Weinstadt

Hundeschule "Petit Loup" in Weinstadt: Ukraine-Krieg trübt Trainings-Boom

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Auf dem Übungsplatz in Kernen trainieren die Besitzer am Samstag bei sonnigem Wetter mit ihren Junghunden - unterstützt werden sie von Trainer Markus Napieralla (hinten links). © Ralph Steinemann

Während die Hundeschule "Petit Loup"  in Beutelsbach während der Pandemie trotz Corona-Auflagen regelrecht überlaufen war, lässt sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs im März ein anderes Phänomen beobachten: Die Zahlen sind rückläufig. „Die Leute warten ab“, sagt Schmid.

Der Besuch in der Hundeschule koste Geld, ein Luxus, auf den die Menschen angesichts der weltpolitischen Lage zurzeit verzichten. Sorgen um das Geschäft mache sich die Hundetrainerin aber noch nicht. „Das ist aktuell eine Momentaufnahme, es gibt ab und zu ein Piks in der Selbstständigkeit.“

Mit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Neuanschaffungen von Hunden um ein Viertel gestiegen

Normalerweise betreut Sarah Schmid jährlich rund 300 Vierbeiner in ihrer Hundeschule „Petit Loup“. Seit dem ersten Lockdown im Jahr 2020 aber seien die Anfragen nach Gruppenplätzen und Einzeltrainings in die Höhe geschossen. „Wir haben nun 500 bis 600 Hunde im Jahr“, sagt die Hundetrainerin.

Der Unterricht in der Hundeschule ist so gefragt, dass Sarah Schmid zusätzlich Co-Trainer Markus Napieralla eingestellt hat. Die Zahl der Neuanschaffungen von Hunden sei um ein Viertel gestiegen, so die gelernte Fotografin und Grafikerin.

Welpenbesitzer mussten frühzeitig einen Platz in der Hundeschule suchen

Warum sind so viele Menschen während der Pandemie auf den Hund gekommen? „Die Leute sahen mit dem Lockdown die Möglichkeit, sich den Wunsch nach einem Hund zu erfüllen“, so Sarah Schmid. „Man hat mehr Zeit daheim verbracht und konnte sich um die Erziehung des Hundes kümmern.“ Ein großer Teil des Kundenstamms seien etwa Familien mit Kindern. Zeitweise seien Kollegen der Hundetrainerin mit Anfragen überhäuft worden. „Wenn man einen Welpen in Aussicht hatte, musste man sich gleich um einen Platz in der Hundeschule kümmern“, erzählt Schmid. „Ähnlich wie bei Kita-Plätzen.“

Neben den klassischen Welpenkäufen aus Hundezuchten sind auch Vierbeiner aus dem Tierschutz gefragter denn je. „Schon vor Corona ist die Anzahl der geretteten Hunde aus dem Ausland gestiegen“, so Schmid. Für die Hundetrainerin ist die Vorgeschichte jedes Tieres wichtig, damit sie weiß, welche Ratschläge sie den Besitzern geben kann. So könne es vorkommen, dass Hunde aus dem Tierschutz nicht an soziale Kontakte gewöhnt sind.

Hundetrainerin: Viele Neuhundebesitzer unterschätzen die Erziehungsarbeit

„Jeder Tag, jede Stunde, jede Begegnung ist individuell“, sagt Sarah Schmid. Die Weinstädterin steht neuen und auch langjährigen Hundebesitzern zur Seite, wenn es um die Bindung zwischen Hund und Mensch geht. „Hunde haben eine andere Sprache als Menschen, es ist meine Aufgabe, aus beiden ein Team zu machen“, so Schmid. Eine Beobachtung macht die Weinstädterin immer wieder: Viele Neuhundebesitzer unterschätzen zu Beginn die Erziehungsarbeit. „So ein kleiner Hund kann schon mal nerven“, sagt Sarah Schmid schmunzelnd.

Ab und zu komme es auch vor, dass die Hunde beim Gruppentraining auf dem Übungsplatz in Kernen besonders aufgeregt sind. „Das ist für alle Beteiligten anstrengend, legt sich aber meist nach kurzer Zeit wieder“, so die Trainerin.

Die Hundetrainerin hilft Frauchen und Herrchen, den Welpen das Einmaleins der Benimmregeln beizubringen oder so manche Marotte eines Hundes anzugehen. „Mal hat ein Hund Angst vor Autofahrten oder will beim Gassigehen jeden Jogger und Radfahrer anfallen.“ Manchmal genügt aber auch schon ein kurzes Gespräch mit dem Besitzer oder auch ein Spaziergang durchs Gassi-Gebiet, um das Problem zu lösen.

Eine Herausforderung stellen auch die Junghunde dar: „Die sind volle Kanone in der Pubertät“, sagt Schmid. „Die Hunde haben aber besonders in diesem Alter ihren eigenen Kopf und machen dann schon mal so typische Hundesachen“, erzählt sie lachend. Jeder noch so kleine Fortschritt im Training sei Belohnung genug. Und so gerne die Trainerin Hund und Mensch für ihr gemeinsames Leben ausbildet, zählt am Ende nur eines: „Das Schönste ist, wenn sie mich nicht mehr brauchen“, sagt Schmid.

Selbst die Corona-Auflagen dämpfen die Nachfrage nicht

Während der Pandemie hat Schmid ein großes Programm an Online-Angeboten und telefonischen Beratungen entwickelt, die auch unter strengen Corona-Auflagen umsetzbar sind. „Das war aber gar nicht so gefragt.“ Der klassische Gruppenunterricht und das persönliche Treffen – wenn auch mit Abstand – machen den Charakter der Hundeschule aus.

Während der letzten zwei Jahre hat sich viel im Reglement getan, die Hundeschulen seien aber immer glimpflich davongekommen. „Es gab Zeiten, da haben wir im Sommer draußen mit 30 Grad und Maske trainiert“, so Schmid. Aktuell gilt eine Maskenpflicht im Innenbereich. Außerdem testen sich die beiden Trainer zweimal in der Woche. Als Zweierteam sei es auch möglich gewesen, größere Gruppen zu halbieren. Je nach Jahreszeit finden die Trainings abends oder am Wochenende statt.

Während die Hundeschule "Petit Loup"  in Beutelsbach während der Pandemie trotz Corona-Auflagen regelrecht überlaufen war, lässt sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs im März ein anderes Phänomen beobachten: Die Zahlen sind rückläufig. „Die Leute warten ab“, sagt Schmid.

Der Besuch in der Hundeschule koste Geld, ein Luxus, auf den die Menschen angesichts der weltpolitischen Lage zurzeit verzichten. Sorgen um das Geschäft mache sich die Hundetrainerin aber noch nicht. „Das ist aktuell

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