Kelterfest mit viel Musik
Weinstadt-Strümpfelbach. Das Kelterfest des Musikvereins „Frisch Auf“ ist eine Institution. In der Kelter, an langen Holztafeln in der Weinschenke und sogar bei Sonnenschein im Freien ließ sich mit Freunden ein guter Tropfen genießen, umgeben von leuchtenden Weinbergen und zünftiger wie auch modern aufspielender Blasmusik.
„An beiden Abenden tanzten die Gäste auf den Bänken“, sagt Valerie Clemenz, die Presseverantwortliche des Vereins. Super Stimmung herrscht bis in die späten Abendstunden. Am Freitagabend führt zudem der Lichterschein aus über 100 Laternen der Kinder die Jahreszeit vor Augen. 35 aktive Musiker der Jugendkapelle begleiten den feierlichen Einzug der Lampionträger. Ralf Huber, der Leiter der Jugendkapelle, las im Wechsel mit bekannten Laternenliedern eine Geschichte vor, bevor sich alles bei der Kelter versammelte.
Aus „Atemlos“ und Robbie Williams wird Blasmusik
Unter dem hohen Kelterdach spielt die Musik: Befreundete Gastkapellen aus Böhmenkirch und Emerkingen machen Stimmung auf der speziellen Bühnenkonstruktion, die zwischen Weintanks, Förderband und Gerätschaften errichtet, den Charakter des Weinfests optisch unterstreicht. „Sie verfügt über ein eigenes Notenpult, weil wir immer wieder von Sängern unterstützt werden“, weist Valerie Clemenz auf die Spezialanfertigung hin. Die Sänger Daniela Mahn, Jonas Fleck, Sven Neudörfer und Dirigent Thomas Kämmer-Mannschreck haben schon am ersten Abend stimmlich zu tun und dürfen am Samstagabend erneut an die Mikrofone, wo sie fulminant die stimmungsmusikalischen Blasmusik-Arrangements unterstützen, von „Atemlos“ bis „Let me entertain you“. Durch ein weiteres Konstruktions-„Wunder“ betritt der Gast den eher ruhigen Hort der Weinseligkeit: Die „Weinschenke“ mit holzvertäfelten Wänden ist ebenfalls ein Eigenbau des Vereins. Hier werden zu Pizza und Käsewürfeln gehobene Tropfen im Stielglas geschwenkt.
"Das Flair ist einmalig"
Zu den Stammgästen des Kelterfests gehört seit Jahren ein Lotto-Club aus der Nähe von Reutlingen, der auch dieses Jahr wieder Wein und Musik genießt. Die Tage rund um die Kelter in Strümpfelbach sind beliebt im ganzen Remstal. „Das Flair ist einmalig, es ist nicht vergleichbar mit einem Zeltfest oder einer Halle“, sagt Valerie Clemenz. Die aktuell diskutierte Zukunft der Kelter verfolge der Verein daher mit Sorge. „Es ist eine Ungewissheit da, wie es mit dem Fest einmal weitergeht.“
Gemeinschaftsleistung vieler privater Helfer
Das Fest stemmen über 100 Helfer des Vereins in Eigenregie. Legendär das Küchenteam, das für den Kartoffelsalat morgens um sechs Uhr aufsteht und sich für eine Speisekarte „abseits des Üblichen“ einsetzt: Es gibt Flammkuchen und Kürbissuppe. Am Sonntag duftet die ganze Kelter nach geschmelzten Zwiebeln, wenn sich vor dem Rostbraten-Stand eine „ellenlange Schlange“ bildet. Alle Kuchen sind Spenden von MV-Mitgliedern, die an beiden Nachmittagen im Feuerwehr-Heim auch ein Café einrichten und selbst bewirten.
Alleine mit dem Aufbau ist der Verein über eine Woche beschäftigt. Wobei der Bühnenaufbau in der Kelter nicht einmal dazuzählt, da die Bühne bereits im Frühjahr aufgebaut wurde, als die Weinfreunde ihr Blütenfest feierten. Das Kelterfest ist seit jeher eine Gemeinschaftsleistung vieler privater Helfer in Strümpfelbach. Neben der Feuerwehr wirken die evangelische Kirchengemeinde mit Posaunenchor und CVJM-Chor mit sowie viele freiwillige Helfer aus anderen Vereinen und Privatleuten.
Kein Kelter-Betrieb in diesem Jahr
Die Strümpfelbacher Wengerter können ihre Trauben bisher in neun Keltern abliefern. Dieses Jahr bringen sie ihre Ernte nach Endersbach und Schnait. Claus Mannschreck, Vorstand Repräsentation des Musikvereins Frisch Auf, erklärt die Entscheidung mit der Hauptrebsorte Trollinger, die unter dem Frost im April sehr gelitten habe. Der Aufwand, die Kelter zu betreiben, ohne sie voll auszulasten, rentiere sich wirtschaftlich nicht. „Die Remstalkellerei hat in Verbindung mit den neun örtlichen Weingärtnergenossenschaften beschlossen, vier Keltern dieses Jahr zu schließen“, so Mannschreck. Von der Schließung betroffen sind die Keltern in Großheppach, Kleinheppach, Strümpfelbach und Winnenden.
Grundsätzlich gehe die Tendenz in Richtung Zentralkelter. „Wir sind eine der letzten Zusammenschlüsse von Genossenschaften in Baden-Württemberg, die nicht mit einer zentralen Erfassung arbeiten.“ Um die Einheiten größer zu machen, werde über eine Zentralkelter zwischen Endersbach-Beutelsbach nachgedacht.
