Weinstadt

Kaum Öl und Mehl: Remstalmarkt-Mack-Chef kritisiert unvernünftige Hamsterkäufer

Hamsterkäufe
Rocco Capurso vor dem Speiseöl-Regal im Remstal-Markt Mack. © Gabriel Habermann

In den Regalen, in denen sonst Kochöl und günstiges Mehl zu finden sind, herrscht gähnende Leere. Es sind Bilder, die an die Toilettenpapier- und Nudelhamsterkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie erinnern.

Doch anders als damals fällt auf: Während im Aldi in Endersbach wirklich kein einziges Päckchen Mehl und nur noch Oliven- und Kürbiskernöl zu finden sind, haben der Edeka Reichert und der Remstalmarkt Mack noch einige Produkte in den Regalen stehen.

Beschränkte Abgabemengen beim Öl und Mehl

Besonders beim Mehl ist deutlich zu sehen: Die regionalen Mühlen liefern weiterhin. Beim Edeka Reichert im Kalkofen ist am Montagvormittag nicht nur Dinkel-Vollkornmehl und Spätzles-Mehl erhältlich, sondern auch Weizenmehl in verschiedenen Typen von zwei kleineren, regionalen Herstellern. Nur das besonders günstige Mehl, das aus den großen Industriemühlen kommt, ist ausverkauft.

Über dem Regal hängt allerdings auch bereits ein Schild, das Hamsterkäufe verhindern soll: „Aus aktuellem Anlass möchten wir Sie darüber informieren, dass der Verkauf unserer Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen erfolgen kann“, steht dort zu lesen. „Dies bedeutet eine Flasche Sonnenblumen- oder Rapsöl sowie eine Packung Mehl pro Einkauf.“

Premium-Öl noch nicht ausverkauft, aber teuer

Denn gerade Speise- und Kochöl wird gerade fast noch vehementer gekauft als Mehl. Deshalb steht beim Edeka im Kalkofen zwar noch eine ganze Auswahl besonderer Öle im Regal, das Rapsöl ist jedoch gänzlich ausverkauft. Vom Sonnenblumenöl sind nur noch ein paar Flaschen eines besonders hochwertigen Öls vorhanden: Hier kostet der halbe Liter satte fünf Euro.

Wenn auch im restlichen Supermarkt wie immer volle Regale mit einer geradezu verschwenderischen Auswahl an allen nur erdenklichen Produkten locken: Die Mehl- und Öl-Abteilungen üben gerade jetzt eine fast schon magische Anziehungskraft auf die Supermarkt-Kunden aus. Viele bleiben dort lange stehen: Jetzt doch noch eine Packung Mehl und eine Flasche Öl mitnehmen – oder lieber doch nicht?

Vor dem Markt packt eine Kundin gerade eine Flasche des wertvoll gewordenen Sonnenblumenöls in ihren Fahrradkorb. Sie hat sich schließlich dazu entschlossen, die fünf Euro für den halben Liter Öl zu bezahlen – für die Rentnerin keine leichte Entscheidung. Auch sie fragt sich: Gibt es wirklich zu wenig Kochöl wegen des Kriegs in der Ukraine – oder liegt es vor allem am Einkaufsverhalten der Kunden?

Erst Hamsterkäufe, dann Lieferschwierigkeiten

„Mittlerweile beides“, glaubt Rocco Capurso, der das gleiche Phänomen auch im Remstalmarkt Mack in der Endersbacher Einkaufstraße beobachtet. Zuerst hätten allerdings die Kunden damit begonnen, in großen Mengen Mehl und Öl einzukaufen – dann erst sei es tatsächlich zu Lieferschwierigkeiten gekommen, berichtet der Inhaber des Remstalmarkts. Besonders beim Öl sei es mittlerweile wirklich so, dass dieses nur noch schwierig beim Großhandel zu bekommen sei. Und wenn, dann zu Dumping-Preisen.

Er habe das Gefühl, dass einige Lieferanten jetzt noch versuchen würden, Gewinn aus der Krise zu schlagen: Gerade bekomme er regelmäßig Angebote von Händlern, die ihm den Liter gewöhnliches Sonnenblumenöl für sechs oder sieben Euro aufschwatzen wollten, berichtet Capurso. „Da machen wir nicht mit.“

Dynamik der Hamsterkäufe ist kaum zu stoppen

Es tue ihm zwar leid, als Dienstleister den Kunden nicht immer die volle Palette Produkte anbieten zu können, so der Supermarkt-Inhaber. Aber auf die seltsame Dynamik, die die Hamsterkäufe wieder in kürzester Zeit entwickelt hätten, hätten er und die Marktmitarbeiter leider nur wenig Einfluss.

Auch im Mack versuche man, die Einkaufsmengen bei Öl und Mehl auf zwei Einheiten je Haushalt zu beschränken. Auch hier sind deswegen Zettel am Regal angebracht. „Da erleben Sie dann Menschen, die fünfmal reinkommen und jedes Mal zwei Flaschen Öl mitnehmen“, erzählt er.

Landen die gehamsterten Lebensmittel am Ende auf dem Müll?

Er glaubt auch, dass viele Kunden, die eigentlich nur eine Flasche Öl kaufen wollten, jetzt lieber zwei mitnehmen – weil es die größte erlaubte Menge ist. „Das ist bar jeder Vernunft“, findet Rocco Capurso. „Das können wir uns nicht erklären.“ Beim Mehl könne er die Hamsterkäufe ja noch eher nachvollziehen. „Aber was macht jemand mit zehn Flaschen Speiseöl?“

Der Remstalmarkt-Betreiber befürchtet, dass viele jetzt gebunkerte Lebensmittel früher oder später wohl einfach entsorgt werden müssen. „Die Ware wird auch nicht besser, wenn sie lagert.“

Neue Lieferungen sofort ausverkauft

Nach dem Ansturm aufs Toilettenpapier sei es außerdem so gewesen, dass danach wochenlang kaum noch Bedarf daran bestanden habe – die Mitarbeiter in den Papierfabriken hätten sogar in Kurzarbeit gehen müssen, erzählt Capurso.

Er kann sich vorstellen, dass ein ähnlicher Einbruch auch beim Speiseöl folgen könnte. Bis dahin versuche er, das Angebot im Markt so gut es geht mit regionalen Marken aufrechtzuerhalten. Auch, wenn jede neue Lieferung innerhalb von einer halben Stunde oder Stunde sofort wieder aus dem Regal verschwunden sei.

In den Regalen, in denen sonst Kochöl und günstiges Mehl zu finden sind, herrscht gähnende Leere. Es sind Bilder, die an die Toilettenpapier- und Nudelhamsterkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie erinnern.

Doch anders als damals fällt auf: Während im Aldi in Endersbach wirklich kein einziges Päckchen Mehl und nur noch Oliven- und Kürbiskernöl zu finden sind, haben der Edeka Reichert und der Remstalmarkt Mack noch einige Produkte in den Regalen stehen.

Beschränkte Abgabemengen

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