Weinstadt

Hallenbad-Pläne in Weinstadt: Parkplätze und Verkehr beschäftigen die Anwohner

Hallenbadpläne
Oberbürgermeister Michael Scharmann steht genau da, wo das neue Hallenbad entstehen soll. Das Kleinspielfeld wird verlegt. © Alexandra Palmizi

In Weinstadt wird ein neues Hallenbad gebaut – daran besteht kein Zweifel mehr. Viele Details sind aber noch ungeklärt. Bei einer Info-Veranstaltung am Mittwochabend haben sich OB Michael Scharmann und Stadtwerke-Chef Thomas Meier den Fragen der Weinstädter gestellt: Reichen die Parkplätze wirklich aus? Wird bald eine Parkgebühr am Stadion verlangt? Kommt's im Wohngebiet zum Verkehrschaos? Was geschieht jetzt mit der Cabrio-Ruine?

Wo das Kleinspielfeld ist, soll das neue Bad entstehen

Oberbürgermeister Michael Scharmann steht am Mittwochabend (21.7.) mitten im neuen Weinstädter Hallenbad – mit etwas Fantasie. Es muss ja erst gebaut werden. In der Realität befindet sich Scharmann noch auf dem Kleinspielfeld am Bildungszentrum. Hier spricht er über das Bad, ein 11,5-Millionen-Euro-Projekt von Stadt und Stadtwerken, das an dieser Stelle verwirklicht werden soll. Es ist die erste Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema, rund 50 Menschen sind gekommen.

Im Herbst 2020 war der OB mit den Plänen eines Ersatzbaus für das marode Stiftsbad an die Öffentlichkeit gegangen. Entstehen soll ein Ganzjahresbad mit Sportschwimmbecken, Funktionsbecken und Kinderbecken sowie einer Liegewiese im Freibereich.

Die Weinstädter, die am Mittwochabend am Bildungszentrum den Vorträgen der Funktionäre lauschen, sind zum Teil Anwohner – sie interessieren sich naturgemäß besonders für die möglichen Begleiterscheinungen des neuen Bads, wie die anschließende Fragerunde zeigte.

Reichen die Parkplätze aus?

So herrschen Zweifel daran, dass die bestehenden Parkplätze an der Beutelsbacher Straße, also unterhalb des Stadions und der Sporthalle, ausreichen werden. Was, wenn eine große Sportveranstaltung stattfinde, will ein Weinstädter wissen. „Für die drei, vier Spitzentage im Jahr dürfen wir die Parkplätze nicht kalkulieren“, antwortet Thomas Meier. Es würden aktuell Verkehrszählungen an den Parkplätzen vorgenommen, um zu überprüfen, ob die Annahme, dass die vorhandenen Parkplätze grundsätzlich ausreichen, sich bewahrheitet. Chef-Stadtplaner Reinhard Schlegel hat zuvor in seinem Vortrag angekündigt, die Stadt könne an der Beutelsbacher Straße bei Bedarf bis zu 85 zusätzliche Stellplätze schaffen.

Nimmt der Verkehr im Wohngebiet überhand?

Eine Befürchtung der Anwohner der Pestalozzistraße, die ins Bildungszentrum hineinführt, lautet: Der Verkehr im angrenzenden Wohngebiet wird überhandnehmen. Die von der Stadt vorgesehene Anbindung des Bads über die Beutelsbacher Straße von Norden her stellt eine Weinstädterin infrage: Sie befürchte, dass der Weg zu den Parkplätzen zu weit sei – „die Leute wollen einfach nicht so weit laufen“. OB Scharmann nickt zustimmend: „Das wird ein Thema sein, mit dem sich die Stadt beschäftigen muss.“

Fest steht schon heute: Die Andienung über die Pestalozzistraße soll unattraktiver werden. Eine Maßnahme: Der große Wendehammer bei der Mensa soll weiter nach unten verlegt werden.

Werden bald Parkgebühren erhoben?

Ob denn die Parkplätze am Stadion und an der Sporthalle kostenfrei bleiben, fragt eine weitere Bürgerin – „oder werden die Parkplätze kostenpflichtig, und die Besucher weichen in die angrenzenden Wohngebiete aus?“ Es gebe in ganz Weinstadt noch keine kostenpflichtigen Parkplätze, entgegnet Oberbürgermeister Scharmann, und es sei auch „nicht unser Ansinnen“, Parkgebühren zu verlangen. Die gemischte Nutzung spreche dagegen. Ausdrücklich ausschließen will der OB eine solche Entwicklung allerdings auch nicht: „Darüber haben wir uns ehrlich gesagt noch überhaupt keine Gedanken gemacht.“

Weitere Bürgerfragen betreffen die Baustellenlogistik (Meier: Eventuell müssen auch Feldwege genutzt werden), Solaranlagen auf dem Hallenbaddach (Meier: „Ja!“), die Flächenversiegelung (OB: Die Stadt wird einen Ausgleich leisten müssen) und zur Cabrio-Ruine. Was denn mit dieser früheren Weinstädter Bade-Attraktion geschehen soll, fragt ein Senior. Damit werde sich die Stadt erst in einem zweiten Schritt beschäftigen, entgegnet OB Scharmann: „Stand jetzt gibt es keine Überplanung des Cabrio-Geländes.“

Die Bürgerbeteiligung soll nach der Sommerpause beginnen

Auch weil das Vertrauen in die Stabilität des Stiftsbads in Beutelsbach gering ist, will die Stadt die Planung am Bildungszentrum zügig vorantreiben. Nach der Sommerpause soll die Beteiligung der verschiedenen Nutzergruppen – Schulen, Vereine, Bürgerschaft – beginnen. Erste Anregungen, beispielsweise der DLRG, sind bereits eingegangen.

Nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats Ende 2020 war im Frühjahr 2021 der Förderantrag der Stadt beim Bund bewilligt worden – und damit ein Zuschuss von drei Millionen Euro, ohne den das Projekt wohl nicht zu stemmen wäre. „Ein Geschenk“, sagt Stadtwerke-Chef Meier.

Mittlerweile hat das Finanzamt der Gründung eines steuerlichen Querverbunds der Versorgungsbetriebe (Strom/Gas/Wärme/Wasser) der Stadtwerke mit dem Bäderbetrieb grünes Licht gegeben. So wird es möglich sein, die Gewinne aus den Versorgungsbetrieben mit den Verlusten des Bäderbetriebs zu verrechnen. Dass das Bad Verluste machen wird, schätzungsweise rund 780 000 Euro im Jahr, steht schon heute fest – so sei es „bei 99 Prozent der Bäder in Deutschland“, sagte Stadtwerke-Chef Thomas Meier am Mittwoch. Die Stadtwerke verantworten einen Großteil der Finanzierung und den laufenden Betrieb.

Das Bad kostet nach aktuellen Schätzungen 11,5 Millionen Euro

Die Stadt beteiligt sich am Bau mit 3,5 Millionen Euro – wobei drei Millionen Euro aus dem Fördertopf des Bundes stammen. In den nach aktuellen Schätzungen 11,5 Millionen Euro Gesamtkosten steckt ein „Puffer“ für Unvorhergesehenes von einer Million Euro. Der Gemeinderat hat jüngst die notwendige Änderung des Bebauungsplans angestoßen. Baustart soll im Frühjahr 2023 sein.

In Weinstadt wird ein neues Hallenbad gebaut – daran besteht kein Zweifel mehr. Viele Details sind aber noch ungeklärt. Bei einer Info-Veranstaltung am Mittwochabend haben sich OB Michael Scharmann und Stadtwerke-Chef Thomas Meier den Fragen der Weinstädter gestellt: Reichen die Parkplätze wirklich aus? Wird bald eine Parkgebühr am Stadion verlangt? Kommt's im Wohngebiet zum Verkehrschaos? Was geschieht jetzt mit der Cabrio-Ruine?

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