Weinstadt

Ein Hoch auf die Beutelsbacher Kirbe

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Nach Nenas „99 Luftballons“ steigen vom Beutelsbacher Marktplatz Ballons auf. © Palmizi/ZVW
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Zum Wohl: Bei der Kirbe darf natürlich der Wein aus den heimischen Weinbergen nicht fehlen. © ALEXANDRA PALMIZI
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Sie feiern die Beutelsbacher Kirbe (von links): Die Württembergische Weinprinzessin Laura Irouschek, Oberbürgermeister Michael Scharmann, die Weinstädter Weinkönigin Anja Sigle und die Weinstädter Weinprinzessin Franziska Haenelt. © ALEXANDRA PALMIZI
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Der traditionelle Kirbetrauben wird aufgehängt. © ALEXANDRA PALMIZI

Weinstadt-Beutelsbach. Buntes Kirbe-Treiben hat am Sonntagnachmittag in der Beutelsbacher Ortsmitte geherrscht. Aus zwei Richtungen zog die Blasmusik auf den Marktplatz, der erfüllt wurde vom hölzernen Geschnattere unzähliger in die Höhe gehaltener Rätschen. Der Kirbejahrgang 1999 war an der Reihe, den Trauben aufzuhängen und mit der symbolischen Tat das Band der Beutelsbacher Kirbe weiterzuknüpfen.

Gläser mit Beutelsbacher Wein gehen in der Menge hoch, als, begleitet von den „Oldies“, der grüne Kirbejahrgang 1999 einzieht. In den Farben Rot, Weiß und Schwarz sorgen Röcke, Blusen und Hosen für eine farbige Kulisse. Dazu lacht die Sonne.

Es wäre interessant zu erfahren, ob es je einen Kirbesonntag gab, an dem sich die Zuschauer in Sommerschuhen und kurzen Hosen versammelt haben. Wären nicht die gelben Blätter an den Bäumen, man könnte glatt meinen, der Sommer sage tatsächlich noch einmal „Hallo“, wie die Weinstädter Weinkönigin Anja Sigle und die Weinprinzessin Franziska Haenelt freudig kundtun.

Sonne sei der Beutelsbacher Kirbe immer beschieden, hat Oberbürgermeister Michael Scharmann in Erfahrung gebracht und spricht, umgeben von den Weinstädter und Württemberger Weinhohheiten, von „einmaligem Kirbewetter“. Sein Blick wandere auch in die Rebhänge. Während es 2017 Frostschäden zu beklagen gab, habe der diesjährige Sommer mit seinen vielen Sonnenstunden die Trauben bestens vorbereitet, die die örtlichen Wengerter zu

„Weinen in Spitzenqualität veredeln werden“. Der Rebensaft prägt nun einmal Land- und Ortschaften, wie auch „die herzliche Gastlichkeit“, so Scharmann. Die gewählten Weinrepräsentantinnen lesen Gedichte vom Abschied der Jugend, von Wein und Winzers Fleiß. Wein fange die Jahre ein, „die Jugend und Vergänglichkeit, den Pendelschlag der Zeit“.

Die Kirbe verbindet

Zum Schlag der Kirchturmuhr knattern erneut die Rätschen ohrenbetäubend. Wie es sich für die Kirbe gehört, singt der grüne Jahrgang das Beutelsbacher Kirbelied, und der Musikverein spielt zünftige Melodien und Märsche. Um die Tradition habe er angesichts von 38 Kirbemädchen und Kirbebuben keine Angst, sagt der Oberbürgermeister. „Die Kirbe verbindet, sie ist ein Band fürs Leben“, ruft er in die Menge. Es treffen sich Menschen wieder, die sich ewig nicht mehr gesehen haben. „Die Beutelsbacher kehren für die Kirbe zurück in ihren Ort“, so Michael Scharmann weiter. Stolz könne man sein, einen alten Brauch zu pflegen, sagt die Württembergische Weinprinzessin Laura Irouschek. „Gerade wir Württemberger haben die Balance geschafft zwischen Modernem und Traditionen.“ Bestens in Szene gesetzt von rappenden Schülern: Die Winzergruppe der Grundschule Beutelsbach rappt in Kleidern und Hosen, die an bäuerliche Trachten denken lassen, zur „goldenen Herbstzeit“.

Gute Tradition ist es auch, auch die diamantenen, goldenen und silbernen Jahrgänge zu ehren. Die Ehrung fand bereits am Freitag statt, Oberbürgermeister Michael Scharmann liest am Sonntag jedoch die 31 Namen der Vorgänger plus die 38 Namen der „Grünen“ noch einmal vor.

#Zahnverlust

„Lange her, vor 25 Jahren, da haben wir das Ding aufgehängt“, hebt Daniel Baldus, Sprecher der 1974 Geborenen, zu einem Gedicht auf die Zeit an, in der sie gefeiert haben und anderntags „in den Seilen hingen“. Auch ein ausgeschlagener Zahn gehe auf das Konto der jugendlichen Tage, als eine Rätsche dem Betroffenen mitten ins Gesicht gefallen sei. Er habe den Zahn verschluckt. „Wir haben’s noch nicht gewusst, aber heute tätest du posten, hashtag Zahnverlust“, reimt er. OB Scharmann darf sich ein paar Seitenhiebe auf seine Schnaiter Jugendzeit gefallen lassen: „Er war zur selben Zeit, au’ ein Kirbebub, okay, es war halt in Schnait.“ Die Moral von der Geschichte? „Selbst wenn man am falschen Ort Kirbe feiert, man irgendwann als OB anheuert.“

Die nächsten Rätschensalven brechen los. Die grünen Kirbejugendlichen – der letzte Jahrgang mit der Zahl „19“ im Geburtsjahr – präsentieren sich mit einer Tanzeinlage zu Nenas „99 Luftballons“. Am Ende steigt eine bunte Luftballontraube in den Himmel. Dann ziehen weit mehr als 99 Trauben alle Blicke auf sich: Das Zeremoniell des Traubenaufhängens fordert besonders zwei Jungs, die das schwere Traubengebilde mit vereinter Schulterkraft zwei Leitern hinaufstemmen dürfen.

Passend zum Jahrgang soll er 99 Kilogramm schwer sein, verrät der OB. Zusammen mit der Stange verteilen sich 129 Kilogramm auf den zwei Schultern, und alles jubelt und rätscht, als der prächtige Trauben unter blauem Himmel vor dem Rathaus am Haken hängt.

Mit dabei

Auftretende bei der Beutelsbacher Kirbe waren die Esslinger Bürgergarde, die Winzergruppe der Grundschule, die Marktwache und der Musikverein Beutelsbach.