Weinstadt

Michael Scharmann soll besser motivieren

1/3
OB-Wah
Die Hoffnung in Weinstadt ist groß, dass Michael Scharmann als OB zu Baubürgermeister Thomas Deißler (links) ein besseres Verhältnis pflegen wird als sein Vorgänger Jürgen Oswald. © Büttner / ZVW
2/3
OB-Wah
Glücksmoment: Wahlsieger Michael Scharmann mit Ehefrau Heike Scharmann und Sohn Max. © Büttner / ZVW
3/3
OB-Wah
Alexander Bauer schnitt schlechter ab als gedacht. © Büttner / ZVW

Weinstadt. Sie wollen einen OB, der seine Mitarbeiter wieder mitreißt. Der Themen anpackt, statt sie auszusitzen. Und der die Bürger und den Gemeinderat besser einbindet. Das und mehr wünschen sich Vertreter der Fraktionen vom neuen Stadtoberhaupt Michael Scharmann.

In Sachen Sparsamkeit fordert GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger vom künftigen OB mehr Taten – denn die hat er bei Amtsinhaber Jürgen Oswald vermisst. Ein Appell bei der jährlichen Haushaltsrede allein ist ihm zu wenig. „Da erwarte ich schon mehr Konsequenz, als es bislang bei der Stadtverwaltung gehandhabt wurde.“ Allgemein hofft Siglinger, dass es dem neuen Stadtchef gelingt, dem Amt wieder mehr Ansehen zu verleihen – und die Bürger wie den Gemeinderat besser einzubeziehen. Dabei ist ihm klar, dass Scharmann in Sachen Stadtverwaltung vor einer Mammutaufgabe steht, gerade auch mit Blick auf mögliche Optimierungspotenziale. Wichtig ist es für Siglinger, dass der neue OB die Beschäftigten motiviert – und auch kritische Einwände aushält. „Es kommt darauf an, dass er die Mitarbeiter ernst nimmt.“

Siglinger ist indes wie die Vertreter der anderen drei Fraktionen positiv gestimmt, dass mit Scharmann manches in Weinstadt besser wird. CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger hofft, dass Scharmann in der Lage ist, die Verwaltung zu einem guten Miteinander zu motivieren. „Ich wünsche ihm eine gute Zusammenarbeit mit dem Ersten Bürgermeister“, betont Witzlinger. Nicht ohne Grund: Es ist ein offenes Geheimnis, dass OB Oswald ein angespanntes Verhältnis zu Baubürgermeister Thomas Deißler hat. Wie Siglinger hofft Witzlinger auch, dass der neue OB ein offeneres Ohr für den Gemeinderat hat. Gleichzeitig ist es Witzlinger wichtig, dass Scharmann zu unpopulären Entscheidungen bereit ist, wenn diese zum Wohl von Weinstadt beitragen.

Sozialer Wohnungsbau wurde lange vernachlässigt

„Ich wünsche mir, dass er sich mit Elan sofort an die Arbeit macht“, sagt SPD-Fraktionschef Hans Randler. Er glaubt Scharmann, dass er für Weinstadt brennt. Aufgaben, die dringend angepackt gehören, gibt es aus Randlers Sicht genug – etwa den sozialen Wohnungsbau. „Da sieht es im Moment ganz übel aus.“ Das Thema hat seine SPD-Fraktion schon vor Jahren an Amtsinhaber Oswald herangetragen. „Da hat der OB aber nicht mehr viel gemacht.“ Randler sieht nun im neuen Baugebiet Halde V die große Chance, für bezahlbare Wohnungen zu sorgen. Auch beim möglichen Rathausneubau in Beutelsbach und bei der Entwicklung des Birkel-Areals ist der SPD-Fraktionsvorsitzende optimistisch, dass Michael Scharmann für Fortschritt sorgt.

Freie-Wähler-Stadtrat Daniel Kuhnle, der Scharmann zusammen mit seinem Fraktionskollegen Armin Zimmerle im Wahlkampf stark unterstützt hat, findet es wichtig, dass der neue OB ein Gespür für die Stimmung in der Stadt hat – und im Ort präsent ist. Genau das hat er bei Oswald vermisst. „Wir haben oft immer runde Tische gehabt, wenn es schon zu spät war.“ Klar ist für Kuhnle, dass Scharmann mit Blick auf die Haushaltslage nicht alle Wünsche erfüllen kann. Zudem hofft er, dass es der neue OB schafft, dass das Ortsteildenken schwächer wird. Kuhnle will zudem auf keinen Fall, dass andere Fraktionen im Gemeinderat das Gefühl bekommen, Michael Scharmann sei in erster Linie ein OB der Freien Wähler. „Auf jeden Fall wird er den Vorsitz der Freien Wähler abgeben.“

Bauer hat für sich ein besseres Ergebnis erwartet

Eigentlich hat OB-Kandidat Alexander Bauer (48) mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Eventuell sogar mit einem zweiten Wahlgang. Tatsächlich hat der Kriminalhauptkommissar am Sonntag nur 32,8 Prozent der gültigen Stimmen erhalten – deutlich weniger als gedacht. „Es hat sich anders angefühlt gehabt im Wahlkampf, der sehr gut war“, sagt Bauer. Nun will er in den nächsten Tagen die Rückmeldungen zu seinem Wahlkampf abwarten und dann analysieren, worin die Gründe für die Niederlage bestehen.

Als fairer Verlierer hat Alexander Bauer Michael Scharmann natürlich zu seinem Wahlerfolg gratuliert. „Ich habe ihm gewünscht, dass die Stadt vorankommt – weil ich gesehen habe, dass vieles nicht so läuft, wie es laufen könnte.“

Der 48-Jährige ist überzeugt, dass die im Vergleich zu früheren Weinstädter OB-Wahlen höhere Wahlbeteiligung von knapp 50 Prozent auch darauf zurückzuführen ist, dass es mit ihm einen ernstzunehmenden Mitbewerber gab.

Alexander Bauer hatte zudem den Eindruck, dass Michael Scharmann im Lauf des Wahlkampfs eigene Standpunkte zu bestimmten Themen wie etwa einem neuen Hallenbad oder Tempolimits geändert hat. „Er hat sich immer wieder meine Positionen angeeignet.“

Am Dienstag beginnt für den Kriminalhauptkommissar nun wieder sein Arbeitsalltag bei der Polizei in Waiblingen. Denn seinen restlichen Urlaub für dieses Jahr hat er vollständig in den Wahlkampf investiert.

Ob er irgendwann mal wieder für den Posten eines Stadtoberhaupts kandidiert, wollte Alexander Bauer am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung noch nicht sagen. „Das ist im Moment kein Thema.“ Vielleicht aber schneller als gedacht: Anfang 2018 ist in seinem Heimatort Schwaikheim Bürgermeisterwahl.