Weinstadt

Die Erdbeer-App

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Ein Pfosten zwischen den Pflanzen, ein weißes Sensor-Kästchen – mehr ist’s nicht, was Martin Bauer an Technik in seine Felder stellen muss, um das Wohlbefinden der Erdbeeren im Blick zu haben. © Habermann / ZVW
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Diesen Erdbeeren wird’s langsam warm: Martin Bauer weiß dank Sensoren und Handy-App auch von zu Hause aus, dass er auf diesem Feld für Belüftung sorgen muss. © Habermann / ZVW

Weinstadt. Erdbeeren sind Sensibelchen. Wenn nicht alles passt, gehen sie kaputt. Deshalb mussten Erdbeer-Bauern früher sehr viel fahren und kontrollieren. Jetzt machen sie das bequem vom Sessel aus. Mit Sensortechnik auf dem Feld und einer App auf dem Handy. Martin Bauer aus Großheppach jedenfalls findet die neue Errungenschaft fantastisch.

Die Jahreskilometerleistung seines treuen Erdbeerfeld-Vehikels müsse doch in diesem Jahr gewaltig nach unten gehen, sagte Christian Glunk vom Bosch-Start up Deepfield Robotics. Was? Also: Christian Glunk arbeitet bei Bosch, allerdings nicht beim Hauptkonzern, sondern bei einem flotten, kleinen, konzerninternen Ableger, der sich ganz besonders um die Landwirtschaft kümmert.

Die Erfindung kommt von der Eisenbahn

Und deshalb war der junge Mann, der tatsächlich gar keine Erdbeer-Affinität hat, beim Großheppacher Obstbauern Martin Bauer auf dem Acker. Eigentlich kommt die Erfindung, in der eben auch Glunk seine Finger drin hat und die es Martin Bauer ermöglicht, seit dieser Saison auch mal eine Nacht durchzuschlafen, nämlich von der Eisenbahn.

Da sollten die Sensoren die Waggons und ihren Teileverschleiß kontrollieren und rechtzeitig melden, wenn die nächste Reparatur ansteht. Jetzt aber – und das ist ein rechter Renner –  dreht sich alles um die Erdbeere.

Fast stündlich zu Kontrollfahrten? Dank Erdbeer-App nicht mehr

Aber nochmal ganz von vorne: Wenn Erdbeerzeit war, hatte Martin Bauer – und mit ihm alle seine Kollegen – stets sehr schlechte Nächte. Und die Tage waren auch nicht besser. Denn Erdbeeren sind Sensibelchen. Sie haben’s gern moderat-kuschelig.

Wenn’s zu kalt ist, wie noch vor wenigen Tagen, dann erfrieren sie und sind futsch. Wenn’s zu warm ist, wie jetzt augenblicklich, dann verbrutzeln sie und sind futsch. Das hieß: Damit nicht mit jedem Feld, dessen Früchtchen in der Tonne und nicht im Verkauf landeten, tausende von Euro verloren gingen, mussten die Erdbeerbauern sehr, sehr regelmäßig raus auf jedes Feld fahren und Temperatur und auch Feuchtigkeit kontrollieren. Zur Not fast jede Stunde.

Der heiße Draht auf alle Erdbeerfelder

Oftmals unnötig, weil alles okay war. Manchmal zu spät, weil die Temperaturschwankung schneller war. Liebevolles Auf- oder Abdecken auf dem freien Feld, rasches Durchlüften oder Türenschließen im Tunnel kamen dann zu spät. Viele Erdbeerbauern sind noch immer so unterwegs. Martin Bauer nicht mehr. Denn er hat jetzt die Erdbeer-App.

Das heißt: Martin Bauer darf jetzt nie vergessen, sein Smartphone zu laden. Denn das Smartphone ist seit dieser Saison sein heißer Draht auf alle Erdbeerfelder. Die App ruft ihn, wenn’s den Früchtchen auf dem Acker hier oder im Tunnel da zu kalt, zu warm, zu trocken, zu feucht wird.

Zur App gehört natürlich noch mehr Technik. Die steht auf dem Feld. Ein Sensor ist’s, der misst, ob die Bedingungen gut sind oder verbessert werden müssten. Unscheinbar, klein, und mitten zwischen den Pflanzen versteckt. Sechs Stück davon hat er auf sechs Feldern. Die Befindlichkeiten auf den vielen anderen Feldern muss er nicht messen, weil er von den Angaben auf dem einen auf die anderen, benachbarten schließen kann.

Systeme gab’s schon länger, das hier passt jetzt aber

Klingt total einfach: Sensoren, die ihre Daten übertragen, eine App, die dann Alarm gibt, wenn die vorher eingegebenen Grenzwerte über- oder unterschritten werden – warum gab’s das nicht schon längst? Er beobachte das schon seit einigen Jahren, sagt Martin Bauer. Systeme also gab es. Das aber, das jetzt bei ihm zum Einsatz kommt, hat ihn überzeugt. Er würde das, sagt er, jedem, der danach fragt, auch empfehlen.

Kaufen musste Martin Bauer diese Technik nicht. Das System wird vermietet. Bauer zahlt für seine sechs Stationen rund 2000 Euro pro Saison. Das ist viel weniger, als ein verlorenes Feld kosten würde. Und wann immer das System weiterentwickelt wird, bekommt Martin Bauer die neueste Version.

Ganz fahrtenfrei kommt Martin Bauern natürlich trotz Erdbeer-App nicht durch die Saison. Abdecken oder aufdecken kann die Technik noch nicht. Da muss nach wie vor ein Mensch ran. Aber sein gutes altes Arbeits-Auto – es hat schon 300 000 Kilometer drauf – fährt ihn sicher noch ein paar Jährchen länger als geplant.

Erdbeerfest bei Kollege Kilburger

  • Wie jedes Jahr zur Erdbeersaison laden die Kilburgers aus Beutelsbach wieder zum Erdbeerfest in ihre Feldscheune in der Karlstraße.
  • Am Sonntag, 28. Mai, ab 11 Uhr ist es so weit.
  • Michael Kögel von der Landesschau eröffnet und führt durch den Tag.
  • Um 13 Uhr gibt’s Grußreden von Persönlichkeiten aus Politik und Landwirtschaft. Unter anderem vom CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer und von Martin Luther alias Pfarrer Rainer Köpf.
  • Wer mag, kann Felder begehen, sich bei der AOK über einen gesunden Lebensstil informieren, beim Erdbeer-Quiz mitmachen oder die neue Erdbeerkönigin wählen. Kinder freuen sich über Pferdereiten, Streichelzoo, Hüpfburg und Bastelangebote.
  • Natürlich gibt’s zu essen und zu trinken. Natürlich auch ErdbeerenErdbeerkuchen, Erdbeerbowle mit und ohne Alkohol, Erdbeerquark und Erdbeersmoothies und Erdbeeren frisch.
  • Und noch was: Potenzielle neue Erdbeerköniginnen bewerben sich bitte bei den Kilburgers unter kilburger@gmx.de.