Weinstadt

Neue Ausstellung: Alles zur Feder

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„Strauß“ heißt dieses Bild von Waltraud Haase. © Habermann / ZVW
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„Vögel der Nacht“ zeigt Heidi Sailer. © Habermann / ZVW
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Sie haben sich mit Federn in allen Formen beschäftigt (von links): Silvia Lehmann, Silja Lenz und Bernhard Wanzel stellen zusammen mit sechs weiteren Kollegen vom Vereins Kunstraum in den Räumen der Firma Kurt Kauffmann aus. Das Unternehmen ist Spezialist für technische Federn. © Habermann / ZVW

Weinstadt. Engel mit Federflügeln, Feuerflamingos, indianische Traumfänger: Neun Künstler des Vereins Kunstraum beschäftigen sich in ihrer neuen Ausstellung mit Federn in allen Formen. Nicht ohne Grund: Schließlich zeigen sie ihre Werke in den Räumen der Firma Kurt Kauffmann – und die stellt technische Federn her.

Video: Der Verein Kunstraum zeigt Werke unter dem Motto "Federleicht".

Über der Pyramide thront die Sonne wie ein göttliches Wesen aus einer längst vergessenen heidnischen Epoche. Sie strahlt Licht aus, das selbst wiederum pyramidenförmig ist. Wer sich diese Sonne genauer ansieht, erkennt zudem, dass es sich um eine technische Feder handelt, die bewusst verfremdet wurde. „Federleicht“ heißt das Werk von Edmund Streckfuss, genau wie die neue Ausstellung des Weinstädter Vereins Kunstraum, dessen Mitglied er ist. Er und seine acht Mitstreiter haben sich von ihren Assoziationen rund ums Thema leiten lassen. Wer die rund 25 Werke in den Räumen der Firma Kauffmann anguckt, dem bietet sich eine Fülle von Ansätzen und verwendeten Materialien.

Der Mensch verschmilzt mit der Technik

Nehmen wir mal die drei Bilder von Bernhard Wanzel. Der Grafiker zeigt drei Szenen aus der Leichtathletik, vom Laufen über den Weitsprung bis zum Stabhochsprung. Den Sportler hat er jeweils mit einer Schablone angefertigt. Dieser hat kein Gesicht, wirkt austauschbar. Dabei hat Bernhard Wanzel in jedes Bild mindestens eine technische Feder eingearbeitet. Und der Stabhochspringer springt auch über eine Linie aus echtem Draht. Bernhard Wanzel will mit den Werken zeigen, wie sehr der Mensch heute von der Technik vereinnahmt wird, quasi in sie eingebunden ist, mit ihr verschmilzt. Ihre Bilder „Feder I“ und „Feder II“ hat Silvia Lehmann mit einer Technik angefertigt, bei der in Wachs gebundene Pigmente heiß auf die Leinwand aufgetragen werden. Enkaustik nennt sich das Ganze, die Vorsitzende des Vereins Kunstraum hat zudem noch einen Schwamm darübergleiten lassen, damit die dargestellten Federn plastischer wirken.

Gertrud Deppe beschäftigt sich mit Engeln in ihren Bildern

Silja Lenz ist ganz neu im Verein dabei. Sie studiert seit diesem Semester an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und hat ebenfalls ein Bild zur Ausstellung beigesteuert. Es ist mit Acryl gemalt und zeigt eine große schwarze Feder. Das, was in dem Bild sonst noch zu erkennen ist, hat Silja Lenz nicht bewusst gemalt. Mit Engeln beschäftigt sich Gertrud Deppe seit vielen Jahren in ihren Bildern. In der Ausstellung ist von ihr unter anderem ein sogenannter Segensengel zu sehen. Groß steht er auf dem in Rottönen gemalten Bild, für die Menschen unsichtbar, umgeben von schemenhaft angedeuteten Kreuzen. Loai Schell verarbeitet in seinen Werken unter anderem den Tod seiner Frau. „Du warst mein Licht“ heißt ein Bild, das ein blaues Frauengesicht zeigt, das Teil einer Wolke ist. Ähnlich ist es bei dem Werk „Fata Morgana“, nur dass hier mehrere sandfarbene Gesichter zu erkennen sind. Tanzende Flamingos zeigt ein anderes Bild, die Tiere wirken darauf wie Feuer, das ein Vulkan ausspeit. Interessant ist auch Heidi Sailers Traumfänger, bei dem der Betrachter gleich eine Menge über indianische Kulturen lernt. Völker wie die Lakota oder die Azteken dachten, dass sie sich mit den Kultobjekten von bösen Träumen befreien können.

Vogelfedern als Wimpern

Ein absoluter Hingucker ist Sabine Schußmanns Collage. Sie zeigt zwei gemalte geschlossene Augen, die Vogelfedern als Wimpern haben. Riesenwimpern, um genau zu sein. Dazu sind auf dem Werk überall gefärbte Sandkörner verteilt, die wie jener aus eingetrockneten Sekreten bestehender Schlafsand aussehen, den wir Menschen uns jeden Morgen aus den Augenlidern reiben. Eins ist die Ausstellung des Vereins Kunstraum auf jeden Fall: nicht langweilig.

Noch bis 20. Dezember zu sehen

Die Ausstellung mit dem Titel „Federleicht“ ist noch bis Dienstag, 20. Dezember, im Erdgeschoss der Firma Kurt Kauffmann in Beutelsbach (Daimlerstraße 13) zu sehen – und zwar montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.

Neun der 17 Mitglieder des Weinstädter Vereins Kunstraum stellen dort aus. Mit dabei sind die Vorsitzende Silvia Lehmann, Gertrud Deppe, Heidi Sailer, Edmund Streckfuss, Bernhard Wanzel, Sabine Schußmann, Loai Schell, Waltraud Haase und Neumitglied Silja Lenz.

Der Eintritt ist frei. Wer die Ausstellung besuchen will, sollte indes bedenken, dass es bei der Firma nur wenige Besucherparkplätze gibt und auch ansonsten in dem Gewerbegebiet Stellplätze rar sind. Die verschlossene Schiebetür im Eingangsbereich sollte zudem niemanden abhalten, die Ausstellung zu besuchen. Hier gilt: Einfach den Hörer des dort herumstehenden Telefons greifen und eine der angeschriebenen Nummern wählen – dann kommt ein Mitarbeiter und lässt die kunstinteressierten Besucher herein.

Die nächste Ausstellung des Vereins ist schon in Planung. Sie ist von Februar 2017 an im Beutelsbacher Rathaus zu sehen.