Weinstadt

Metzger Wahl muss aufhören

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„Da wird dir nichts geschenkt als Metzger“: Friedrich Wahl (57) hat sein Handwerk 43 Jahre ausgeübt – und er hat es gern gemacht. © Habermann / ZVW
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In der Wurstküche, irgendwann in den 80er Jahren (von links): Erstgeselle Horst Hoffmann, Heiner Wurm (seit Jahrzehnten im Betrieb), der mit nur 64 Jahren verstorbene Friedrich Wahl senior und sein Sohn Friedrich Wahl. © Privatarchiv Wahl
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Von links: Frau Wilhelm (Mitarbeiterin), Friedrich Wahl, seine Tante Anneliese Reinwald, Mitarbeiterin Rosemarie Wetter, Friedrich Wahl senior und dessen Ehefrau Helga Wahl im Jahr 1976 vor dem Strümpfelbacher Rathaus neben ihrem ersten Verkaufswagen. © Privatarchiv Wahl
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Schweine hat die Metzgerei Wahl bis vor rund fünf Jahren noch selbst geschlachtet. © Privatarchiv Wahl

Weinstadt-Strümpfelbach. „Es geht einfach nicht mehr“: Friedrich Wahl wird seine Metzgerei verkaufen – und zwar aus Rücksicht auf seine Gesundheit. Der 57-Jährige ist zu 70 Prozent erwerbsunfähig. Damit endet eine 150-jährige Tradition, schließlich war der Strümpfelbacher Betrieb seit fünf Generationen in der Hand der Familie. Wahl plant nun, sich ein neues Leben an der Ostsee aufzubauen.

„Ich bin Friedrich, der Fünfte“, sagt Friedrich Wahl und lacht. Sein Vater hieß Friedrich, eines seiner vier Kinder trägt diesen Namen – und auch der Gründer der Strümpfelbacher Traditionsmetzgerei war selbstverständlich ein Friedrich. 1867 stellte dieser im Oberamt Waiblingen einen Antrag auf Schankerlaubnis für die Gaststätte Rose – der erste urkundliche Nachweis der Metzgerei.

150 Jahre später beendet sein Nachfahre in fünfter Generation nun die Tradition. Leicht fällt dem 57-Jährigen das nicht – aber es geht nicht mehr anders. Der Körper macht nicht mehr mit. Friedrich Wahl ist gesundheitlich angeschlagen, ihm ist oft schwindlig, die Ärzte stufen ihn als 70 Prozent erwerbsunfähig sein. Er möchte deshalb den Betrieb nur noch bis zum Jahreswechsel führen. Die Metzgerei will er verkaufen, damit er mit seiner Frau an der Ostsee ein neues Leben beginnen kann. Wegen des frischen Fisches zieht er allerdings nicht hin („Fleisch ohne Knochen ist mir das Liebste“), eher schon wegen der guten Luft und der Natur.

Betrieb vor 25 Jahren übernommen

Als Friedrich Wahl im Januar 1978 seine Metzgerlehre mit 1,1 als Jahrgangsbester abschloss, sah die Welt noch anders aus. Es gab noch nicht so viele Auflagen von Behörden, die es kleinen Metzgern immer schwerer machen, noch selbst zu schlachten.

Friedrich Wahl arbeitete immer nur im elterlichen Betrieb mit, vor 25 Jahren übernahm er ihn schließlich mit seiner Ehefrau Nicole. 13 Mitarbeiter haben sie derzeit, auch einen Partyservice haben die Wahls aufgebaut – wobei Friedrich Wahl das Angebot aus gesundheitlichen Gründen längst eingeschränkt hat.

Friedrich Wahl fällt es nicht leicht, zum Jahreswechsel das Metzgerhandwerk endgültig an den Haken zu hängen – aber es geht nicht anders. „Ich kann nicht mal mehr freihändig laufen.“


 

Erinnerungen

Friedrich Wahls Großvater hat die Schlachtabfälle noch im Bach vor der Haustür entsorgt – was besonders bei den Ratten ankam. „Die haben gut gelebt“, sagt Friedrich Wahl.

Bei der zweiten Süddeutschen Grillmeisterschaft hat Friedrich Wahl 2005 mit dem Team „Qualivo-Grillers“ den ersten Rang erzielt. Die Urkunde von der „European Barbecue Association“ hat der 57-Jährige natürlich aufgehoben.

Friedrich Wahl musste früh hart arbeiten und hatte im Sommer entsprechend weniger Zeit als seine Freunde, die noch zur Schule gingen. „Meine Kumpels sind alle sechs Wochen im Freibad gewesen.“