Weinstadt

Nach 2G-plus-„Todesstoß“: Wirt der "Kostbar" Weinstadt zu den neuen Corona-Regeln

Steffen Diener Kostbar
Wirt Steffen Diener im coronakonform eingerichteten Gastraum der „Kostbar“ in Großheppach. © Gabriel Habermann

Beim letzten Gespräch mit unserer Lokalredaktion Ende November 2021 hat Gastwirt Steffen Diener kein Blatt vor den Mund genommen: Die gerade frisch eingeführte 2G-plus-Regel bezeichnete er als „Todesstoß für die Gastronomie“. Rund zwei Monate später gilt jetzt mit der vorläufigen Aushebelung der Alarmstufe II nur noch 2G in den Gastwirtschaften. Steffen Dieners „Kostbar“ in Großheppach ist glücklicherweise immer noch da – steht jetzt aber vor einem neuen Problem.

Haben sich seine schlimmsten Befürchtungen in Hinblick auf 2G plus nun bewahrheitet oder nicht? „Teilweise schon, teilweise durch die Aufweichung nicht“, sagt Steffen Diener rückblickend. Zum Zeitpunkt des damaligen Gesprächs stand nämlich noch nicht fest, dass unter 2G plus auch diejenigen von der Schnelltestpflicht befreit sein würden, deren zweite Impfung erst einige Monate her ist.

Kurzfristigkeit ist schwer zu ertragen

„Durch diesen Zusatz haben viele ein bisschen mehr Zeit gehabt, um sich zu boostern“, so der Wirt, der die „Kostbar“ in Großheppach gemeinsam mit seiner Tochter betreibt. Dadurch habe die Regelung die Gastronomie wenigstens nicht mit voller Breitkante getroffen. Trotzdem sei es mal wieder ein „riesiges Hin und Her“ gewesen: Erst sei die neue Regel mal wieder extrem kurzfristig eingeführt worden, dann habe das „Kostbar“-Team das Wochenende damit verbracht, sich selbst zu testen, Tests zu organisieren und sich bestmöglich auf die neue Sachlage einzustellen.

„Und dann hieß es: Ja, nee, ist ja doch nicht so“, ärgert sich Steffen Diener. „Wer überlegt sich das eigentlich?“ Die Kurzfristigkeit der sich laufend ändernden Corona-Regeln – für ihn ein Beweis dafür, wie weit entfernt die deutsche Politik von der Realität ihrer Bürger sei, so der Gastwirt.

Beschränkung auf zehn Personen fällt weg

Dass seit Freitag wieder lediglich eine 2G-Beschränkung ohne zusätzliche Tests in den Restaurants gilt, mache für die „Kostbar“ wahrscheinlich keinen allzu großen Unterschied mehr, glaubt Steffen Diener: Die Zahl derer, die zweimal geimpft, aber noch nicht geboostert seien, sei mittlerweile doch eher gering.

Was ihn viel mehr interessiert: Durch die Herunterstufung in die Alarmstufe I fällt auch die Kontaktbeschränkung auf zehn Personen weg, die auch für vollständig Geimpfte und Genesene im Innenraum galt. „So haben wir vielleicht auch mal wieder einen Geburtstag mit 12 Personen“, hofft der „Kostbar“-Wirt.

Besonders der Partyservice leidet unter Corona

Seit Ende November habe sein Team nämlich zu 80 Prozent nur Zweiertische bedient. Bei den geltenden Abstandsregeln komme da nicht viel zusammen. Ohne die Personenzahlbegrenzung sind jetzt vielleicht sogar wieder Hochzeiten möglich: „Schwierig ist wieder die Umsetzung von einem Tag auf den anderen.“

Zwar hat Steffen Diener im vergangenen Jahr vorausschauend gewirtschaftet: „Wir haben im Sommer jeden Cent auf die Seite gelegt.“ So habe er sein Personal auch im Dezember und Januar ohne erneute Kurzarbeit bezahlen können – auch aus Angst davor, dass ihm die verbliebenen Mitarbeiter sonst in andere Branchen abwandern könnten. Denn seit Beginn ist sein Personalstamm deutlich geschrumpft.

Das betreffe vor allem den an die „Kostbar“ angegliederten Partyservice, eigentlich Steffen Dieners zweites Standbein. „Dort bin ich inzwischen eigentlich alleine“, so der Gastronom. Der Partyservice habe auch seit Mitte November keine Aufträge mehr gehabt.

Personalmangel macht sich bemerkbar

Für das Frühjahr und den Sommer fragen jetzt viele den Partyservice an: Viele Paare planen aktuell eine Hochzeit. Trotzdem fange es jetzt schon wieder an, dass die ersten ihre für Februar oder März geplante Feier wieder verschieben. Gleichzeitig rufen bei ihm regelmäßig Paare an, deren Caterer teilweise wenige Wochen vor der Feier abgesprungen seien – wohl auch wegen Corona und der daraus resultierenden Personalknappheit.

Steffen Diener würde in solchen Fällen gerne einspringen – kann es aber nicht. Er könne dieses Jahr wirklich nur eine gewisse Anzahl von Feiern ausrichten, da für mehr sein Personal einfach nicht ausreiche.

„Ich kann jetzt keine Leute suchen“, sagt Steffen Diener. Denn selbst, wenn er jemanden finden würde, was bei der aktuellen Lage der Branche nicht wahrscheinlich sei: „Ich kann nicht planen!“ Gerade beim Partyservice müsse eine neue Kraft gut und gerne ein halbes Jahr eingearbeitet werden. „Dann ist wieder Herbst“, sagt Diener. Und dann seien neue Einschränkungen nicht unwahrscheinlich. „An diesem Punkt waren wir die letzten Jahre auch schon.“

Beim letzten Gespräch mit unserer Lokalredaktion Ende November 2021 hat Gastwirt Steffen Diener kein Blatt vor den Mund genommen: Die gerade frisch eingeführte 2G-plus-Regel bezeichnete er als „Todesstoß für die Gastronomie“. Rund zwei Monate später gilt jetzt mit der vorläufigen Aushebelung der Alarmstufe II nur noch 2G in den Gastwirtschaften. Steffen Dieners „Kostbar“ in Großheppach ist glücklicherweise immer noch da – steht jetzt aber vor einem neuen Problem.

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