Weinstadt

Genusstour durch Gundelsbach

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Burkhard Stallein probiert in der Brennerei Sigle ein hauseigenes Schnäpschen. © Ralph Steinemann
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Ein Helfer der Brennerei Weingut Klopfer führt die Gäste durch die Destillerie.

Weinstadt. “Brennpunkte Gundelsbach“: Unter diesem Titel haben die örtlichen Weingüter und Brennereien am Sonntag zu einer Genusstour in die kleine Ortschaft bei Großheppach eingeladen. Der Ort selbst hat sich zum Empfang der Besucher prächtig herausgeputzt: Sowohl Weinberge wie auch Obst- und Waldbäume trugen kräftige Gelb-, Rot- und Brauntöne, das Wetter präsentierte sich wandererfreundlich – es fehlte lediglich die Sonne.

Es habe sie das erste Mal überhaupt nach Gundelsbach verschlagen, gestand ein junges Paar aus Bittenfeld. Aus der Wohnung herausgelockt habe sie das wunderbare Spätjahreswetter – und nach Gundelsbach die Neugier, einmal in eine Brennerei hereinzuschauen. Schade nur, ergänzte sie, dass sie mit dem Auto unterwegs seien. Aus diesem Grund habe das ältere Ehepaar aus Waiblingen die S-Bahn bis Beutelsbach genommen und sei dann heraufspaziert, berichtet dieses. Eine gute halbe Stunde lang – und damit gerade recht, um Appetit und Durst zu bekommen.

Obstbrand: Ein wirtschaftliches Argument für Streuobstwiesen

Gegen den Hunger hielt das Weingut Klopfer, die erste Station an der Gundelsbacher Straße, im Hof kräftige Suppen und habhafte überbackene Brote bereit. Gegen den Durst gab es die hauseigenen Weine.

Hausherr Wolfgang Klopfer hantierte in der Brennerei und stellte Hochprozentiges aus Williams-Christ-Birnen her. Wein und Obstbrand gehörten unbedingt zusammen, erklärte Sohn Christoph. Sowohl zur Vervollkommnung des Produktangebots für den Kunden, als auch als wirtschaftliche Grundlage für die Pflege der Streuobstwiesen, die neben den Weinbergen das Landschaftsbild prägen.

„Kleine, feine Brände aus schönem, reifen, sortenechten und gesundem Obst“, erklärte Wolfgang Klopfer den neugierigen Besuchern, die in seine Brennerei hereinschauten. „Wenn man Aroma und Genuss bieten möchte, wie zum Beispiel mit zehn Jahre alten Trester- und Apfeldestillaten aus dem Holzfass, dann muss man sich schon anstrengen!“

Gemeinsames Ziel: Gundelsbach als Geheimtipp etablieren

Nicht mit Destillaten wartete Kellermeister Leon Gold an diesem Sonntag im „Krug zum grünen Kranze“ auf, wohl aber mit den in seinem Weingut gezogenen Rot- und Weißweinen und dem selbst abgefüllten Apfelsaft. Das Besondere hier im Ort sei: Man sei sich einig, ziehe gemeinsam an einem Strang und ermögliche so jedem der zwei Weingüter, fünf Brennereien, zwei Wirtschaften und einem Café im Ort, seinen eigenen Weg zu gehen und seine Nische zu finden. Gundelsbach als Ausflugsziel sei so etwas wie ein Geheimtipp, es habe seine Liebhaber von Stuttgart bis Aalen, aber natürlich dürften es gern mehr werden. „Das Weingut Gold trägt seinen Teil mit dazu bei, den Namen Gundelsbach auch über Weinstadt hinaus noch bekannter zu machen.“

Hobby-Brenner zeigt sich nach Unfall in Schwaikheim verunsichert

Insgesamt acht Kilo Linsen und 15 Kilo Spätzle hatte Iris Striegel-Vaihinger für den Sonntag verarbeitet. Mit „Alblaise ond Spätzle“ verwöhnte sie in der Brennerei Sigle ihre Gäste. „Das perfekte Gericht für einen Verdauungsschnaps“, versicherte ein junger Besucher aus Waiblingen. Ihm gehe es nicht nur darum, einige der insgesamt rund zwanzig Erzeugnisse der Brennerei Sigle zu verkosten, genau so dringend erhoffe er sich Tipps und Ratschläge.

Er habe in diesem Jahr erstmals die Äpfel und Birnen der Streuobstwiese der Familie gemostet. Der Trester sei nun eingeschlagen und warte darauf, gebrannt zu werden. Bewegt und etwas verunsichert habe ihn zudem die Nachricht von dem Unfall am Donnerstag in Schwaikheim. Wenn man ein Glas Schnaps trinke, denke man nicht daran, dass beim Destillieren mit Feuer, Hitze und leicht entflammbaren Flüssigkeiten hantiert werde. Wie überall könne man gar nicht genug aufpassen – und dennoch passierten Unfälle.


Mitwirkende

An der Genusstour „Brennpunkte“, die am Sonntag von 11 bis 18 Uhr stattfand, hatten die Weingüter Klopfer und Gold sowie die Brennereien Löffler, Sigle, Würthele und die kleine Destillerie ihre Türen für interessierte Besucher geöffnet.