Weinstadt

Einkaufen in Weinstadt: So lief der erste Tag im Schuhaus Entenmann, bei Mode am Markt, in der Parfümerie Greis und Co.

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Sehr zufrieden mit dem ersten Öffnungstag: Marcia Häfner vom Schuhhaus Entenmann berät eine 86-jährige Stammkundin. © Alexandra Palmizi

Überglückliche Kundinnen, zufriedene Verkäufer, mitunter aber auch tote Hose. So lief der erste Öffnungstag nach drei Monaten Corona-Lockdown in der Endersbacher Einkaufsstraße.

In der Parfümerie Greis ist am Montagvormittag außer den drei Verkäuferinnen niemand im Laden. „Heute ist Totentanz“, sagt Filialleiterin Yessica Lassas. Sie ist etwas überrascht darüber, dass so wenig los ist: „Nach dem ersten Lockdown standen die Leute Schlange vor dem Geschäft“, sagt sie. Jetzt wirke es eher, als stünde irgendwer noch auf der Bremse. Yessica Lassas glaubt, dass die Verunsicherung ihrer Kunden zu groß sei. „Die Leute denken sich: Jetzt warten wir erst mal ab.“ Viele seien schon älter und blieben in der aktuellen Situation lieber noch zu Hause.

„Oder die stehen jetzt gerade alle im Gartencenter ...“, sagt Yessica Lassas und lacht. Den Humor hat sie nicht verloren – und wer weiß, vielleicht tut sich ja bis zum Nachmittag noch was. In diesem Moment betritt eine Kundin den Laden – na bitte, hereinspaziert!

Eine Kundin im Glück: "Ich hab's kaum erwarten können"

Ein paar Meter weiter, bei „Mode am Markt“, ist Ana Scheiderer im Glück. „Ich hab’s kaum erwarten können“, sagt sie auf dem Weg nach draußen. Die Tasche mit dem eben gekauften Frühlingskleid baumelt an ihrem Arm. Es ist das erste neue Stück seit Monaten. „Ich bin einfach nicht so die Internetshopperin“, erklärt Ana Scheiderer. Sie wolle die Kleidung befühlen, anprobieren, sich beraten lassen. Außerdem möchte sie Einzelhändler wie Christian Hartmann, den Inhaber des Geschäfts, gerne unterstützen in dieser schwierigen Zeit.

Wie die Tests im Zelt organisiert werden, ist noch nicht ganz klar

Das hört Christian Hartmann am Montagvormittag nicht zum ersten Mal. „Es ist zum Glück einiges los“, sagt er, „vor allem die Stammkunden sind da.“ Diese hat der Unternehmer auf allen Kanälen über die Öffnung informiert – wer weiß, wie lange diese Form des relativ unbeschwerten Shoppings möglich ist!? Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an drei Tagen in Folge bei über 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liegt, ist nur noch Einkaufen mit Termin möglich. An diesem Montag lag sie allerdings unverändert bei 47 und damit unter dieser kritischen Marke.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Werbegemeinschaft Einkaufsstraße, zu der sich die Händler in Endersbach zusammengeschlossen haben und deren Sprecher Christian Hartmann ist, gemeinsam mit dem Apotheker Tobias Grübel mehr Tests möglich machen wollen. Das dürfte ja unweigerlich zu mehr entdeckten Infektionen führen. Nichtsdestotrotz: Vor „Mode am Markt“ ist am Nachmittag ein Zelt errichtet worden, das am Dienstagabend erstmals als „Corona-Schnelltestzentrum Einkaufsstraße“ dienen soll. Die Testzeiten wollen die Verantwortlichen in den nächsten Tagen noch erweitern. Und zwar nach Hartmanns Ankündigung trotz des Hickhacks um die kostenlosen Bürgertests. Diese hat das Landratsamt jetzt wieder von der Homepage genommen, weil die Finanzierung ungeklärt ist. „Im Zweifel übernehmen wir die Kosten erst mal selbst“, sagt Hartmann.

Inhaber des Massagesalons erfährt erst am Morgen, dass er auch öffnen darf

Dass sich die Lage momentan quasi stündlich ändern kann und eine gewisse Undurchdringbarkeit der vielen Regelungen die einzige Konstante ist, hat auch Eberhard Pehl festgestellt. Er betreibt mit seiner Frau das Studio „Lindas Thaimassage“ und hat erst am Montagmorgen von der IHK Stuttgart versichert bekommen, dass er überhaupt öffnen darf. Noch am Freitag habe ihm das niemand mit Sicherheit bestätigen wollen. Eberhard Pehl sagt, er sei sich nicht sicher gewesen, ob Massagen unter die neuerdings erlaubten „körpernahen Dienstleistungen“ fallen.

Der Kontakt sei ja nicht nur nah, sondern durchaus intensiv und direkt. Seine Frau, die Masseurin, bricht jetzt ihren Besuch bei der Schwester ab und kehrt zurück aus Berlin. Von Dienstag an wird wieder massiert. Ausreichend Termine hat Eberhard Pehl am Montag jedenfalls für sie vereinbart – die Nachfrage war groß.

"Einfach schön" findet es die 86-jährige Kundin im Schuhaus Entenmann

So ist es auch im Schuhhaus Entenmann, wo sie sich über zu wenig Kundschaft am ersten Tag des Neustarts nicht beschweren können. Eine Frau hat das Geschäft eben mit drei neuen Paar Schuhen verlassen. Jetzt sucht Inhaberin Marcia Häfner das passende Schuhwerk für eine 86-jährige Kundin heraus. Die Dame freut sich: „Einfach schön“ sei es, mal wieder richtig einkaufen zu dürfen.

Im Juwelier „Timeless“ von Murat Ece geht es etwas ruhiger zu. In den vergangenen Wochen hat er sich mit Reparaturen und anderen Servicearbeiten wenigstens „ein Taschengeld“ verdient, berichtet der Inhaber. Der „große Ansturm“ sei aber auch an diesem Montag ausgeblieben. Nur vereinzelt tröpfeln Kunden herein. Vielleicht müssen sie sich an die neuen Möglichkeiten erst noch gewöhnen.

Überglückliche Kundinnen, zufriedene Verkäufer, mitunter aber auch tote Hose. So lief der erste Öffnungstag nach drei Monaten Corona-Lockdown in der Endersbacher Einkaufsstraße.

In der Parfümerie Greis ist am Montagvormittag außer den drei Verkäuferinnen niemand im Laden. „Heute ist Totentanz“, sagt Filialleiterin Yessica Lassas. Sie ist etwas überrascht darüber, dass so wenig los ist: „Nach dem ersten Lockdown standen die Leute Schlange vor dem Geschäft“, sagt sie. Jetzt wirke es

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