Weinstadt

Erich-Kästner-Schule Weinstadt: Schulleiter Alfred Schlatterer verabschiedet

SchlattererAbschied
So kennen die Weinstädter Alfred Schlatterer: Ein Optimist, der gerne lacht. © Gaby Schneider

Ruhestand? Nicht ganz! Alfred Schlatterer nimmt nach 18 Jahren als Schulleiter der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule noch einmal einen neuen Lehrauftrag an. Mit einem halben Deputat an einer „Brennpunktschule“ will er von Herbst an das letzte Kapitel seines aktiven Schuldiensts schreiben. Das passt – schließlich sagt der 64-Jährige von sich: „Ich war selbst kein einfacher Schüler.“ In Weinstadt werden sie ihn sehr vermissen. Die Nachfolge ist ungeklärt.

Auf die Frage, wieso er Lehrer werden wollte, antwortet Alfred Schlatterer: Bei vielen Pädagogen hätten prägende Erfahrungen in der eigenen Schulzeit diesen Wunsch hervorgerufen: „Sei’s, dass man einen Lehrer hatte, von dem man dachte: So darf’s nicht sein; oder man hatte einen Lehrer, von dem man dachte: So wäre ich gern.“ Und wie war’s bei ihm? „Es war beides.“

Eigentlich wollte er direkt zurück nach Freiburg 

Der begeisterte Turner Alfred Schlatterer stammt ursprünglich aus Freiburg. Er studierte Sport und Mathematik, Fächer, die er dann an seiner ersten Schule in Ludwigsburg unterrichtete. Als „Badenser“ geschmäht, wollte er eigentlich rasch wieder zurückkehren in die Heimat – doch dann lebte er sich ein im Schwabenland. 14 Jahre lang unterrichtete er in Ludwigsburg, es folgten vier Jahre in Backnang, ehe er sich auf die offene Schulleiterstelle in Weinstadt bewarb.

2003 trat Alfred Schlatterer seinen Dienst an der Erich-Kästner-Schule an, die damals noch eine Haupt- und Werkrealschule war. Die Transformation zur Gemeinschaftsschule setzten er und sein Kollegium, mit dem er immer „wahnsinniges Glück“ gehabt habe, Jahre später ganz behutsam um. Nach 18 Jahren ist die Ära Schlatterer in Weinstadt jetzt zu Ende.

Die Nachfolge von Alfred Schlatterer in Weinstadt ist noch ungeklärt

Wer Alfred Schlatterer als Schulleiter nachfolgt, ist noch ungeklärt. Kommissarisch übernimmt Konrektorin Katja Zielfleisch „mit einem „Schulleitungsteam von vier erfahrenen Kolleginnen und Kollegen“ das Ruder.

Das Kollegium hat Schlatterer am Dienstag mit einem Weißwurstfrühstück überrascht. Danach durfte sich der Schulleiter den ganzen Vormittag beim „Schlag den Schlatterer“ in verschiedenen Disziplinen von Sackhüpfen bis Regal-Aufbauen mit den Schülerinnen und Schülern messen. Schließlich wurde er einer Pressemitteilung zufolge ins Stadion gelockt, wo alle Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Schule mit Plakaten und Bannern sowie Kostümen und Konfettiregen auf ihn warteten.

Wegen Lehrermangels: Wechsel an "Brennpunktschule" in Ludwigsburg

So sehr sie ihn in Weinstadt vermissen werden: Den Lehrer Alfred Schlatterer wird es noch ein, zwei Jahre lang geben. In Ludwigsburg tritt er ein halbes Deputat an, wieder an einer Haupt- und Werkrealschule. Ist der Ruhestand denn keine Option für ihn? Alfred Schlatterer entgegnet: „Das mache ich nur, weil ich weiß, es gibt einen irren Lehrermangel. Ich hab' das ja selber erlebt, was es bedeutet, wenn man am Ende des Schuljahres noch nicht weiß, ob man im nächsten Jahr überhaupt genug Lehrkräfte hat.“ Und außerdem: „Als Schulleiter ist man oft eingesperrt in seiner Verwaltungstätigkeit. Man vermisst das Klassenzimmer.“ Jetzt kehrt er zurück zu seinen Wurzeln als Pädagoge.

Der 64-Jährige erinnert sich an seine ersten Jahre in Weinstadt: „Es war eine ganz schwierige Zeit, die Werkrealschule zu etablieren. Das Vorurteil gegenüber Hauptschülern und Werkrealschülern war schwer aus den Köpfen herauszukriegen.“ Auch aus den Köpfen der Schüler selbst – viel Aufbauarbeit hätten er und sein Kollegium leisten müssen. Und dabei doch immer wieder gesehen, wie aus Kindern junge Erwachsene wurden, die ihren Weg gegangen sind.

Wenngleich der manchmal holprig verlief. Alfred Schlatterer ist es auch mit fast 65 Jahren wichtig, Verständnis zu zeigen, gerade dann, wenn bei den jungen Menschen die Pubertät einsetzt. Auch Verzeihen ist wichtig. Er sagt: „Wenn ich einen Schüler habe, der mir Probleme gemacht hat, und der ist jetzt geläutert, dann muss ich ihm doch eine neue Chance geben. Ich war selber so. Ich war selber kein einfacher Schüler.“

„Manche meinen, man müsste der beste Freund des eigenen Kindes sein“

Damit meint Alfred Schlatterer nicht, dass Kindern und Jugendlichen keine Grenzen aufgezeigt werden sollen, im Gegenteil: „Für meine Generation waren die Erwachsenen ein Feindbild. Man musste sich ganz deutlich abheben. Lange Haare und so weiter. Heute ist es ganz schwierig, weil die Eltern teilweise die gleichen Klamotten, das gleiche Tattoo oder Piercing haben wie die eigenen Kinder. Manche meinen, man muss der beste Freund des eigenen Kindes sein. Das ist Gift. Man muss auch sagen können: Bis hierhin und nicht weiter.“

Grenzen setzt sich Alfred Schlatterer auch selbst – wichtig ist ihm die zwischen Privatleben und Beruf. Er ist Vater eines erwachsenen Sohnes und lebt mit seiner Frau in Marbach. Zu Hause sei die Schule kein großes Thema, seine Frau arbeite in einer ganz anderen Branche. Schlatterer lacht. „Der Supergau ist doch: zwei Ehepartner, beide im Schuldienst. Da wird das Wohnzimmer zur Brutstätte des Burn-out.“

Den Beruf des Sportlehrers hält Alfred Schlatterer für unterschätzt

Apropos Burn-out: Der Beruf des Sportlehrers, den er immer noch mit großer Begeisterung verrichtet, sei wahnsinnig unterschätzt, findet Alfred Schlatterer. Nicht nur, dass es unglaublich schwer sei, faire Noten zu vergeben, auch der Lärmpegel in der Sporthalle erfordere starke Nerven: „Wenn Sie das den ganzen Tag machen, tragen Sie das, was Sie morgens verdienen, nachmittags zum Therapeuten.“

Weder Verwaltungsarbeit noch Sporthallenlärm und auch nicht die Corona-Zeit, aus der er versucht, das Positive zu ziehen, haben Alfred Schlatterer kleingekriegt. Ach, und „Schlag den Schlatterer“ hat er natürlich auch gewonnen.

Ruhestand? Nicht ganz! Alfred Schlatterer nimmt nach 18 Jahren als Schulleiter der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule noch einmal einen neuen Lehrauftrag an. Mit einem halben Deputat an einer „Brennpunktschule“ will er von Herbst an das letzte Kapitel seines aktiven Schuldiensts schreiben. Das passt – schließlich sagt der 64-Jährige von sich: „Ich war selbst kein einfacher Schüler.“ In Weinstadt werden sie ihn sehr vermissen. Die Nachfolge ist ungeklärt.

Auf die Frage, wieso er Lehrer

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