Weinstadt

Neue Wetterstation für Weinstadt

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Günter Roß vom Deutschen Wetterdienst hat auf dem Aussiedlerhof von Iris Hayler in der Weinbergstraße eine Wetterstation installiert. Offiziell in Betrieb ist sie vom 1. Oktober an. © Leonie Kuhn

Weinstadt-Endersbach. Die Zeit ohne Wetterstation ist vorbei: Iris Hayler stellt ihren Aussiedlerhof dafür bereit, nachdem der alte Standort in Beutelsbach weggefallen ist. Die Endersbacherin wird nun im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes ehrenamtlich Niederschlag und Schneefall messen. Für sie kein Problem: Iris Hayler ist passionierte Frühaufsteherin.

Video: Günter Roß vom Deutschen Wetterdienst.

Der Elektrozaun ist ausnahmsweise aus. Sonst könnte Günter Roß nicht so problemlos durch den Zaun schlüpfen und alle seine Materialen für die neue Wetterstation aus dem Auto auf Iris Haylers Grundstück schaffen. Dort, in einer Ecke der Pferdeweide, baut der Mann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) die Messstation auf, eine von derzeit 110 manuell betriebenen in ganz Baden-Württemberg. Damit die Tiere nichts kaputt machen können, wird Iris Hayler die Station noch einzäunen. Sicher ist sicher. Schließlich sollen die Daten exakt sein, sogar genügend Abstand zu den Bäumen in der Umgebung ist entscheidend. Iris Hayler muss nun täglich den Niederschlag messen, im Winter kommt noch Schneefall hinzu. Selbst Tau und Reif sind relevant – denn auch die sorgen für eine geringfügige Wassermenge in der Messstation. DWD-Mann Günter Roß bittet seine neue ehrenamtliche Wetterbeobachterin Iris Hayler deshalb um Präzision: „Und wenn es nur 0,1 Liter hat, wird es auch notiert.“

Die Endersbacherin war die Einzige in Weinstadt, die Interesse für die Aufgabe hatte. Sonst bewarb sich niemand, nachdem die vorherige ehrenamtliche Wetterbeobachterin aus Beutelsbach ihren Job aus Gesundheitsgründen aufgeben musste. In dem Fall ist das aber für den Deutschen Wetterdienst nicht schlimm – denn Iris Haylers Standort ist nahezu ideal. DWD-Mann Günter Roß bekam in anderen Kommunen schon viele Bewerbungen von Leuten, denen er gleich absagen musste, weil diese die Wetterstation auf einem Balkon oder einem Dach anbringen wollten. Dabei muss sie zwingend auf der Erde stehen.

Ein Job für passionierte Frühaufsteher

Iris Hayler muss nun im Sommer täglich um 7.50 Uhr zur Messstation, im Winter bereits um 6.50 Uhr. Sie wird dazu von ihrer Wohnung in Endersbach zu ihrem Aussiedlerhof fahren, da ist also frühes Aufstehen angesagt – was ihr aber laut eigenem Bekunden überhaupt nichts ausmacht. Ihr Wecker klingelt bisher schon jeden Tag kurz vor 5 Uhr. „Wegen der Pferde muss ich sowieso raus.“ Fürs Wetter hat sich die Endersbacherin seit jeher interessiert, außerdem hat sie auf ihrer Koppel genügend Platz. „Hier stört es ja niemanden.“

Gemessen werden muss von Iris Hayler jeden Tag, wie viel Regen in den vergangenen 24 Stunden gefallen ist. Die Daten trägt sie dann bis 8.15 Uhr übers Internet in ein System des Deutschen Wetterdienstes ein. Vom 1. November bis 30. April muss sie in ihrer Station auch noch ein sogenanntes Schneekreuz installieren – damit bei starkem Wind der Schnee nicht wieder herausgewirbelt wird. Zusätzlich ist es Iris Haylers Aufgabe, in der kalten Jahreszeit auch noch ein Neuschneegitter auszulegen. „Das ist eine Hilfe für die Bestimmung der Neuschneedecke“, erklärt Günter Roß. Für die Messung bekommt Iris Hayler übrigens einen ganz besonderen Stab – den goldenen Schneepegel.

Das klingt allerdings wertvoller, als das Ding wirklich ist. „Es ist zwar aus Metall, aber nicht wirklich aus Gold.“ 50 Zentimeter ist der Stab lang, mit ihm wird die Schneehöhe bestimmt. Auch das darf Iris Hayler nicht vergessen. Und wenn sie mal krank ist, muss sie eigenständig eine Vertretung organisieren.

Keine Angst vor Diebstahl

Als weniger aufwendig erscheinen da die 50 automatischen Messstationen, die es in Baden-Württemberg mittlerweile gibt. Vielleicht wird auch Iris Haylers Wetterstation mal durch solch eine Maschine ersetzt. „Das würde aber heißen, dass man Strom braucht“, sagt Günter Roß. Und dafür muss erst mal eine Steckdose vorhanden sein. Eine andere Sorge hält der DWD-Mann allerdings für unbegründet, nämlich dass die Messstation geklaut wird. „Selbst wenn das passiert: Melden Sie es mir, Sie bekommen sofort Ersatz.“

Schnee-Einmaleins

Schneedecke ist nicht gleich Schneedecke. Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet vier verschiedene Grade, die ehrenamtliche Wetterbeobachter wie Iris Hayler bei ihren täglichen Messungen in der kalten Jahreszeit berücksichtigen müssen.

Eine geschlossene Schneedecke ist an der Messstelle vorhanden, wenn es keine Löcher gibt, sprich wenn 100 Prozent der Landschaft mit Schnee bedeckt ist. Eine durchbrochene Schneedecke liegt vor, wenn mindestens 50 Prozent der Umgebung voller Schnee sind. Von Schneeflecken spricht der Fachmann, wenn es weniger als 50 Prozent sind. Und bei weniger als 10 Prozent Bedeckungsgrad ist von Schneeresten die Rede.

In der Zeit vom 1. November bis 30. April muss Iris Hayler die Wetterstation auf ihrer Koppel so ausrüsten, dass jeden Tag bei eventuellem Schneefall Messungen für die vergangenen 24 Stunden möglich sind.