Weinstadt

Motorradlärm: Messstation in der Weinstraße bleibt

Motorradlärm
Jochen Haußmann, Thomas Marwein und Oberbürgermeister Michael Scharmann berichten über Lärmschutzmaßnahmen – und ihre Grenzen. © Benjamin Büttner

Weinstadt-Schnait. Bis 2020 soll die Messstation stehen bleiben, die im vergangenen Sommer am Schnaiter Ortsausgang Richtung Engelberg installiert worden ist. Darüber hinaus fordern der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann und die Interessengemeinschaft Weinstraße außerorts Tempo 50. Sie hoffen, so den Lärm eindämmen zu können, den Auto- und Motorradfahrer beim Beschleunigen verursachen. Die Stadtverwaltung wird prüfen, ob eine solche Geschwindigkeitsgrenze möglich ist.

Etwas mehr als 20 Männer und Frauen haben sich am Dienstagvormittag trotz Regen in der Weinstraße versammelt, um sich von Landeslärmschutzbeauftragtem Thomas Marwein, Landtagsmitglied Jochen Haußmann und Oberbürgermeister Michael Scharmann über mögliche Lärmschutzmaßnahmen informieren zu lassen. Schließlich klagen Anwohner der Straße schon seit Jahren, dass es im Bereich des Ortsausgangs und die Serpentinen hinauf viel zu laut zugehe: Auto- und Motorradfahrer lassen dort beim Beschleunigen ihre Motoren röhren.

Einige Maßnahmen sind geplant: So hat die Stadtverwaltung die Zusage, drei Jahre lang die Messanlage weiternutzen zu können, die ihr das Land bereits im vergangenen Sommer kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Das verkündete Scharmann. Bis 2020 wird die Anlage Fahrzeugzahlen und -arten sowie Lärm-, Geschwindigkeits- und Beschleunigungswerte aufzeichnen.

Positive Effekte hat sie bereits: Um 27 Prozent seien die Lärmwerte in den Spitzen gesunken, sagte Haußmann. Genug sei das freilich noch nicht.

Messanzeige wirkt sich positiv auf die Lärmwerte aus

Das freundlich-grüne „Danke“ und das rote „Leiser“ auf der Anzeige der Messanlage scheinen jedenfalls zu wirken, sagte auch Marwein. Einen Gewöhnungseffekt gebe es allerdings nicht.

Auch mobile Blitzer sollen weiterhin von Zeit zu Zeit in der Weinstraße aufgestellt werden. Ziel sei es, monatliche Kontrollen durchzuführen, sagte Ordnungsamtsleiter Jürgen Leibing auf Nachfrage unserer Zeitung. Innerhalb der vergangenen drei Wochen sei bereits mehrfach kontrolliert worden, vor allem am Wochenende. Dabei gingen jedoch nur einzelne Temposünder ins Netz: Am vergangenen Samstag zum Beispiel seien von insgesamt 170 Fahrzeugen vier zu schnell unterwegs gewesen, zwei Autos und zwei Motorräder.

Keine stationäre Radarfalle geplant

Eine stationäre Radarfalle soll deshalb nicht installiert werden. Das ist auch eine Preisfrage: Rund 300 000 Euro würde eine solche Anlage kosten. Zumal es in der Weinstraße weniger Geschwindigkeitsüberschreitungen gebe als andernorts in Weinstadt, sagt Scharmann. Es könne aber nicht überall gleichzeitig geblitzt werden.

Das Hauptproblem ist sowieso nicht die Geschwindigkeitsgrenze und deren Überschreitung, sondern der Beschleunigungsvorgang. Gezielt belangt werden können gerade Biker für ihre Lautstärke dabei nicht: „Die Motorräder sind heutzutage legal zu laut“, sagte Marwein. Da könne selbst ein rücksichtsvoller Fahrer nicht allzu viel machen: „Selbst der gutmeinendste Motorradfahrer wird es nicht schaffen, Ihnen ein angenehmes Geräusch zu verschaffen“, sagte der Landesbeauftragte.

Interessengemeinschaft hätte innerorts gerne Tempo 30

Haußmann forderte trotzdem, am Ortsausgang 50 Stundenkilometer als Grenze festzusetzen, zumindest bis zur ersten Kurve. Dadurch müssten die Fahrer weniger hochschalten und seien somit leiser. Auch die Interessengemeinschaft (IG) Weinstraße forderte Tempo 50 für den Anstieg außerorts. Sie pochte außerdem weiter darauf: Innerorts sollte Tempo 30 gelten. Das sagte ein IG-Vertreter, der nicht öffentlich genannt werden möchte. Die anderen vorgesehenen Maßnahmen seien „eine Farce, die in keinster Weise zu einer Besserung führen“.

Ob außerorts Tempo 50 denkbar ist, will die Stadtverwaltung prüfen. Sie werde sich mit den Behörden abstimmen, sagte Leibing. Auch für Tempo 30 müssten bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein.


Tempo 40

Die Stadt hat bereits ausprobiert, ob eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 Stundenkilometer hilft, den Lärm einzudämmen.

Der Versuch hatte keinen Erfolg: Die Messung habe gezeigt, dass der Lärm nur „gefühlt besser“ sei, sagte Oberbürgermeister Michael Scharmann. Wenn überhaupt.