Weinstadt

Flüchtlinge verlassen den Schönbühl

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Flüchtlinge
Jeder Spind ist mit dem Namensschild eines Bewohners beschriftet worden – damit beim Umzug nach Plüderhausen keine Verwirrung entsteht. © Benjamin Büttner
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Genau ein Jahr haben die Männer im Schefflerhaus gewohnt. Nun wird Plüderhausen die neue Heimat. © Benjamin Büttner

Weinstadt. Sie tragen Kühlschränke und Tische, Stühle und Spinde: Die Bewohner vom Schefflerhaus haben bei ihrem Umzug nach Plüderhausen selbst stundenlang angepackt. Sie sind die ersten Flüchtlinge, die den Schönbühl verlassen müssen. Der Kreis will so Kosten einsparen – denn die Unterkunft war wegen der Shuttlebusse und des Sicherheitsdienstes besonders teuer.

Franz Ceras ist wehmütig. Ein Jahr lang war er als Hausmeister auf dem Schönbühl für alles zuständig, arbeitete mit den Flüchtlingen und sorgte wie die vielen ehrenamtlichen Helfer oder die Sozialarbeiter dafür, dass sich die Menschen auf dem Gelände des ehemaligen Jugendheims wohlfühlen konnten. „Man hat sich an die Leute gewöhnt. Sie waren eher Freunde wie irgendwelche Fremde.“

Für Franz Ceras ist der Schönbühl mehr als nur irgendein Ort: Sein Vater und seine Mutter haben in dem ehemaligen Jugendheim viele Jahre gearbeitet und gewohnt, es ist seine Heimat. Bald schon werden die mit viel Mühe renovierten Gebäude leerstehen. Nach der Räumung des Schefflerhauses an diesem Donnerstag steht auch den Bewohnern des benachbarten Saffrichhofs ein Umzug bevor. „Es wird ruhig. Verdammt ruhig.“

Landratsamtsmitarbeiter: „Es läuft selten so gut“

Noch aber herrscht an diesem Donnerstag Betriebsamkeit. Es ist 9.50 Uhr, zwei Busse sind im Innenhof des Jugendheims angekommen. Noch aber können die Bewohner nicht losfahren, schließlich fehlen noch die Lastwagen, die Möbel und andere Gegenstände transportieren sollen. Und beim Einladen sollen die Flüchtlinge natürlich helfen. Ob Spinde oder Kühlschränke, Tische oder Stühle, alles steht schon abholbereit im Hof. „Es läuft selten so gut“, sagt Melih Göksu vom Landratsamt.

Die 66 Männer wissen schon seit Sommer, dass sie nach Plüderhausen in die Birkenallee kommen, in ein umgebautes ehemaliges Verwaltungsgebäude. Es wird zum ersten Mal als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Die Bewohner vom Saffrichhof, die nach Winnenden und Leutenbach umziehen, wissen von der Räumung noch nicht so lang, was für ziemlichen Unmut sorgte.

In Winnenden kümmern sich dagegen neue Mitarbeiter um die Flüchtlinge

Immerhin werden einige zumindest ihre Bezugspersonen behalten können: Die Sozialarbeiter Johannes Reich und Katharina Hoffmann vom Roten Kreuz werden anfangs in der Einrichtung in Leutenbach arbeiten. In Winnenden kümmern sich dagegen neue Mitarbeiter um die Flüchtlinge. Grund: Der Kreis hat für diese Unterkunft schon vor Monaten einen Vertrag mit der Paulinenpflege unterzeichnet, der jetzt nicht einfach gekündigt werden kann.

Und in Plüderhausen werden die Flüchtlinge von einem Sozialarbeiter betreut, der direkt beim Landratsamt angestellt ist. Die Belegungspläne der Zimmer in Plüderhausen und Winnenden haben Johannes Reich und Katharina Hoffmann gemeinsam mit den neuen Sozialarbeitern erstellt. Sie wissen schließlich am besten, welche Flüchtlinge gut miteinander klarkommen – und welche Leute auf keinen Fall im selben Zimmer wohnen sollten.

Saffrichhof wird Zug um Zug geräumt

  • Nach dem Schefflerhaus auf dem Gelände des ehemaligen Jugendheims Schönbühl ist nun der Saffrichhof dran: Die ersten 58 Bewohner werden am Freitag in die neue Asylbewerberunterkunft des Kreises in Winnenden-Schelmenholz ziehen. Es handelt sich um Wohnmodule des Stuttgarter Planungsbüros Aktiv-Haus nach dem von Werner Sobek entwickelten Triple-Zero-Standard, der in Winnenden erstmals praktisch umgesetzt wird.
  • 50 weitere Menschen vom Saffrichhof sollen am Donnerstag, 1. Dezember, ihre Unterkunft verlassen und nach Leutenbach aufs Kärcherareal ziehen.
  • Wann die übrigen Saffrichhof-Bewohner umziehen, hängt davon ab, wann der Zugang zu den Obergeschossen der Schelmenholz-Wohnmodule fertig wird. „Da fehlen noch die Treppen“, sagt Melih Göksu vom Fachbereich Koordination und Planung Flüchtlinge des Landratsamts. Eigentlich sollen die am Freitag, 9. Dezember, montiert werden. Melih Göksu weiß aber nicht, ob die Handwerker den Termin einhalten können. Indes gibt’s keinen Zeitdruck: Das Landratsamt würde bei einer Verzögerung den Umzugstermin einfach auf Anfang Januar verlegen. „Es kommt jetzt Weihnachten – und da wollen wir die Leute nicht stressen.“
  • Zudem läuft der Mietvertrag mit Thomas Barth noch neun Jahre. Sprich: Der Kreis muss die Miete sowieso zahlen.