Weinstadt

Ende der ZDF-Serie "Ella Schön": Produzent Stefan Raiser kommt aus Weinstadt

Ella Schön Stefan Raiser
Produzent Stefan Raiser (51) mit den Hauptdarstellerinnen Julia Richter (links) und Annette Frier (rechts). © Rudolf Wernicke/Dreamtool Entertainment.

Zwei grundverschiedene Frauen, eine davon Asperger-Autistin, derselbe verstorbene Ehemann, ein Haus auf der Ostsee-Halbinsel Fischland – so in etwa lässt sich der Ausgangspunkt der ZDF-Serie „Ella Schön“ zusammenfassen.

Hinter der Dramedy aus der „Herzkino“-Reihe steckt die Dreamtool Entertainment GmbH aus München – Chef Stefan Raiser kommt aber ursprünglich aus Beutelsbach. Am Sonntag, 8. Mai, ist die letzte Folge zu sehen. Wir haben Stefan Raiser einige Fragen gestellt.

Mit der Ausstrahlung der letzten „Ella Schön“-Folge im Mai geht ja in gewisser Weise eine Ära zu Ende. Was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit mit?

Elf erfolgreiche Filme in fünf Jahren sind zuallererst ein großes Glück für alle, die daran mitgearbeitet haben. Ich nehme Stolz und Dankbarkeit mit, dass ich mit unserem Ella-Team vor und hinter der Kamera den Sonntag im ZDF ein Stück weit prägen durfte. Dieser Sendeplatz ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits erdrückt von der Last des Pilcher-Klischees, ist der Sonntag andererseits die Champions League im Fernsehen und beim ZDF einer der wenigen Abende, an dem sich Geschichten ohne Leichen und rätselnde Kommissare erzählen lassen. Ich bin angetreten mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur, verloren geglaubte Zuschauer zurückzuholen. Das ist uns vollauf gelungen. Und das mit einer Autistin als Hauptfigur.

Haben Sie als Produzent schon Rückmeldungen von Fans zum Aus der Serie bekommen?

Ich bekomme zu „Ella Schön“ schon immer sehr viele Zuschriften und so nun auch zum Ende. Die Fans der Serie wünschen sie noch viel mehr „Ella Schön“ und sind natürlich traurig, dass es erst mal nicht weitergeht, aber sie freuen sich auch, dass sich der Kreis für Ella schließt, sie sich glücklich von allen Fischländern verabschiedet. Annette Frier ist eine der begnadetsten Schauspielerinnen, die wir haben, eine, die in der Komödie als auch im Drama brilliert. Eine echte Volksschauspielerin im besten Sinne. Die Menschen identifizieren sich mit Ella und möchten wissen, wie es mit ihr weitergeht. Mich erreichen von Zuschauern Ideen und Vorschläge. Das ist wirklich rührend. Es gibt ein Hintertürchen - vielleicht erzählen wir eines Tages, wie es Ella in ihrem neuen Leben geht.

In „Ella Schön“ gibt es mit den beiden ehemaligen Ehefrauen eine ungewöhnliche Figurenkonstellation, noch dazu hat die Protagonistin das Asperger-Syndrom. Wie kam es zu dieser Konstellation?

Ich hatte ganz am Anfang nur ein loses Bild von einer Beerdigung im Kopf. Was wäre, wenn dort eine scheinbar regungslose, sachliche Witwe stünde und auf der anderen Seite des Grabes eine hochemotionale Frau mit Kindern an der Hand auftaucht, die denselben Mann betrauert? Dieses Bild hat später nie in den ersten Film gefunden, weil wir spannender und mit mehr Schwung in die Pilotfolge starten wollten, aber entlang der Frage, wie diese beiden extrem unterschiedlichen Frauen zu einer Patchwork-Familie werden könnten, entwickelte sich der Stoff nach und nach. Wie erzählt man emotional rund um eine Hauptfigur, die aufgrund ihres Autismus keine Emotionen zeigt? Das war bei jedem Film aufs Neue eine harte Nuss und wir hätten sie nicht geknackt, wenn wir nicht so grandiose Autoren wie den Stuttgarter Simon X. Rost und Elke Rössler gehabt hätten. Dazu braucht es eine mutige Redaktion im Sender.

In der Serie wird eine Figur mit Asperger von einer neurotypischen Schauspielerin verkörpert. Wie wurde Annette Frier auf diese Rolle vorbereitet? Haben Menschen mit Autismus in beratender Funktion an der Produktion mitgewirkt?

Alle Filme wurden von einem anerkannten Fachberater begleitet, der selbst Autist ist. Annette hat sich mit Autisten und Autistinnen und deren Familien getroffen. Wir haben vom ersten Film an sehr viele Rückmeldungen aus der Autist/-innen-Community bekommen. Die überwältigende Mehrheit positiv mit teilweise herzzerreißenden Familiengeschichten, was das gemeinsame Schauen von „Ella Schön“ bewirken konnte. Natürlich haben wir uns auch Kritik zu Herzen genommen. Man möchte schließlich von allen goutiert werden, auch wenn das niemals gelingen kann.

Was waren für Sie als Produzent die besonderen Herausforderungen bei der Realisierung von „Ella Schön“?

Für so eine Reihe müssen viele Elemente gelingen. Neben exzellenten Büchern und der Zusammenstellung eines herausragenden Teams, war mit Sicherheit das Casting die größte Herausforderung. Eine Hauptfigur zu besetzen, die so gut wie keine Emotionen zeigt, aber genau damit die Zuschauer berühren soll, wurde zu einer aufwendigen Mission. Der Schauspielerin musste es gelingen, mit minimalem Spiel, Präsenz und Ausstrahlung einnehmend zu sein. Wir haben sehr viele Castings gemacht und sind allmählich verzweifelt, bis ich die Idee mit Annette hatte. Die Redakteurin des ZDF, Corinna Marx, und ich sind dann nach Köln gefahren, um uns mit Annette zu treffen. Ich habe ihr ein Video gezeigt, das gerade bei Youtube durch die Decke ging: Ein autistischer Junge in Südamerika war mit seinen Eltern bei einem Coldplay-Konzert und hat zum ersten Mal in seinem Leben getanzt und geweint, weil ihn die Musik so sehr erreichte. Wir saßen dann alle da und haben Tränchen verdrückt. Es hat einfach gezeigt, welch ungeheures Potenzial in dem Thema und der Ella-Figur stecken könnte.

Haben Sie eine Lieblingsszene oder eine besondere Erinnerung an den Dreh?

Diese Filme werden bleiben und ich werde sie mir auch immer wieder gerne anschauen, aber in besonderer Erinnerung bleiben mir vor allem die vielen privaten Momente mit Cast und Crew auf Fischland. Wir sagen bei Dreamtool nicht ohne Grund „Teamwork makes the dream work“. Es war eine besondere Filmfamilie, die diese Reihe möglich gemacht hat. Diese Mannschaft hat sich zerrissen für unsere Dreharbeiten. Da sind wirkliche Freundschaften entstanden. Das hat man im Filmgeschäft nicht alle Tage. Wir nehmen diesen Spirit mit in unsere neue Reihe rund um einen außergewöhnlichen Arzt.

Last but not least: Kommen Sie manchmal noch nach Beutelsbach und was verbindet Sie mit Heimat?

Ich bin sehr oft „drhoim“. Ein Beutelsbacher durch und durch, den Musikverein im Herzen, bin ich schon durch meinen Kirbejahrgang auf dem Laufenden und mit vielen Freunden in der Heimat gesegnet. Meine Mutter lebt in Waiblingen. Wir haben Dauerkarten beim VfB, bei dem wir auch Mitglied sind. Um also den mittelprächtigen Fußballer Thomas Strunz von einst zu revidieren: Das Schönste an München ist die Autobahn nach Stuttgart.

Zwei grundverschiedene Frauen, eine davon Asperger-Autistin, derselbe verstorbene Ehemann, ein Haus auf der Ostsee-Halbinsel Fischland – so in etwa lässt sich der Ausgangspunkt der ZDF-Serie „Ella Schön“ zusammenfassen.

Hinter der Dramedy aus der „Herzkino“-Reihe steckt die Dreamtool Entertainment GmbH aus München – Chef Stefan Raiser kommt aber ursprünglich aus Beutelsbach. Am Sonntag, 8. Mai, ist die letzte Folge zu sehen. Wir haben Stefan Raiser einige Fragen

Das Wichtigste aus der Region
  • Abo jederzeit kündbar
  • Ein Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
  • Täglicher Newsletter aus der Redaktion