Weinstadt

Illegaler Sperrmüll, Verpackungen, Glasscherben: Weinstadt hat ein Müll-Problem

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Der Bauhof räumt im März am Container-Stellplatz beim Bildungszentrum auf. Jemand hat offenbar seinen halben Hausrat illegal entsorgt. © Gaby Schneider

Weinstadt hat ein Müll-Problem. Besonders betroffen sind die Containerstellplätze in Benzach und am Endersbacher Bahnhof, an denen schon ganze Kücheneinrichtungen illegal abgeladen worden sind. Sie sollen jetzt sogar aufgelöst werden. Weitere Hotspots sind beliebte Party-Treffpunkte von Jugendlichen. An Grillstellen wie der Birkelspitze bleiben regelmäßig Verpackungsmüll, Flaschen und Scherben zurück. Was muss sich tun in Weinstadt?

Die einen laden ihren Hausrat ab, die anderen lassen Flaschen liegen

Mitte März beim Containerstellplatz am Bildungszentrum: Zwei Männer vom Weinstädter Bauhof räumen einem Müllsünder hinterher – wieder einmal. Die gesamte Ladefläche ihres Kleinlasters packen die Arbeiter voll mit aussortierten Möbeln, Schrott und Kücheninventar. Vermutlich stammt es aus einer Haushaltsauflösung. Der Vorbesitzer hatte offenbar keine Lust, sich um eine fachgerechte Entsorgung zu kümmern, und hat den ganzen Kram einfach rund um die Container herum abgestellt – Problem gelöst, zumindest für ihn.

Vergangenen Freitag am „weißen Haus“, der Gartenschau-Grillstelle an der Birkelspitze: Ein Bierkasten, viele leere Wein- und Schnapsflaschen, ein verkohlter Einweg-Grill, Verpackungsmüll. Die Überbleibsel einer Party, deren Teilnehmer sich anscheinend weder um Corona-Regeln noch um die Natur rund um die Rems scheren.

Es sind zwei Fälle, die beispielhaft sind für das Müll-Problem in Weinstadt, das immer wieder für Frust sorgt. Beim Hege- und Fischereiverein zum Beispiel, der kürzlich säckeweise Müll aus der Rems fischte und sich entsetzt zeigte über die Arroganz der Menschen gegenüber Tier- und Umwelt.

Volker Gaupp wünscht sich, dass die Mülleimer öfter geleert werden

Oder bei Volker Gaupp, dem CDU-Gemeinderat, der die Idee für das Remstalkino bei den „Drei Riesen“ hatte und sich seither Landschaft und Landwirten gegenüber verpflichtet fühlt. Täglich schaut er beim Aussichtspunkt vorbei, räumt auf, stopft den Müll in die dafür vorgesehenen Behälter oder nimmt ihn mit. Immer wieder fordert er die Stadt Weinstadt auf, die aus seiner Sicht zu klein geratenen Mülleimer öfter zu leeren, insbesondere vor den Wochenenden und bei schönem Wetter: „Heute früh waren beide Mülleimer am Remstalkino wieder genagelt voll“, berichtet Gaupp unserer Zeitung am Montag, auch die kleinen Müllbehälter am Schönbühlparkplatz seien „am Überlaufen“.

Das Problem verstärke sich aktuell dadurch, dass Restaurants ihre Speisen coronabedingt nur zum Mitnehmen anbieten dürfen. „Das bringt relativ viel Verpackungsmüll mit sich, da müssen wir reagieren. Wenn irgendwo Müll liegt, kommt gerne viel Müll dazu“, sagt Gaupp. An einem gepflegten, sauberen Platz sei das Hemmnis größer, seinen Unrat achtlos auf den Boden zu werfen. In den Nachbarkommunen würden die Mülleimer teilweise täglich geleert, viel häufiger als in Weinstadt.

Außerdem wünscht sich Volker Gaupp strengere Kontrollen des Verkehrs in den Weinbergen. Als Positiv-Beispiel nennt er den Kleinheppacher Kopf, wo „Weinberg-Sheriff“ Gerhard Liebhard sich einen Namen gemacht hat, weil er konsequent Bußgeldverfahren einleitet. Volker Gaupp weiß aber auch: Das Ordnungsamt ist in der Pandemie stark gefordert. Und der Gemeindevollzugsdienst mit seinen vier Ordnungshütern stößt personell an seine Grenzen.

Ehrenamtliche helfen dem Bauhof, öffentliche Anlagen sauberzuhalten

Nicht zuletzt hat der Bauhof noch einige andere Aufgaben, als nur allen hinterherzuräumen, die zu faul sind, ihren Müll ordentlich zu entsorgen. Um die städtischen Mitarbeiter zu entlasten, helfen deshalb seit kurzem Ehrenamtliche dabei, die öffentlichen Anlagen sauberzuhalten. Von dieser Maßnahme, die sich schon im Gartenschaujahr 2019 bewährt habe, berichtet Tiefbauamtsleiter Markus Baumeister unserer Redaktion. Auch seien wie zur Gartenschau wieder „Müllinseln“ aufgestellt worden.

Markus Baumeister vom Bauamt: Müll wird zwei Mal in der Woche entsorgt

Wie oft werden die Mülleimer geleert? „Die Aussichtspunkte und Anlagen werden mindestens zweimal pro Woche angefahren und der Müll entsorgt. Bei zusätzlichem Bedarf oder entsprechenden Meldungen aus der Bürgerschaft werden die Orte selbstverständlich zusätzlich angefahren“, schreibt Markus Baumeister. Eine weitere Maßnahme: Weil aus den alten, zu kleinen Müllbehältern der Unrat oft herausgeweht wurde, sollen „die alten Drahtgittereimer“ in den nächsten Jahren durch Mülleimer mit Abdeckung ersetzt werden.

Das Müll-Problem an Aussichtsplätzen und anderen öffentlichen Plätzen wird aus Sicht der Stadtverwaltung nicht durch Tagesausflügler und Spaziergänger befeuert, die es in Corona-Zeiten an die frische Luft drängt, sondern „durch Partys und Ansammlungen abends oder in der Nacht“. „Leider muss die Stadt dabei zur Kenntnis nehmen, dass immer wieder z.B. Glasflaschen mit Absicht zerschlagen werden, vorhandene Mülleimer ignoriert werden und unschöne Schmierereien deutlich zunehmen“, schreibt Baumeister. Die Grenzen zwischen Müllsünde und mutwilliger Sachbeschädigung sind fließend.

Wo sind die Müll-Hotspots in Weinstadt?

Wo ist es besonders schlimm? „Eindeutig lässt sich das nicht sagen“, antwortet Markus Baumeister. An der eingangs erwähnten Birkelspitze seien in diesem Jahr schon mehrere Einsätze des Bauhofs notwendig gewesen. „Aber auch am Remstalkino oder der Skateranlage gab es schon unschöne Hinterlassenschaften.“

Am Beispiel der vermüllten Containerstandorte zeigt sich allerdings: Das Weinstädter Müllproblem ist bei weitem nicht nur Jugendlichen anzulasten, denen seit Monaten die Freizeitangebote fehlen.

Müll-Hotspots seien „vor allem die Containerstellplätze, allen voran am Stadionparkplatz Benzach und am Bahnhof Endersbach“, schreibt Baumeister. „Hier hat die Vermüllung in starkem Maße zugenommen. Dort entsorgen viele Menschen ihren Müll illegal.“

Die Bandbreite reiche dabei „vom ,normalen‘ Hausmüll über Altholz und Gefrierschränke bis hin zu ganzen Kücheneinrichtungen oder Bädereinrichtungen aus Renovierungen“. Der Einsatz des Bauhofs in Benzach Mitte März war kein Einzelfall.

Betroffene Container-Standorte in Benzach und Endersbach sollen aufgelöst werden

Deshalb denkt die Stadt jetzt darüber nach, die Container-Standorte in Benzach und am Bahnhof Endersbach aufzulösen. Die Abstimmung mit der zuständigen Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr läuft. Das klingt – zumindest in diesem Punkt – nach Resignation. Tiefbauchef Markus Baumeister schreibt: „Bei Standorten ohne soziale Kontrolle durch Anwohner/-innen nimmt die illegale Müllablagerung erschreckende und nicht nachvollziehbare Formen an. Kameras zur Überwachung der Standorte sind nicht erlaubt und eine Nachverfolgung der Müllsünder verläuft leider nur allzu oft im Sande.“

Weinstadt hat ein Müll-Problem. Besonders betroffen sind die Containerstellplätze in Benzach und am Endersbacher Bahnhof, an denen schon ganze Kücheneinrichtungen illegal abgeladen worden sind. Sie sollen jetzt sogar aufgelöst werden. Weitere Hotspots sind beliebte Party-Treffpunkte von Jugendlichen. An Grillstellen wie der Birkelspitze bleiben regelmäßig Verpackungsmüll, Flaschen und Scherben zurück. Was muss sich tun in Weinstadt?

Die einen laden ihren Hausrat ab, die anderen

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