Weinstadt

Maschinenbau in Weinstadt: Müko muss neue Märkte erschließen

25 Jahre Müko
Die beiden Chefs Siegmar Koblitz (links) und Uwe Müller (Mitte) in der Fertigungshalle des Sondermaschinenbauers Müko. © Benjamin Büttner

In den 1990er Jahren tüftelten Uwe Müller und Siegmar Koblitz noch im privaten Keller an ihren Maschinen. In den vergangenen 25 Jahren ist aus ihrem gemeinsamen Maschinenbauunternehmen „Müko“ eine Firmengruppe mit mehr als 200 Mitarbeitern und Außenposten in China und den USA geworden. Die zwei Schwaben sprechen über die Bedeutung des Verbrenner-Motors für Müko und darüber, wie sich ihr Masken-Start-up „Protexme“ entwickelt hat. Und sie berichten von flexiblen Lösungen in Corona-Zeiten.

Denn diese waren gefragt, als im Frühjahr 2020 der Ausnahmezustand eingetreten war. Das führte so weit, dass der Weinstädter Maschinenbauer plötzlich in seinen Hallen Getriebedichtungen für einen Automobilzulieferer in Übersee produzierte.

Eine Maschine in die USA konnte nicht ausgeliefert werden

Geschäftsführer Uwe Müller (56) erzählt: „Wir hatten eine fertige Maschine für einen Kunden in den USA, aber unsere Leute durften wir wegen der Einreisebestimmungen nicht schicken.“ Die Maschine konnte also nicht geliefert und aufgebaut werden.

„Da haben wir dem Kunden angeboten: Du kannst die Anlage hier stehen lassen, drei Monate oder sechs, bis die Situation sich entschärft. Wir produzieren hier in deinem Namen für dich, du kümmerst dich um die Material-Logistik.“

Siegmar Koblitz ergänzt: „Die Anlage war bei uns 2019 bestellt worden. Da hat noch niemand an Corona gedacht.“ Letztlich räumte Müko um, der US-Betrieb stellte deutsches Personal ab – und die Dichtungen wurden eben in Deutschland montiert. Als die Anlage vier, fünf Monate später in die USA verfrachtet wurde, hatte sie sich schon im Einsatz bewährt.

Erst im Privatkeller, dann in einer 80-Quadratmeter-Garage

Flexibilität, diese Tugend betonen die beiden Geschäftsführer im Gespräch immer wieder. Bei Müko entstehen Sondermaschinen – von der Idee bis zur Abnahmeprüfung. Stückzahl, in aller Regel: eins.

In diesem Jahr feiert Müko 25-Jahr-Jubiläum. Die beiden Geschäftsführer haben sich einst als Angestellte in einem anderen Unternehmen kennengelernt. 1993 dann machte sich Siegmar Koblitz mit seinem Konstruktionsbüro selbstständig. Er stellte fest: Immer mehr Kunden wünschen sich eine Dienstleistung über die Baupläne hinaus. „Könnt ihr die Vorrichtungen nicht gleich fertig bauen?“, fragten sie. Also wurde am Wochenende und abends „ein bisschen geschraubt“. In Koblitz’ Keller. Ex-Kollege Uwe Müller half mit.

Koblitz erinnert sich: „Nachdem das dann mehr wurde, hat der Uwe seinen Job 1996 auch an den Nagel gehängt und wir haben die GmbH gegründet. Ein kleines, überschaubares Unternehmen.“

Die beiden stellten erste Mitarbeiter ein, mieteten eine 80 Quadratmeter große Garage in Bittenfeld, die bald zu klein wurde, wuchsen weiter, zogen um ins Waiblinger Eisental und landeten schließlich, als auch dort der Raum zu knapp geworden war, im Gewerbegebiet in Beutelsbach. 2007 bezogen sie das Gebäude Heinkelstraße 46. Es war perfekt für ihre Zwecke geeignet, doch wurde ebenfalls bald zu klein. Nach der Weltwirtschaftskrise erlebte Müko einen Boom. 2016 folgte der Neubau in der Heinkelstraße 9.

Zwischenzeitlich beschäftigt Müko in Weinstadt rund 170 Mitarbeiter. In China, wo Müko seit zehn Jahren aktiv ist, sind es weitere 30. Eine weitere Handvoll kommt im Außenposten USA dazu, den es seit circa vier Jahren gibt. Aus dem „kleinen, überschaubaren Unternehmen“ ist eine internationale Firma mit mehr als 200 Mitarbeitern geworden. Doch kann das so bleiben?

Die Krise? „Das hatte mit Corona gar nichts zu tun“

Der größte Abnehmer der Sondermaschinen aus Weinstadt ist die Automobilbranche. Der Umbruch, der sich bei den Autobauern vollzieht, geht auch an Müko nicht spurlos vorbei. In vergangenen Zeiten erreichte Müko allein 30 Prozent des Jahresumsatzes mit den Kapazitätserweiterungen der Autobauer. Doch zuletzt sind die Stückzahlen nicht mehr gestiegen. Das liegt laut Uwe Müller am Wandel vom Verbrennermotor hin zur Elektromobilität.

Siegmar Koblitz sagt: „Diese Krise auf unsere Branche bezogen wird ja gerne auf Corona zentriert betrachtet. Die Realität ist definitiv diese: Wir haben schon 2018, 2019 gemerkt, dass deutlich verhaltener agiert wurde am Markt. Das hatte mit Corona gar nichts zu tun.“

Das Ziel: Weniger Abhängigkeit von der Automobilbranche

Die Abhängigkeit der Weinstädter von den Autobauern beziehungsweise ihren Zulieferern ist noch zu groß – sie machen rund 90 Prozent der Aufträge von Müko aus. In fünf Jahren sollen es nur noch 50 Prozent sein, sagt Siegmar Koblitz. Denn natürlich bräuchten auch E-Autos Kühlsysteme, Türverkleidungen und andere Teile, die auf Müko-Maschinen produziert werden können. Der kleinteilige Antriebsstrang von Zylinderkopfhaube bis Abgassystem fällt aber weg.

Laut Uwe Müller haben sich die Unternehmer schon vor vielen Jahren darüber Gedanken gemacht, wie sich ihre Firma entwickeln muss. „Wenn wir jetzt erst beginnen würden, uns Gedanken zu machen, wären wir zu spät dran. Wir haben gemeinsam mit unseren Kunden ganz, ganz früh Projekte gehabt für die E-Mobilität.“ Sein Partner ergänzt: „Der erste Elektro-3er von BMW, der i3, da sind Bauteile drin, die auf unseren Anlagen konstruiert worden sind.“

Die Weinstädter wollen der Auto-Branche also nicht ganz den Rücken kehren, müssen aber neue Märkte erschließen. „Es gibt viele Produkte, die aus mehreren Teilen bestehen: in der Spielzeugindustrie, bei der weißen Ware, etc. Man muss nur aktiv ran“, sagt Siegmar Koblitz.

Das Masken-Start-Up "Protexme" - eine strategische Entscheidung

Als die Müko-Gruppe im vergangenen Jahr mitten in der Corona-Strategie ein Start-up für medizinische Masken gründete, war auch das eine strategische Entscheidung. Ein Fuß in der Tür des Medizinmarkts kann nicht schaden bei der Akquise neuer Kunden.

Doch auch bei den Masken selbst hat sich etwas getan: Mittlerweile beliefert „Protexme“, so nennt sich die Firma, laut Uwe Müller unter anderem die Rems-Murr-Kliniken und mehrere Apotheken im Kreis: „Da werden Schutzmasken auch nach Corona noch gebraucht.“

Apropos Corona. Dem Ende dieser Krise fiebern die beiden Müko-Chefs entgegen. Damit im Betrieb das Zwischenmenschliche nicht mehr zu kurz kommt. Denn zum zweiten Mal musste das traditionelle Sommerfest abgesagt werden. Das 25-Jahr-Jubiläum wird mit einer Geschenkbox begangen.

Uwe Müller sagt: „Der private und emotionale Austausch ist auf der Strecke geblieben.“ Wenn die Pandemie vorüber ist, soll sich das unbedingt wieder ändern. Aus dem Zwei-Mann-Betrieb im Keller sei zwar eine große Firma geworden, sagt Siegmar Koblitz: „Aber wir sind mental immer noch ein Familienbetrieb.“

In den 1990er Jahren tüftelten Uwe Müller und Siegmar Koblitz noch im privaten Keller an ihren Maschinen. In den vergangenen 25 Jahren ist aus ihrem gemeinsamen Maschinenbauunternehmen „Müko“ eine Firmengruppe mit mehr als 200 Mitarbeitern und Außenposten in China und den USA geworden. Die zwei Schwaben sprechen über die Bedeutung des Verbrenner-Motors für Müko und darüber, wie sich ihr Masken-Start-up „Protexme“ entwickelt hat. Und sie berichten von flexiblen Lösungen in

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