Weinstadt

Nudel-Unternehmer Klaus Birkel ist tot

Nudel-Unternehmer Klaus Birkel ist tot_0
Klaus Birkel (Fünfter von rechts) zeigt dem damaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister Martin Herzog (Sechster von rechts) am 8. Dezember 1986 in Endersbach sein Unternehmen. Drei Jahre später verkauft er es – und startet danach in den USA neu durch. © Bernhardt / ZVW

Weinstadt. Er führte den einst größten Nudelhersteller Deutschlands und baute sich nach dem Verkauf in den USA ein neues Leben auf: Nun ist Klaus Birkel mit 74 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Seine Firma war lange Weinstadts wichtigster Arbeitgeber. Nach dem Verkauf an Danone wurde das Stammwerk in Endersbach 1998 geschlossen – das Ende einer Ära.

„Der Klaus ist ein Tapferle gewesen“: Gerhard Schäfer kann sich noch sehr gut an den einstigen geschäftsführenden Gesellschafter des Endersbacher Nudelunternehmens erinnern, genau wie an dessen Brüder Heinz und Peter sowie dessen Vater Karl Christian. Sie seien immer ins Geschäft gekommen. Den schwäbischen Ausdruck „Tapferle“ meint der gelernte Friseur Schäfer positiv: Klaus Birkel sei zwar deutlich kleiner gewesen als seine Brüder, aber dafür umso umtriebiger.

Eine schwäbische Erfolgsgeschichte

Dass dieser mit Anfang 50 in den USA noch mal neu anfing und sein Geld mit Rinderzucht und Immobilien verdiente, passt für den Kreisehrenhandwerksmeister gut ins Bild. Schäfers Großvater arbeitete als Werkführer für die Firma Birkel, der Vater war mehr als 40 Jahre im Unternehmen.

„Ich habe mit den Birkel-Brüdern immer guten Kontakt gehabt.“ Schäfer war auch mal zu Gast in der Birkel-Villa in der Waiblinger Straße, die später dann der einstige Einkaufsdirektor von Daimler erwarb. Die Nachricht von Klaus Birkels Tod trifft Gerhard Schäfer. „Das tut mir jetzt weh.“

Der Name Birkel steht für eine schwäbische Erfolgsgeschichte. Aus einem 1874 gegründeten Mühlen- und Produkthandel wurde im Lauf der Jahrzehnte Deutschlands größter Nudelhersteller. Mitte der 80er stammten etwa die Hälfte der jährlich in der Bundesrepublik hergestellten 200 000 Tonnen Eierteigwaren von Birkel, der Jahresumsatz lag bei 400 Millionen Mark.

Rechtsstreit mit dem Land Baden-Württemberg

Gleichzeitig ist der Name bis heute mit einem der bekanntesten Lebensmittelskandale verbunden. 1985 warnte Regierungspräsident Manfred Bulling öffentlich davor, Birkelnudeln zu essen. Es war genau jene Zeit, in der Klaus Birkel an der Spitze der Firma stand, in die er nach seiner Ausbildung 1971 eintrat und deren Leitung er elf Jahre später übernahm.

Dem Unternehmen wurde damals vorgeworfen, verunreinigtes Flüssigei verwendet zu haben. In einem späteren Rechtsstreit mit dem Land Baden-Württemberg gelang es Birkel zwar, 13 Millionen Euro Schadensersatz zu bekommen – doch das Ansehen war da schon längst beschädigt. 1985 belief sich der Umsatzverlust im Vergleich zum Vorjahr auf rund 60 Million Mark.

Verkauf an den französischen Danone-Konzern

Gründer-Urenkel Klaus Birkel geriet trotz aller Bemühungen wirtschaftlich so unter Druck, dass er das Unternehmen an den französischen Danone-Konzern verkaufte. Die Belegschaft erfuhr dies im Herbst 1989. Karl-Heinz Nüßle, heute Vorsitzender der Vereinigung der Weinstädter Unternehmer, war damals städtischer Wirtschaftsförderer und erinnert sich noch genau, wie er gegen die Schließung protestierte, zusammen mit dem früheren OB Hofer und Landrat Lässing.

„Wir haben alles versucht, aber wir haben es nicht mehr bremsen können.“ Nüßle hoffte noch, dass der Standort Mannheim geschlossen wird – aber da hier ein Erbbaurechtsvertrag bestand, war es für Danone einfacher, den Standort Endersbach zu verkaufen. Dass die Stadt später das Areal erst zum Großteil und dann komplett erwarb, bezeichnet Nüßle heute noch als richtig.

Sonst wäre dort nach seiner Darstellung eine Art „Las Vegas“ entstanden mit allerlei Glücksspielen. Nüßle selbst wollte als Kind übrigens nur Birkelnudeln essen – und zwar wegen der Sammelbilder. Nüßle kannte Klaus Birkel zwar nicht privat – aber über den Unternehmer kann er nichts Schlechtes sagen: „Der hat gekämpft.“

„Eine Nudel lässt sich weichkochen, ein Birkel nicht“

Das passt auch zu dem Bild, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Nachruf zeichnet. Klaus Birkel, der nach dem Verkauf des Familienunternehmens in den USA noch einmal von vorne anfing, verlor aufgrund der Finanzkrise viel Geld im Wohnungsbau.

Sein neues Firmenimperium musste er 2011 verkaufen. Birkels Kommentar: „Eine Nudel lässt sich weichkochen, ein Birkel nicht.“ Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Mexiko, wo er mit seiner Frau ein Restaurant betrieb. Am 14. Mai starb er nach kurzer, schwerer Krankheit.


Wenig Verwandte

„Große Freunde hat der hier nicht gehabt“: Gerhard Schäfer glaubt nicht, dass in Endersbach viele Leute Klaus Birkel gut kannten, zumal dieser später auch auf dem Engelberg gewohnt habe. Ein Großvetter, betont Schäfer, lebe noch in der Stettener Straße – dieser wollte allerdings über Klaus Birkel öffentlich nichts sagen.