Weinstadt

"Die Überstunden sind am Limit": Weinstadt will Erzieher entlasten

Kindergarten
Kindergartenplätze gibt es in Weinstadt im Moment genug - aber der Fachkräftemangel wirkt sich immer stärker aus. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Fachkräftemangel hält die Kommunen auf Trab: Besonders im Bereich Kinderbetreuung gibt es zunehmend unbesetzte Stellen, für die es kaum Bewerber gibt. Gleichzeitig steigt bei der Elternschaft der Bedarf an Betreuungsplätzen - und Kommunen sind verpflichtet, für ausreichend Plätze zu sorgen.

In dieser Zwickmühle befindet sich auch Weinstadt mit ihren immerhin 17 städtischen Einrichtungen. Eine neue Vollzeitstelle bei der Stadt soll endlich eine Veränderung bringen, Kita-Leitungen und Erzieher entlasten - und langfristig Weinstadt als Arbeitgeber attraktiver für Bewerber machen.

Fachkräfte fehlen, Eltern haben darunter zu leiden

Es liege ein schwieriges Jahr mit „eskalierendem Fachkräftemangel“ hinter ihnen, so Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, in der jüngsten Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses: „Die Auswirkungen sind nicht ausgeblieben.“

Wiederholt musste die Stadt die Betreuungszeiten in verschiedenen Einrichtungen teils sehr kurzfristig verkürzen, neuerdings fällt die Früh- und Spätbetreuung weg - Eltern müssen sich irgendwie arrangieren und selbst schauen, wie sie eine Betreuung für ihr Kind gewährleisten.

Personalgewinnung bisher wenig erfolgreich, immer mehr zusätzliche Aufgaben

Die Stadt habe bei der Suche nach Fachkräften „alle Register gezogen“, so Spangenberg. Viel gebracht hat das bisher aber nicht. Dazu kommt die steigende Überlastung bei den verbliebenen Mitarbeitern in den Kitas. Sie müssen die enge Personalsituation ausgleichen, bei Krankheitsfällen selbst sämtliche möglichen Vertretungskräfte durchtelefonieren - und auch der bürokratische Aufwand werde immer mehr. Die Stadt wisse, dass die Erzieher momentan lange Vor- und Nachbereitungszeiten zusätzlich zu den eigentlichen Arbeitsstunden in Kauf nehmen. „Die Überstunden sind am Limit“, sagt der Amtsleiter.

Das wird künftig auch deshalb noch problematischer, weil die Arbeitszeiterfassung zur Pflicht wird. Was außerdem noch mehr Dokumentationsarbeit für die Kita-Leitungen bedeuteten würde.

Stadt will Dokumentation, Koordination und Personalsuche zentralisieren

Hier möchte die Stadt ansetzen, den Arbeitsaufwand, der nichts mit Kinderbetreuung zu tun hat, für die in Weinstadt beschäftigten Erzieher stark reduzieren. Dokumentationsarbeit, Arbeitszeiterfassung und die Koordination zum Beispiel von Vertretungen im Krankheitsfall sollen zentral für alle städtischen Kitas übernommen werden.

Außerdem möchte die Stadt „das absolute Maximum“ an Auszubildenden, FSJlern und Praktikanten an die Kindertagesstätten schicken. Doch auch hier müssen Bewerbungsgespräche geführt werden. „Das macht schon ganz schön viel Arbeit“, sagt Ulrich Spangenberg. Zumal sein Amt bei der Suche nach Fachkräften neue Wege gehen wolle: sei es mit einem Radio- oder gar Fernsehspot oder auch mit gezieltem Anwerben über die sozialen Medien. Damit kenne sich bisher niemand wirklich aus. „Da ist eine Person ein Jahr lang ausgelastet.“

Zusätzliche Stelle beim Amt: Nicht alle Stadträte sind einverstanden

Deswegen hat die Stadtverwaltung den Antrag gestellt, eine zusätzliche Stelle beim Amt für Familie, Bildung und Soziales zu schaffen: Eine bereits im Stellenplan eingetragene 0,3-Prozent-Stelle, die momentan nicht besetzt ist, soll auf Vollzeit aufgestockt werden und die oder der neue Sachbearbeiter sich künftig mit den Kitas befassen und für die Personalakquise zuständig sein. Der Ausschuss stimmte diesem Vorhaben mehrheitlich zu - auch wenn längst nicht alle Räte von der Notwendigkeit dieser zusätzlichen Stelle überzeugt zu sein schienen. Besonders Jens Häcker (FWW) machte seinem Ärger Luft: „Jetzt sollen wir jeden Monat neue Stellen bewilligen“, kritisierte er. Und immer sei der Antrag wichtig und dringend. „Irgendwo ist auch mal die Grenze erreicht.“

Ja, die zusätzliche Stelle koste Geld, so Oberbürgermeister Michael Scharmann. Aber es sei bei weitem nicht so, dass die Stadt leichtfertig neue Stellen schaffe. Der OB hält die neue Position für zwingend erforderlich – auch um das vorhandene Personal in den Kitas langfristig halten zu können.

Der Fachkräftemangel hält die Kommunen auf Trab: Besonders im Bereich Kinderbetreuung gibt es zunehmend unbesetzte Stellen, für die es kaum Bewerber gibt. Gleichzeitig steigt bei der Elternschaft der Bedarf an Betreuungsplätzen - und Kommunen sind verpflichtet, für ausreichend Plätze zu sorgen.

In dieser Zwickmühle befindet sich auch Weinstadt mit ihren immerhin 17 städtischen Einrichtungen. Eine neue Vollzeitstelle bei der Stadt soll endlich eine Veränderung bringen, Kita-Leitungen

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