Weinstadt

OB Michael Scharmann 100 Tage im Amt

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In seinem neuen Job als OB ist Michael Scharmann längst angekommen: An diesem Mittwoch, 22. März, ist er genau 100 Tage im Amt. „Der Switch vom Gemeinderat zum OB ging schnell.“ © Habermann / ZVW
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Neujahrsempfang Weinstadt
Januar 2017: Michael Scharmanns erster Neujahrsempfang als Oberbürgermeister. © Büttner / ZVW
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OB-Wah
Mit 64,3 Prozent der gültigen Stimmen hat Michael Scharmann im Oktober 2016 die Wahl gewonnen. Unser Foto zeigt ihn mit seiner Frau Heike Scharmann am Wahlabend in der Jahnhalle. © Büttner / ZVW
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In seinem Amtszimmer hat Scharmann teilweise die Möbel austauschen lassen. © Habermann / ZVW

Weinstadt. Er hat’s nicht bereut, OB geworden zu sein: „Wir haben so eine gute Stimmung im Rathaus“, freut sich Michael Scharmann. Es herrscht Aufbruchsgeist, kein Angstklima mehr wie unter Vorgänger Jürgen Oswald. Scharmann hat auch viel zu tun – von der Gartenschau übers Birkel-Areal bis zum Wohngebiet Halde V steht einiges an. Seine Arbeitswochen dauern teils 60 bis 80 Stunden.

Im Video: Wollen Sie sich im OB-Büro umsehen? Unser 360-Grad-Video zeigt Scharmann an seinem Schreibtisch.

„Ich glaube wirklich, dass die Stadt Weinstadt zu den Gewinnern der Gartenschau zählen wird“, sagt Michael Scharmann. Er sitzt am neuen Besprechungstisch in seinem Büro im Beutelsbacher Rathaus, neben dem Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau.

"Wie ein Sechser im Lotto“

Den Slogan von US-Präsident Donald Trump („Make America great again“) will der neue Oberbürgermeister nicht in den Mund nehmen, aber im Kern geht es in seiner Agenda genau darum: Weinstadt, das unter seinem Vorvorgänger Jürgen Hofer als innovative Stadt galt, soll wieder ein Vorbild für andere Kommunen im Remstal werden.

Und als ob es das Schicksal mit dem neuen OB gut meint, wurde Anfang März öffentlich, dass Weinstadt aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ des Bundesbauministeriums 3,45 Millionen Euro für den geplanten Bürgerpark zwischen Endersbach und Beutelsbach erhält – und damit zwei Drittel der förderfähigen Kosten. „Das ist für die Stadt Weinstadt wie ein Sechser im Lotto.“

Ein dicker Etat für Veranstaltungen

Ausruhen will sich Scharmann freilich nicht – und darum wird es schon im Juni eine Bürgerveranstaltung zur Grünen Mitte geben. Fest stehen schon einige Initiativprojekte wie eine Weinlaube, ein Rosenhaus oder ein Spielplatz. Wenn die Gartenschau 2019 steigt, dann soll’s auch einen dicken Etat für Veranstaltungen geben – mit deutlich mehr Geld als 2014 bei den Feierlichkeiten zu „500 Jahre Armer Konrad“.

Das, was Weinstadt für die Gartenschau vorhat, ist aus Scharmanns Sicht absolut überzeugend. An der Häckermühle soll die Rems für Familien erlebbar werden, mit einem zweiten Remsarm, in dem das Wasser langsamer fließt und Kinder im etwa 25 Zentimeter tiefen Wasser planschen können.

Und wer sich fragt, was mit dem Naturschutz ist, den weist Scharmann auf die nicht begehbare Insel hin, die ein Rückzugsort für Tiere werden soll. Um gleich deutlich zu machen: Liebe Nabu-Leute, ich denk’ auch an euch. Naturschützer öffentlich als Eidechsenzähler zu bezeichnen, wie es CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger jüngst tat, würde Scharmann wohl nicht einfallen. Er wägt seine Worte sorgsam ab.

Geplanter Glockenturm: Zuschuss fällt geringer aus als erhofft

Zugute kommt ihm diese Vorsicht auch beim geplanten Glockenturm auf der Burgruine Kappelberg. Als er noch Gemeinderat war, stimmte Michael Scharmann nur für die preiswertere Variante mit Gedenkstätte und Freianlagen. Durchgesetzt haben sich im Gremium kurz vor der OB-Wahl aber die Turmbefürworter – und zwar mit großer Mehrheit.

Sie hofften, dass es für das Eine-Millionen-Euro-Projekt vom Verband Region Stuttgart 515 000 Euro Zuschuss gibt. Nun wurde jedoch bekannt, dass lediglich 275 000 Euro fließen. Sprich: Es gibt eine Finanzierungslücke von 240 000 Euro. Scharmann versucht nun, das Problem durch Firmenspenden und die Suche nach Sparpotenzialen in den Griff zu bekommen. Und er betont, dass er bei dem Projekt letztlich nicht allein entscheiden kann. „Das oberste Organ ist der Gemeinderat.“

Scharmann muss Prioritäten setzen

Ein anderes heikles Thema ist der Schönbühl. Während Eigentümer Thomas Barth jüngst den Saffrichhof an die Heinrich-Immobilien-GmbH aus Korb verkauft hat, geht beim Gelände des ehemaligen Jugendheims wenig vorwärts. „Wir haben ein erstes Gespräch mit dem Herrn Barth gehabt, das durchaus in guter Atmosphäre abgehalten wurde“, sagt Scharmann. Nun müsse man mit ihm beim städtebaulichen Konzept auf einen Nenner kommen, insbesondere bei den Erschließungsmängeln.

Übersetzt heißt das: Die Stadt will Barth bei der Erschließung des Areals möglichst viel zahlen lassen. Ganz offen sagt Scharmann hingegen, dass er angesichts vieler Projekte Prioritäten setzen muss. Mit dem Gemeinderat möchte er deshalb vor der Sommerpause eine Liste erstellen – und da kann es sein, dass herauskommt, dass für den Schönbühl im Moment die Kapazitäten fehlen.

„Ich kann mir tatsächlich nichts Schöneres vorstellen“

Vollgas will Scharmann beim Birkelareal geben, wo die Stadt vor Jahren für viel Geld Flächen erworben hat. Laut dem OB hat die Stadt nun zum ersten Mal für eine Teilfläche einen Kaufinteressenten, mit dem sie wirklich in Vertragsverhandlungen steht. Wichtig ist es dem Stadtchef, hochwertiges Gewerbe zu bekommen – also nicht unbedingt Firmen, die viel Verkehr produzieren und kaum Gewerbesteuer zahlen. „Lieber länger warten und nachhaltig besiedeln.“

Sozialen Wohnungsbau will Scharmann am Rand des neuen Baugebiets Halde V ermöglichen, das Cabrio soll dieses Jahr abgerissen werden, im Bleistiftareal soll’s jetzt Ende März mit dem Investorenwettbewerb weitergehen – und selbst bei der berüchtigten Beutelsbacher Bahnunterführung, in der regelmäßig Kleinlaster und Kleinbusse stecken bleiben, will der OB ausloten, wie die Fahrer besser gewarnt werden. Trotz der vielen Aufgaben gibt sich Scharmann optimistisch – und das hat viel mit der Stimmung im Rathaus zu tun. Bereut hat er es jedenfalls nach 100 Tagen noch nicht, OB geworden zu sein. „Ich kann mir tatsächlich nichts Schöneres vorstellen.“