Weinstadt

Kindergärten in Weinstadt: Gudrun Küver hilft seit 25 Jahren Kindern beim Deutschlernen

Gudrun Küver Sprachförderung
Gudrun Küver (61) in ihrem Unterrichtsraum im Kindergarten Schulstraße. © Carina Rother/Stadt Weinstadt

Bei vielen Kindern, die in den Kindergarten kommen, stellen die Erzieher schnell fest, dass sie sich noch nicht so richtig ausdrücken können: Es mangelt am Wortschatz, der Grammatik oder schlicht an der Fähigkeit, überhaupt kommunizieren zu können.

Gudrun Küver weiß aus 25-jähriger Erfahrung: Das betrifft mittlerweile längst nicht mehr nur Kinder mit Migrationshintergrund. Die Sprachförderung im Kindergarten begann in Weinstadt in den 90ern als reines Ehrenamt – mittlerweile sind zehn der insgesamt 16 Sprachförderkräfte fest bei der Stadt angestellt.

Ehrenamtliche dringend gesucht

Die Sprachförderkräfte kümmern sich um 18 der insgesamt 19 Kindertageseinrichtungen und Kindergärten in Weinstadt. Mit dabei sind nicht nur die städtischen Einrichtungen, sondern auch freie Träger.

Lediglich der Kindergarten der Großheppacher Schwesternschaft verfolge bei sich in der Einrichtung einen eigenen Ansatz, erklärt Gudrun Küver. Allerdings fehlen im Kinderhaus Irisweg in Endersbach und beim Kindergarten Arche Noah in Schnait gerade Sprachförderkräfte – hier sucht Weinstadt dringend nach zwei ehrenamtlichen Kräften.

Coron und Lockdown wirken sich bei den Kindern sehr verschieden aus

Corona hat dem Weinstädter Team die Arbeit indes nicht leichter gemacht. Bei einigen Kindern habe man nach der Schließzeit Rückschritte bemerkt, erzählt Gudrun Klüver. Anderen Kindern habe der Lockdown dagegen regelrecht gutgetan in ihrer sprachlichen Entwicklung: wohl, weil die Eltern mehr zu Hause waren und viel Zeit mit ihnen verbracht haben, vermutet die Weinstädterin.

Die 61-Jährige kommt aus Schnait und ist 1996 eigentlich eher durch Zufall in der Sprachförderung gelandet: Nach der Geburt ihrer beiden Kinder habe sie in ihrem Beruf längere Zeit pausiert, erzählt die gelernte Technische Zeichnerin im Pressegespräch. Im Kindergarten ihrer Tochter sei sie zum ersten Mal mit der Sprachförderung – damals noch Sprachhilfe genannt – in Berührung gekommen.

Sprachförderung entstand für Gastarbeiterkinder

Als die Tochter eingeschult worden sei, habe sie sich kurzerhand dafür entschieden, das selbst einmal auszuprobieren. Das war und ist nach wie vor als Ehrenamt auch ohne eine Ausbildung zur Erzieherin möglich – Gudrun Küver musste sich jedoch anderweitig bilden und bildet sich bis heute nach eigenen Angaben immer wieder fort – auch wenn sie mittlerweile längst selbst Mentorin ist und Kurse gibt. Seit 2016 ist sie bei der Stadt Weinstadt als Teilzeitkraft fest angestellt.

Die Sprachförderung in Weinstadt wird nach dem sogenannten Denkendorfer Modell durchgeführt. Dieser Verband von Arbeitsgemeinschaften wurde Ende der 70er Jahre von der Evangelischen Landeskirche ins Leben gerufen. Ziel sei es damals gewesen, den Kindern von Gastarbeitern beim Deutschlernen unter die Arme zu greifen, erzählt Gudrun Küver, die seit über zehn Jahren auch im Leitungskreis des Verbandes mitwirkt. Damals organisierten sich die Sprachhilfen im Denkendorfer Kloster und hielten dort auch ihre ersten Fortbildungen ab.

Kinder können sich immer schlechter ausdrücken

Ganz zu Anfang sei die Evangelische Landeskirche wohl noch davon ausgegangen, dass an den Kindergärten und Schulen nur vorübergehend Bedarf bei der Sprachförderung bestehen würde, so die 61-Jährige. Doch viele der Gastarbeiter blieben mit ihren Familien für immer in Deutschland. Und immer neue Menschen kommen nach.

24 von ihren insgesamt 25 Dienstjahren hat Gudrun Klüver im städtischen Kindergarten in der Schulstraße in Endersbach verbracht. Während dieser Zeit hat sie einige Veränderungen bei ihren Schützlingen festgestellt. Die Kinder im Kindergartenalter tun sich ihrer Beobachtung nach immer schwerer mit der Kommunikation. Gerade bei den Kindern ohne Migrationshintergrund falle das auf. „Es gibt mehr Defizite als früher“, sagt Küver.

Hoher Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund

Im Moment betreut sie in der Schulstraße 32 über Dreijährige aus insgesamt 13 Nationen, bei denen die Erzieherinnen einen besonderen Sprachförderungsbedarf festgestellt haben. Der Kindergarten ist dreigruppig, ungefähr 70 bis 75 Kinder werden dort zurzeit betreut. Gudrun Klüver schätzt, dass inzwischen etwa 40 bis 50 Prozent der Kinder in der Schulstraße einen Migrationshintergrund haben. Viele Familien seien in den vergangenen Jahren hierhergezogen.

Bei ihren Schützlingen sind jedoch auch drei deutsche Kinder dabei, die trotzdem in ihrer sprachlichen Entwicklung etwas langsamer sind als ihre Altersgenossen. Die 61-Jährige weiß aus Erfahrung aber auch: In anderen Kindergärten in Weinstadt sind fast nur Kinder ohne Migrationshintergrund in der Sprachförderung. Das variiere eben.

Interkulturelle Förderung in der Kleingruppe

Mit „ihren“ Kindern arbeitet Gudrun Küver am liebsten in kleinen Gruppen. Mehr als vier Kinder seien es selten gleichzeitig. Das schaffe Vertrauen, sie kann so auf jedes Kind einzeln eingehen, die Kinder könnten sich auch besser konzentrieren in der Kleingruppe.

Die 61-Jährige spielt und singt viel mit den Kindern, liest aus Bilderbüchern vor, sagt mit den Kindern Reime auf. Auch die Verknüpfung von Sprache und Bewegung spiele eine große Rolle. „Es ist kein pauschales Sprachförderprogramm und kein starres“, stellt die Schnaiterin klar. Jedes Kind habe eben bestimmte Stärken und Schwächen. „Wir sind auch sehr stark interkulturell ausgerichtet“, sagt Küver. So lege sie viel Wert darauf, den Kindern zu vermitteln, dass es etwas Tolles ist, mehr als nur eine Sprache zu sprechen.

Die Eltern müssen der Sprachförderung natürlich zustimmen. Hier habe sie aber durch die Bank positive Erfahrungen gemacht, berichtet die 61-Jährige. Alle Eltern wollen ihren Kindern einen möglichst guten Start in die Schule ermöglichen. „Sie fragen mich oft, was sie selbst tun können.“ Ihr Rat: möglichst viel mit den Kindern spielen, viel vorlesen – egal, ob auf Deutsch oder nicht.

Bei vielen Kindern, die in den Kindergarten kommen, stellen die Erzieher schnell fest, dass sie sich noch nicht so richtig ausdrücken können: Es mangelt am Wortschatz, der Grammatik oder schlicht an der Fähigkeit, überhaupt kommunizieren zu können.

Gudrun Küver weiß aus 25-jähriger Erfahrung: Das betrifft mittlerweile längst nicht mehr nur Kinder mit Migrationshintergrund. Die Sprachförderung im Kindergarten begann in Weinstadt in den 90ern als reines Ehrenamt – mittlerweile sind zehn

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper