Weinstadt

Jürgen Oswald: Seine Erfolge, seine Fehler

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Oswalddezember
Jürgen Oswald (57) in seinem Büro im Beutelsbacher Rathaus. Vermissen wird er an seinem Amt vor allem die Möglichkeit, stets viele unterschiedliche Menschen zu treffen. Jürgen Oswald (57) in seinem Büro im Beutelsbacher Rathaus. Vermissen wird er an seinem Amt vor allem die Möglichkeit, stets viele unterschiedliche Menschen zu treffen. © Schneider / ZVW.
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Bürgermeisterwahl OB Jürgen Oswald CDU wiedergewählt
So sehen Sieger aus: OB Jürgen Oswald wird 2008 mit 91,64 Prozent der gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Neben ihm steht der damalige Erste Bürgermeister Frank Möller (links). Beste Freunde waren beide nicht unbedingt, die Zusammenarbeit verlief bisweilen zäh. © Gabriel Habermann
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Weinstadt-Endersbach Silcherschule Ich esse zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Oswald, Rektorin Henriette Baumann und Ulrich
Oswald testet 2012 die Mensa der Silcherschule. Der CDUler hat sich bereits im Jahr 2000 beim Thema Ganztagsschule offen gezeigt – als diese für viele in seiner Partei noch Teufelszeug war. © Gabriel Habermann
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waiblingen Kinderstadt remsolino bei der Rundsporthalle. Da kommen diverse Bürger- und Oberbürgermeister, um sich bei den Kids e
Die Kooperation mit den Nachbarn war Oswald wichtig. Unser Bild zeigt den OB in der interkommunalen Kinderstadt Remsolino. © Gabriel Habermann / ZVW.
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Portrait BM Juergen Oswald Weinstadt
Jürgen Oswald im Sommer 2003. © Zürn
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Fischer
2008: Oswald gratuliert dem Wahl-Beutelsbacher Gotthilf Fischer zum 80. Geburtstag. © Steinemann
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Rathaussturm Weinstadt 1
Fasching im Jahr 2004: Jürgen Oswalds Büro wird von Hexen gestürmt. © Steinemann

Weinstadt. Charmant, spitzbübisch, zuweilen aufbrausend: Jürgen Oswald war ein OB mit Temperament. 16 Jahre hatte er das Amt inne, nach drei Jahren als Erster Bürgermeister. Er zapfte geschickt Fördergelder an, galt als Verfechter interkommunaler Zusammenarbeit und hatte eine soziale Ader. Übelgenommen haben ihm aber viele seinen Wegzug aus Weinstadt.

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Der gescheiterte Kauf des Schönbühlareals, die Informationspolitik rund um den umstrittenen Holzturm, seine nicht immer einfache Zusammenarbeit mit dem Baubürgermeister: Die Kritik an Jürgen Oswald ist in den vergangenen Jahren immer lauter geworden. Manche äußerten sich offen, andere nur unter dem Schutzmantel der Vertraulichkeit. Der Oberbürgermeister hat zuletzt einiges einstecken müssen, die unzweifelhaft vorhandenen Verdienste des 57-Jährigen gerieten bisweilen in Vergessenheit. Wäre er im Oktober 2016 noch einmal als OB angetreten, hätte er mit einem Gegenkandidaten und einer Wahlniederlage rechnen müssen. Die Ursache dafür liegt sechs Jahre zurück: Oswald zog damals aus Weinstadt weg, was ihn viel Sympathie kostete. Warum er den Wohnort wechselte, das ist natürlich privat. Trotzdem weicht Jürgen Oswald bei diesem für ihn sehr heiklen Thema im Gespräch mit unserer Zeitung nicht aus. Es ist Donnerstagvormittag, einer seiner letzten Amtstage als OB, er sitzt mit Pressesprecher Jochen Beglau in seinem Büro im Beutelsbacher Rathaus. War der Umzug ein Fehler? „Für mich persönlich war es sicherlich gut“, antwortet Oswald ganz offen. „Man ist auch Mensch.“

„Ich bin ein bekennender Frühaufsteher“

Dass ihm sein Wegzug angekreidet wird, kann Oswald nachvollziehen. Er macht allerdings auch deutlich, dass er nach seinem Dafürhalten weiter für Weinstadt seine Pflicht getan hat. „Die Stadt und ihre Fragestellungen und Probleme beschäftigen Sie oft in der Nacht, egal wo Sie sind.“ Und all jenen, die ihm vorgehalten haben, bei Nachsitzungen des Gemeinderats zuletzt so gut wie gar nicht mehr dabei gewesen zu sein und damit zu einer Verschlechterung des Informationsflusses beigetragen zu haben, denen antwortet Jürgen Oswald mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Mit zunehmenden Jahren brauchst du eine gewisse Regenerationsphase. Eine Sitzung mit vier, fünf Stunden ist anstrengend.“ Außerdem hätten seine Arbeitstage immer schon um 5 Uhr in der Früh begonnen, nämlich von zu Hause aus mit dem Beantworten von Mails. „Ich bin ein bekennender Frühaufsteher.“

Als Jürgen Oswald 1997 zum Ersten Bürgermeister von Weinstadt gewählt wurde, plante er laut eigenem Bekunden noch nicht, irgendwann den damaligen Oberbürgermeister Jürgen Hofer zu beerben. Schließlich war dieser erst Mitte 50 und hätte noch locker eine weitere Amtsperiode dranhängen können. Für Oswald war es damals ein logischer Schritt in seiner bisherigen Karriere im öffentlichen Dienst. 1959 in Albstadt-Ebingen geboren, absolvierte er nach seiner Bundeswehrzeit von 1980 an eine Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst und arbeitete danach unter anderem in Waiblingen und Urbach. Von 1988 bis 1994 leitete Oswald das Hauptamt in Gärtringen, von 94 bis 97 dasselbe Amt in der Stadt Calw. Und dass er sich schließlich nach drei Jahren als Erster Bürgermeister ums Weinstädter OB-Amt bewarb, war laut Oswald keine reine Einkommensfrage. „Es war nicht nur so, dass man auf die Besoldungsgruppe hinarbeitet. Man muss sich wohlfühlen.“

An Schwung hat es Oswald anfangs nicht gemangelt. Er brachte neue Baugebiete auf den Weg, holte viele Fördergelder nach Weinstadt und engagierte sich für mehr interkommunale Zusammenarbeit im Remstal. Er war mit dabei, wenn es darum ging, Bürger einzubinden, unterstützte den Aufbau des Stadtseniorenrats, des Jugendgemeinderats und beteiligte die Menschen an der Stadtentwicklung. Es war Jürgen Oswald, der im Beutelsbacher Rathaus ein zentrales Bürgerbüro einrichtete: transparent, mit viel Glas, eben modern. „Vorher war unten alles zu, die Mitarbeiter sind hinter Holztischen und verschlossenen Türen gesessen.“ Jürgen Oswald war auch kein Mann, der Konflikte scheute. Er schloss in Schnait, Großheppach und Strümpfelbach die Rathäuser, er setzte sein ganzes politisches Gewicht für den Bau eines neuen Hallenbads in Endersbach ein – und musste bei Letzterem auch eine herbe Niederlage verkraften, als eine Bürgerinitiative durch einen Bürgerentscheid den knappen Beschluss des Gemeinderats revidierte. Als Anwohner des Cabrioareals und Bewohner des Otto-Mühlschlegel-Hauses 2015 diffuse Ängste gegen die dort geplante Flüchtlingsunterkunft äußerten, duckte sich Jürgen Oswald nicht weg – und traf den richtigen Ton: Er kanzelte die Menschen nicht ab und warb zugleich darum, eine gute Nachbarschaft mit den Asylbewerbern zu pflegen. Bei sozialen Themen trat Jürgen Oswald allgemein sehr selten ins Fettnäpfchen.

Mit am meisten Freude hat es dem OB bereitet, sich auch für kleine Alltagsprobleme der Menschen Zeit zu nehmen und ihnen, so gut es geht, zu helfen – weil er dafür auch viel zurückbekam. „Das ist die nachhaltigste Dankbarkeit, die man erfährt.“

Zukunftspläne

„Natürlich werde ich meiner Frau nicht die Küche streitig machen“: Jürgen Oswald hat nicht vor, von nun an Hausmann zu sein. „Ich werde einer beruflichen Tätigkeit nachgehen.“ Im neuen Jahr will er das Ganze festzurren, mehr möchte er noch nicht sagen.

In Weinstadt will sich Oswald weiter blicken lassen, sei es bei der Amtseinsetzung seines Nachfolgers Michael Scharmann am Dienstag, 13. Dezember, oder am Samstag, 4. Februar, bei der Lutherweinprobe im Stiftskeller. Schließlich, sagt der 57-Jährige, habe er hier auch lange gewohnt und verbinde viele persönliche Erlebnisse mit der Stadt. Weinstadt nie wieder zu besuchen, das ist für Oswald keine Option. „Das würde bedeuten, dass ich mein halbes Leben ausradiere.“

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