wochen vor, dass ich stehen muss.“

Wenn alles gutgeht, ist Evitas S-Bahn um 7.25 Uhr am Hauptbahnhof. Weiter geht es mit der U 12 Richtung Remseck bis zur Haltestelle Hallschlag, wo sie um 7.48 Uhr ankommt. Dann ist noch etwas Fußweg nötig, bis Evita Häcker im Klassenzimmer ist. Rund zehn Minuten braucht sie dafür – und im Idealfall ist sie dann um 8 Uhr in der Schule, die wie gesagt um 8.10 Uhr beginnt. Das enge Zeitfenster ist für die 16-Jährige indes nicht das Einzige, was sie am Pendeln mit S- und U-Bahn stört.

"Da sitzt man dann wie die Sardine in der Dose"

Da wären zum einen die voll besetzten Waggons. In Fellbach etwa kann es frühmorgens durchaus passieren, dass in die S 2 Richtung Stuttgart Menschenmassen einsteigen. „Da sitzt man dann wie die Sardine in der Dose.“ Wenn die Verhältnisse so beengt sind, dann kommt es auch vor, dass sich plötzlich die Achseln von anderen Leuten auf Höhe des eigenen Kopfes befinden. „Es gibt Menschen, da weiß ich nicht, ob die Duschen kennen.“ Evita Häcker ärgert es zudem immer wieder, dass andere Fahrgäste viel zu laut Musik hören – und somit deren Kopfhörer quasi als Lautsprecher fungieren. „Da heißt es Zähne zusammenbeißen und durch.“

Dass es in der S-Bahn zu heiß oder zu kalt war, hat Evita Häcker noch nicht erlebt. Als unangenehm empfindet sie beim Pendeln allerdings den Kommunikationsstil mancher S-Bahn-Fahrer. Sie hat es laut eigenem Bekunden schon erlebt, dass die S-Bahn zehn Minuten lang stehen blieb und es keinerlei Durchsage gab. Dann sei eine erfolgt – und eine Minute später fuhr die S-Bahn weiter.

Beleidigungen einer Betrunkenen

Aufgefallen ist Evita Häcker, dass ihre U-Bahnen immer pünktlicher kommen als die S-Bahnen. Auch die S-Bahn, in die sie morgens in Beutelsbach einsteigt, sei meist pünktlich. Je näher aber die S-Bahn Richtung Stuttgart gelange, desto mehr häuften sich die Verspätungen. Evita Häcker will allerdings nicht nur schlecht über die S-Bahn reden. Toll findet sie, dass sie mit ihrem Schülerticket nicht nur zu ihrer Schule kommt, sondern im gesamten VVS-Netz unterwegs sein kann.

Was Evita Häcker sehr stört, sind Pöbeleien durch andere Fahrgäste. Die 16-Jährige erinnert sich noch gut, wie sie zusammen mit anderen Schülern von einer schon etwas älteren und offensichtlich betrunkenen Frau verbal attackiert wurde. So hat sich Evita laut eigenem Bekunden sagen lassen müssen, dass sie dick und fett werde, wenn sie so weiteressen würde. Evita hatte da ein Brot in der Hand. Als die 16-Jährige entgegnete, dass auch Kohlenhydrate zu einer gesunden Ernährung gehörten und für jeden Sportler wichtig seien, habe die Frau schon die nächste Beleidigung von sich gegeben: „Der einzige Sport, den ihr heutzutage macht, ist doch Bettsport.“ Dazu, erzählt Evita, habe die Frau Bier getrunken. Später habe sie auch noch eine Gruppe Jungs attackiert.

Wunsch nach mehr Zivilcourage

Irgendwann, erzählt Evita Häcker, sei es ihr zu bunt geworden, sie sei aufgestanden und habe der Frau gesagt, dass sie nicht wahllos Leute beleidigen könne. In solchen Momenten, sagt Evita Häcker, wünsche sie sich mehr Zivilcourage. In der S-Bahn erlebe sie allerdings oft das Gegenteil. Verhält sich jemand falsch, ducken sich die meisten weg. „Nebenan saß ein Mann – der hat keinen Mucks gesagt.“


Viel unterwegs

Evita Häcker braucht die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nur für Fahrten zu ihrer Schule im Hallschlag. Montags und freitags hat sie morgens Sportunterricht – und muss deshalb erst mal in den Neckarpark in Cannstatt.

Wenn sie mittwochs Voltigieren bei der RG Hegnach-Oeffingen hat, steigt Evita Häcker auf der Rückfahrt von der Schule in Waiblingen aus und fährt mit dem Bus nach Hegnach.

All das ist durch ihr Schulticket (Scool-Abo) abgedeckt, mit dem sie rund um die Uhr im gesamten VVS-Netz fahren kann.

Alle weiteren Teile unserer Serie "Pendlerlust, Pendlerfrust" finden Sie unter zvw.de/thema/pendler