Weinstadt

Farbenfroher Kirbe-Festakt

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Kirbe Festakt, Weinstadt-Beutelsbach, 13.10.2019.
Groß und klein: Ganz Beutelsbach ist auf den Beinen. Fotos: Beytekin © Benjamin Beytekin
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Groß und klein: Ganz Beutelsbach ist auf den Beinen. Fotos: Beytekin © Benjamin Beytekin

Weinstadt-Beutelsbach. Unter strahlend blauem Himmel und bei fast hochsommerlichen Temperaturen strebte die Beutelsbacher Kirbe am Sonntag ihrem Höhepunkt zu, dem Aufhängen des Traubens und der Weitergabe der Tradition an den nachfolgenden Jahrgang.

In Beutelsbach herrschte am Sonntag Ausnahmezustand - erlebbar nicht zuletzt an der Parkplatzmisere zwischen Bahngleis und Stuttgarter Straße. Auf dem Marktplatz drehte bereits um die Mittagszeit ein Ringelspiel unverdrossen seine Runden, aus der Buhlstraße wehten Grillduft und Musik vor das Rathaus, und immer wieder schnarrten alles andere übertönende Wengerträtschen. Gefühlt der ganze Ort war auf den Beinen, und nicht nur Beutelsbacher selbst. Beim Gang durch die Menschenmenge waren auch Endersbacher Gesichter zu entdecken, Großheppacher und Strümpfelbacher, selbst Schnaiter hatten den Weg hergefunden - nicht zuletzt der diesjährige Kirbejahrgang, der seinen Beutelsbacher Jahrgangskollegen die Reverenz erwies.

„Der Weinbau braucht keine Gebete, sondern die Hacke“

Schlag 13.30 Uhr marschierte der Musikverein Beutelsbach vor das Rathaus, während aus der anderen Richtung die Esslinger Bürgergarde, die Marktwache und die Grundschulkinder mit ihren geschmückten Leiterwagen und Butten den Kirbejahrgang vors Rathaus begleiteten. Dort erwartete sie bereit Oberbürgermeister Michael Scharmann, den die Weinstädter Weinkönigin Anja Sigle, Weinprinzessin Franziska Haenelt und die württembergische Weinprinzessin Ellen Volzer einrahmten und mit Gedichtvorträgen unterstützen.

„Der Weinberg braucht keine Gebete, sondern eine Hacke“ erinnerte der OB. Deshalb verband er sein Grußwort mit einem Dankeschön an alle Wengerterfamilien, die mit ihrer Arbeit nicht nur die Weinberge pflegten, sondern auch das Image und Selbstverständnis von Weinstadt als Weinbaugemeinde. Zu diesem Selbstverständnis gehöre auch der Gemeinschaftssinn, für den all die vielen Ehrenamtlichen in Weinstadt stünden. „So funktioniert Gesellschaft, so funktioniert Weinstadt“, betonte Scharmann.

Die Kirbejugend – „ein Jahrtausendjahrgang“

„Ihr seid jedes Jahr der Höhepunkt des Festes“, begeisterte sich der OB am Auftritt der Wengertergruppe der Beutelsbacher Grundschule, die mit ihrem Herbstlied nicht nur die Herzen des Publikums im Sturm eroberten, sondern vom „grünen“ Kirbejahrgang mit einer Wengerträtsche belohnt wurden, „damit das Warten, bis ihr dran seid, nicht zu lange wird“, erklärte Jahrgangssprecherin Lisa Weber. Der diesjährige Kirbejahrgang, erklärte sie stolz, schreibe Geschichte, denn bei ihm handle es sich um einen Jahrtausendjahrgang.

Dieter Ellwanger, der Sprecher des diamantenen Kirbejahrgangs 1959, bemerkte wehmütig, bei der Kirbe damals habe es keine Weinkönigin und -prinzessinnen gegeben, stattdessen habe der damalige Bürgermeister Blessing ein neues Backhaus eingeweiht. „Wir kommen in fünf Jahren wieder“, kündigte er an, als eiserner Jahrgang, und um die Wiederwahl Oberbürgermeister Scharmanns zu feiern. Und an das Festpublikum gewandt: „Sie liegen richtig mit Ihrem Besuch in Beutelsbach, mitten drin in der Wiege Württembergs!“ Keine Rede, sondern ein gemeinsam vorgetragenes Kirbelied zu den Klängen von Rocco Granatas „Marina“ gab es vom goldenen Jahrgang 1969, und Dominic Mannarino vom silbernen Jahrgang 1975 fiel die Aufgabe zu, die traditionelle Wanderrätsche weiterzureichen.

Nach dem vom Musikverein Beutelsbach intonierten „Copacabana“ Barry Manilows war der grüne Jahrgang an der Reihe. Seinen Kirbetanz auf „Dorfkind“ und eine flotte, bodenständige Polka absolvierten die 17 Buben und 18 Mädels ebenso souverän wie das Abhängen des mit zwei Abortdeckeln verzierten Spaßtraubens und das Aufhängen des Kirbetraubens an dem Gestell vor dem Rathaus: Ganz offensichtlich ist da in den vergangenen Monaten eine Gemeinschaft zusammengewachsen, die nicht nur das Miteinander-Feiern gelernt hat. Schließlich oblag es Oberbürgermeister Scharmann, sich gegen Weinbergrätschen und Wengertschrecks durchzusetzen und mit einem Schoppen funkelnden Roten den Festbesuchern zuzuprosten.

Der Kirbe-Montag

Am Montag findet die Kirbe ihren traditionellen Ausklang um 15 Uhr mit dem Seniorennachmittag für jedermann im Musikerheim und um 19 Uhr beim zünftigen „Kirbe-Finale“ in der Beutelsbacher Halle mit den „Beutelsbachern“.