Weinstadt

Post von Katzenhasser? Familie aus Weinstadt findet toten Vogel im Briefkasten

Katze
Freigängerkatzen haben nicht selten einen Jagdtrieb - das gefällt nicht allen Menschen (Symbolfoto). © ALEXANDRA PALMIZI

Eine Mutter aus Weinstadt kam gerade mit ihren Kindern nach Hause, schaute routinemäßig in ihren Briefkasten - da fällt ihr ein Plastikbeutel mit einem toten Vogelbaby entgegen.

Daran befestigt eine anonyme Notiz, die sich offensichtlich gegen die Katze der Familie richtet - weil diese auch erst kürzlich mit einer schweren Verletzung nach Hause gekommen ist, fragen die Endersbacher sich jetzt: Gibt es einen Katzenhasser in der Nachbarschaft?

Familie will den Vorfall nicht auf sich sitzen lassen

„Das zweite gerissene Rotschwänzchenjunge!“, steht in Handschrift mit einem dicken Ausrufezeichen auf dem Zettel, der auf der Tüte mit dem zerknautschten kleinen Tierkadaver klebt. Offensichtlich geht der Absender davon aus, dass die Katze der Familie schuld am Ableben des kleinen Vogels ist.

„Die Art und Weise finden wir schon sehr grenzwertig“, sagt der Katzenbesitzer. Deswegen wollen seine Frau und er den Vorfall nicht einfach auf sich sitzenlassen, sondern damit an die Öffentlichkeit gehen.

Katze kommt schwer verletzt nach Hause, muss operiert werden

Weil sie sich Sorgen um ihr Tier machen, wollen sie lieber nicht namentlich genannt werden. Das gilt natürlich auch für die Katze selbst. Das Tier – nennen wir sie für diesen Artikel einfach „Mimi“ – ist nämlich vor einigen Wochen schwer verletzt nach Hause gekommen. Das Gelenk am Oberschenkel habe in einer Spezialklinik verschraubt werden müssen, berichtet der Besitzer, auch die Bänder und Sehnen seien verletzt gewesen.

Mehrere Wochen durfte Mimi, die sonst gerne durch die Gärten streift und den ein oder anderen Nachbarn auch mal persönlich begrüßt, nicht nach draußen. Das habe ihr gar nicht gefallen.

Ist die anonyme Nachricht eine Drohung?

Jetzt vor kurzem durfte Mimi endlich wieder raus, auch wenn sie noch etwas humpelt - fast zeitgleich lag der tote Vogel im Briefkasten. Ob die Verletzung nun tatsächlich mit der anonymen Post zusammenhängt, sei natürlich reine Spekulation, sagen die Besitzer. Aber ein wirklich ungutes Gefühl haben sie seitdem schon. „Liegt als Nächstes unsere Katze tot vor der Tür?“, fragt sich die Besitzerin.

Den Besitzern ist klar: Mimi kann schon etwas speziell sein. Sie sei sehr zutraulich und neugierig, habe vor wenig Angst. Nicht jeder Nachbar freue sich darüber, wenn sie durch die Gärten streift und vielleicht auch ihr Geschäft dort verrichte. „Aber darauf kann man uns doch einfach ansprechen“, findet Mimis Besitzerin.

Das Jagen liegt in der Natur der Katze

In der Vergangenheit hätten sie und ihr Mann immer gedacht, ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn zu haben. Sie habe einer Nachbarin auch einmal gesagt, dass sie die Katze ruhig verscheuchen dürfe, wenn sie sie nicht in ihrem Garten haben wolle, sagt die Endersbacherin. Das sei ja auch völlig in Ordnung. Nur den toten Vogel im Briefkasten finden die Endersbacher unmöglich. „Und es ist auch einfach doof, weil es anonym war.“

Dass Mimi einen Jagdtrieb hat und den auch auslebt, weiß die Familie ebenfalls. Die Katze habe schon Mäuse und seltener mal auch einen Vogel mitgebracht. „Das finden wir auch schlimm“, sagt ihr Besitzer. Schließlich seien sie ja Tierfreunde. Aber dieses Verhalten liege eben in Mimis Natur.

Eine Tigerkatze von vielen in der Nachbarschaft

Wie der unbekannte Nachbar allerdings ausgerechnet ihre Katze als „Vogelmörder“ identifiziert haben will, sei ihnen nicht ganz klar. Immerhin ist Mimi eine typische Tigerkatze, weder besonders groß noch klein, weder sehr jung noch sehr alt. Allein in ihrem Viertel gebe es mindestens vier oder fünf andere Freigängerkatzen, die selbst für sie aus etwas Distanz aussähen wie ihre Mimi, sagt die Katzenbesitzerin.

Sie fragt sich auch, was der Absender mit dem toten Vogel eigentlich bezwecken wollte. Denn auch wenn sie sich jetzt natürlich Sorgen um ihr Tier machen – dauerhaft einsperren werden die Endersbacher die Katze wegen des Vorfalls nicht.

Tierschützerin: Vogelbaby kann aus vielen Gründen gestorben sein

Davon rät auch Annemarie Werner, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, dringend ab. Es mache wenig Sinn, die Katze zu bestrafen, indem man sie drinnen lässt – vor allem, weil es ihrer Einschätzung nach sehr viele Möglichkeiten geben kann, wie das Vögelchen ums Leben gekommen ist. „Das kann aus dem Nest gefallen sein, vielleicht war es eine Elster, ein Waschbär oder ein anderes Wildtier“, gibt sie zu bedenken.

Selbst wenn der anonyme Absender die Katze in flagranti mit dem Vogelbaby im Maul erwischt hätte, sei es immerhin möglich, dass das Vögelchen davor schon aus dem Nest gefallen ist und vielleicht sogar schon tot war. Dass Katze Mimi so kurz nach einer schweren Verletzung und immer noch humpelnd ein Nest plündern kann, hält sie dagegen für eher unwahrscheinlich.

Wer ein Vogelbaby findet, sollte damit zum Tierarzt gehen

Einer Familie einen toten Vogel in den Briefkasten zu stecken, findet die Tierschützerin völlig daneben: „Das geht gar nicht!“ Außerdem fragt sie sich, ob das Vögelchen vielleicht sogar noch gelebt hat, als es in die Tüte gesteckt wurde. Statt seinen Nachbarn so übel mitzuspielen, hätte der Finder damit „sofort zum Tierarzt“ gehen sollen, fordert sie. Denn oft seien Vogelbabys selbst nach einem Tierangriff eben nicht sofort tot.

Die Sorge der Katzenbesitzer kann Annemarie Werner nur zu gut nachvollziehen. Wäre es ihre Katze, wäre sie mit der anonymen Botschaft zur Polizei gegangen, sagt sie. Auch wenn eine Anzeige gegen unbekannt wahrscheinlich im Sand verlaufen würde.

Katzen und Vögel - ein heikles Thema

Der Familie rät sie, aktiv das Gespräch mit allen Nachbarn zu suchen, das Thema offen anzusprechen - in der Hoffnung, dass einer von ihnen vielleicht der Absender ist.

Vögeljagende Hauskatzen sind immer wieder ein heftig debattiertes Thema, besonders in letzter Zeit werden Freigängerkatzen immer wieder als „Vogelkiller“ dargestellt. Die Gemeinde Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis hat dieses Jahr den Sommer über sogar ein Freigang-Verbot für Katzen ausgesprochen, um den Bestand der seltenen Haubenlerche zu schützen.

Studie aus den USA: Töten Katzen jedes Jahr 200 Millionen Vögel?

Auslöser für solch drastische Schritte ist unter anderem eine Studie aus dem Jahr 2013 (durchgeführt vom Smithsonian Conservation Biology Institute und dem U.S. Fish and Wildlife Service), die zu dem Ergebnis kam, dass jedes Jahr in den USA zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel von Katzen getötet werden.

Umgerechnet auf deutsche Verhältnisse wären das laut Nabu immerhin noch 200 Millionen Vögel - was bedeuten würde, dass ungefähr jeder zweite Vogel von einer Katze getötet wird. Eine nur geschätzte Zahl, die auch der Vogelexperte Lars Lachmann in einer Veröffentlichung des Nabus zu diesem Thema als deutlich zu hoch gegriffen annimmt.

Verwilderte Katzen sind ein Problem

Wichtig ist hier auch, zu beachten, dass in die Zahlen der amerikanischen Studie auch die Jagderfolge verwilderter Katzen miteinfließen – die laut Nabu auch in deutschen Siedlungsräumen die größte Gefahr für die Vogelpopulation darstellen. Auch habe es in Deutschland immer schon viele wilde Landraubtiere gegeben, die traditionell Jagd auf Vögel machen.

Das Max-Planck-Institut untersucht außerdem ganz aktuell in einer Studie mit einem GPS-Tracker das Jagdverhalten von Freigängerkatzen. Erste Zwischenergebnisse anhand der aufgezeichneten Bewegungsmuster lassen laut eines Berichts des Südkuriers vom 24. Juli 2022 vermuten, dass die meisten Katzen hauptsächlich Mäuse jagen und eher seltener Vögel ins Visier nehmen.

Nabu: Katzen morgens drin lassen und unbedingt kastrieren

Der Nabu empfiehlt Katzenhaltern dennoch, Freigängerkatzen zumindest zwischen Mai und Juli in der morgendlichen Dämmerungszeit konsequent im Haus zu behalten.

Außerdem solle man seine Katze unbedingt kastrieren lassen: So kann sie sich nicht mit verwilderten Katzen paaren - und es hemme oft auch den Jagdtrieb. Auch wer viel mit seiner Katze spiele und sie so beschäftige, tue Vögeln und Kleinsäugern etwas Gutes.

Eine Mutter aus Weinstadt kam gerade mit ihren Kindern nach Hause, schaute routinemäßig in ihren Briefkasten - da fällt ihr ein Plastikbeutel mit einem toten Vogelbaby entgegen.

Daran befestigt eine anonyme Notiz, die sich offensichtlich gegen die Katze der Familie richtet - weil diese auch erst kürzlich mit einer schweren Verletzung nach Hause gekommen ist, fragen die Endersbacher sich jetzt: Gibt es einen Katzenhasser in der Nachbarschaft?

Familie will den Vorfall nicht auf

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