Weinstadt

Edeka Reichert in Weinstadt-Endersbach: Generationenwechsel im Betrieb kommt in schwierigen Zeiten

Reichert
Von links: Kai, Lisa und Dietmar Reichert vor ihrem Edeka-Markt im Kalkofen Endersbach. © Benjamin Büttner

Der Edeka-Markt im Endersbacher Kalkofen besteht inzwischen seit knapp einem Vierteljahrhundert: Im November 2023 soll es ein großes Jubiläum geben, kündigt Inhaber Dietmar Reichert an. Doch eigentlich ist der Familienbetrieb noch viel älter: Dietmar Reicherts Großeltern waren vor hundert Jahren schon in der gleichen Branche tätig, damals allerdings noch in einem Kolonialwarenladen in Beutelsbach.

Vater mit Bewerbung bei der Edeka überrascht

„Da ist man auch stolz, schon die vierte Generation zu sein“, sagt Lisa Reichert, Tochter des Inhabers und Juniorchefin. Sie habe ihren Vater damals mit ihrer Bewerbung bei der Edeka überrascht: „Er hatte keine Ahnung“, erzählt die heute 28-Jährige lachend.

Für sie ist die Entscheidung für den Einstieg in den Markt ihrer Eltern mit dem Studienbeginn 2014 erfolgt: In Karlsruhe hat Lisa Reichert BWL mit Schwerpunkt Handel studiert.

Es sei ihm immer wichtig gewesen, seine beiden Töchter nicht in die Nachfolge hineinzuzwingen, sagt Dietmar Reichert. Er ist überzeugt: Nur, wenn die Jungen wirklich von sich aus die Familientradition weiterführen wollen, kann ein Generationenwechsel gelingen. Druck ausüben bringe da überhaupt nichts. „So haben es meine Eltern auch schon bei mir gehandhabt“, sagt der 59-Jährige.

Schwiegersohn Kai Reichert bringt viel Erfahrung mit

Zum 1. Januar 2023 wird der inhabergeführte Markt zu einer KG: Diese Form der Personengesellschaft mache es einfach leichter, die Zuständigkeiten und die Verantwortung zwischen dem Seniorchef und der neuen Generation zu verteilen. Neben Lisa Reichert steigt auch ihr Mann Kai Reichert mit in die Marktführung ein.

Der 29-Jährige hat im Endersbacher Markt „von der Pike auf“ gelernt: Mit einem Praktikum 2009 habe alles angefangen, es folgte die Ausbildung im Markt. Danach hat er in anderen Edeka-Märkten Erfahrungen gesammelt, sich fortgebildet. In einem Edeka-Markt im Kreis Ludwigsburg arbeitete der junge Handelsfachwirt zuerst als stellvertretender Marktleiter, dann zwei Jahre lang als Marktleiter. Seit Anfang 2022 ist er wieder hier.

Tochter und Schwiegersohn brächten alles mit, was es brauche, um den Markt in Zukunft erfolgreich zu führen, freut sich Dietmar Reichert: „Die Weichen sind richtig gestellt.“ Um künftig als familiäres „Dreigestirn“ zusammenarbeiten zu können, muss es aber auch menschlich passen. „Du musst auf einer Wellenlänge sein, sonst funktioniert das nicht“, sagt Lisa Reichert.

Die fünfte Generation steht schon in den Startlöchern

Das scheint bei den drei Reicherts ganz gut zu funktionieren. Vielleicht auch, weil sogar schon Generation Nummer fünf in den Startlöchern steht: Lisa und Kai Reicherts sieben Monate alte Tochter Sophia, die den Großvater schon fest im Griff hat - und am liebsten jetzt schon den ganzen Markt vom Fußboden aus erkunden würde.

Ob die Kleine vielleicht auch irgendwann mal den Endersbacher Markt weiterführen wird? Vorstellen können die Eltern sich das schon. Aber auch sie soll sich ihren Beruf selbst aussuchen dürfen. Dass er seinen Schwiegersohn dazu gedrängt habe, den Namen Reichert anzunehmen, damit der Markt weiterhin diesen Namen trage, sei übrigens ein übles Gerücht, betont Dietmar Reichert. Kai Reichert bestätigt: „Das war eine rein private Entscheidung.“

Hohe Nebenkosten, Preiskampf mit Mars

Der Generationenwechsel findet in keiner einfachen Zeit statt. „Die größte Herausforderung ist, dass man die Zukunft überhaupt erreicht“, sagt der Seniorchef. Auch der Markt müsse sich intensiv mit der Kostenexplosion in allen Bereichen auseinandersetzen, sagt Kai Reichert. Im Sortiment klaffen immer wieder Lücken. Nicht nur wegen der Lieferkettenproblematik, sondern weil Edeka mit den höheren Preisvorstellungen mancher Lieferanten wie zum Beispiel Mars nicht einverstanden ist. Die Inhaber stehen hinter diesem Schritt: „Man kann nicht alles schlucken“, findet Kai Reichert. „Es ist nicht alles nachvollziehbar.“

Auch die Nebenkosten bereiten den Reicherts im Moment durchaus Sorgen. Im Markt sei in den vergangenen Jahren schon viel gemacht worden, technisch sei alles den neusten Standards entsprechend, so der 29-Jährige. Trotz LED-Beleuchtung habe man jetzt aber doch noch einmal die Brenndauer der Lichter reduziert und schaue auch sonst, wie man noch irgendwie Energie einsparen könne.

Fachkräftemangel: Supermarkt-Betreiber setzen auf Quereinsteiger

Doch nicht nur Strom- und Gaspreise machen den Supermarkt-Inhabern Schwierigkeiten: „Sagen Sie mir ein Unternehmen, das nicht Personal sucht“, bringt Kai Reichert den allgegenwärtigen Fachkräftemangel auf den Punkt. Auch der Markt im Kalkofen sucht deswegen neue Mitarbeiter.

Dabei hoffen die Reicherts auch auf Quereinsteiger: „Wir sind da unkompliziert, wenn es um den Einstieg geht“, sagt Kai Reichert. Seine Frau sieht das genauso: „Jeder kann lernen.“ Vereinfacht werde das inzwischen zum Glück auch durch Kurse und Fortbildungsmöglichkeiten online. Trotzdem freuen sich Lisa und Kai Reichert auf die bevorstehende Veränderung.

„Ich find’s an dem Beruf toll, dass jeder Tag anders ist“, sagt der 29-Jährige. Auch Lisa Reichert schätzt die Abwechslung, die ihr die Arbeit im Markt bietet. Sie wollen den Markt so weiterführen, wie die Elterngeneration es vorgemacht hat. Der familiäre Touch soll unbedingt erhalten bleiben. „Denn ohne Herzblut geht es nicht“, sagt Dietmar Reichert.

Der Edeka-Markt im Endersbacher Kalkofen besteht inzwischen seit knapp einem Vierteljahrhundert: Im November 2023 soll es ein großes Jubiläum geben, kündigt Inhaber Dietmar Reichert an. Doch eigentlich ist der Familienbetrieb noch viel älter: Dietmar Reicherts Großeltern waren vor hundert Jahren schon in der gleichen Branche tätig, damals allerdings noch in einem Kolonialwarenladen in Beutelsbach.

Vater mit Bewerbung bei der Edeka überrascht

„Da ist man auch stolz, schon die

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