Weinstadt

Mammutbaum wird zum Kunstwerk

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Mammut Schloss, Günter Gesing und seine Frau Der Mammutbaum im Garten des Rechtsanwalts Günter Gesing_0
Clementine von Gaisberg vor dem eingekürzten Mammutbaum, der nun in dieser Form im Schlossgarten bleiben soll. Sie verwaltet die Charlotte-von-Gaisberg-Stiftung, der das Großheppacher Schloss und der Garten gehören. © Danny Galm
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Mammut Schloss, Günter Gesing und seine Frau Der Mammutbaum im Garten des Rechtsanwalts Günter Gesing_1
Clementine von Gaisberg vor dem eingekürzten Mammutbaum, der nun in dieser Form im Schlossgarten bleiben soll. Sie verwaltet die Charlotte-von-Gaisberg-Stiftung, der das Großheppacher Schloss und der Garten gehören. © Palmizi / ZVW
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Schloss
Der abgestorbene Mammutbaum bietet nicht nur Vögeln eine Heimat, sondern auch Käfern, Bakterien und Pilzen. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Großheppach. Unser Aufruf war letztlich vergebens: Kein Leser wollte das Holz der mehr als 150 Jahre alten Wellingtonie aus dem Großheppacher Schlossgarten. So haben die Eigentümer kurzerhand entschieden, dem abgestorbenen Mammutbaum noch eine Chance zu geben. Fast astlos bleibt der Stamm nun vorerst stehen – und bietet damit Tieren weiterhin eine Heimat.

Für Günter Gesing ist der Mammutbaum jetzt ein Obelisk. Wie die monolithischen Steinpfeiler aus dem alten Ägypten ragt der 33 Meter hohe Stamm in den Himmel empor, gekrönt von einer mit Ästen bewachsenen Spitze. Sonst aber sind alle anderen Äste eingekürzt worden, aus Sicherheitsgründen, wie der Ehemann von Clementine von Gaisberg betont.

Eichen, Linden, Ahornbäume und Eschen

Seine Frau verwaltet die Charlotte-von-Gaisberg-Stiftung, der das Großheppacher Schloss und der dazugehörige Garten gehören. 20 000 Quadratmeter ist das Areal groß, im Garten stehen viele mächtige Eichen, Linden, Ahornbäume und Eschen. Und eben die Wellingtonie, die 2015 abgestorben ist, mehr als 150 Jahre, nachdem sie gepflanzt wurde.

Vor einem Jahr versuchten Günter Gesing und Clementine von Gaisberg, durch einen Aufruf in unserer Zeitung jemanden zu finden, der das Holz des Baumes brauchen kann. Einzige Bedingung: Derjenige sollte auch den Baum selbst fällen respektive fällen lassen und das Holz abtransportieren.

Zwei Firmen meldeten sich daraufhin, winkten dann aber wieder ab. Aus Wellingtonien, das weiß Günter Gesing nun, lassen sich eben keine wirklich schönen Möbel machen. „Die haben keinen Wert.“

Ein idealer Nährboden für junge Bäume

Nun profitieren freilich die Vögel und Insekten. Denn der abgestorbene Mammutbaum bietet ihnen ein ideales Refugium. Gerade stehendes Totholz gilt unter Fachleuten als ökologisch besonders wertvoll, zumal es selten vorkommt. Als unsere Zeitung jüngst im Großheppacher Schlossgarten war, konnte uns Günter Gesing zum Beispiel mehrere Baumläufer zeigen.

Die Sperlingsvögel bewegen sich an Stämmen aufwärts auf der Jagd nach Nahrung, die sie zwischen den Rindenspalten suchen. Auch Spechte hat Günter Gesing schon entdeckt. Und Säugetiere zieht es ebenfalls auf das Anwesen.

„Wir haben schon Spuren von Rehen und Füchsen und Hasen gesehen“, sagt Günter Gesing. Eigentlich wundert ihn das, schließlich ist der Schlossgarten umzäunt. Bakterien, Käfern und Baumpilzen bietet das Wellingtonien-Totholz ebenfalls Nahrung, sie zersetzen es über Jahre hinweg. Und der Humus, der sich dabei bildet, ist wieder ein idealer Nährboden für junge Bäume.

„Wir wissen auch nicht, warum er vertrocknet ist“

Bei aller Liebe für die Natur legt das Paar natürlich auch Wert auf die Sicherheit im Schlossgarten. „Wir lassen die Bäume jedes Jahr kontrollieren“, betont Clementine von Gaisberg.

Wenn sie und ihr Mann einen neuen Baum pflanzen, dann achten sie laut eigenem Bekunden auch stets darauf, ob dieser am gewählten Platz genug Raum für sein Wurzelwerk hat. Er soll ja weder benachbarte Gebäude beeinträchtigen noch bestehenden Bäumen im Weg sein.

Zwei neue Wellingtonien haben Clementine von Gaisberg und ihr Mann übrigens ebenfalls schon gepflanzt. Warum ihr mehr als 150 Jahre alter Mammutbaum abgestorben ist, fragen sie sich bis heute. „Wir wissen auch nicht, warum er vertrocknet ist.“

Ein ganzes Pfund Mammutsamen

Dass es im Gaisberg’schen Garten überhaupt eine so mächtige Wellingtonie gibt, ist den dürftigen Englischkenntnissen von Wilhelm I. zu verdanken, der von 1816 bis 1864 in Württemberg regierte. Als er 1863 Mammutbaumsamen in Amerika bestellte, wollte er ein Lot, was in etwa 15 Gramm entspricht.

Das, sagt Günter Gesing, sei allerdings von den Amerikanern falsch verstanden worden, denn auf Englisch heißt „a lot of“ nichts anderes als „eine große Menge“. So erhielt der Monarch ein ganzes Pfund Mammutsamen, das für die Anpflanzung von 10 000 Bäumen reichte.

Und jeder, der damals was auf sich hielt, kaufte sich einen Sämling. Therese von Abel hieß die Frau, die damals die Großheppacher Wellingtonie erwarb. Ob er ihr nur als Statussymbol wichtig war oder doch als Erinnerung an König Wilhelm I., ihre erste große Liebe, bleibt offen.