Weinstadt

S.C.-Kampfsportschule Weinstadt: Kinder für gefährliche Situationen fit machen

Kampfsportschule
Trainer und Justizbeamter Salvatore Ciaramitaro (35) in seinem Studio in der Werkstraße in Endersbach. © Gaby Schneider

Ein Fremder, der ein Kind unter einem Vorwand in sein Auto lockt, Familienmitglieder und enge Freunde, die dieses Vertrauensverhältnis zum Kind schamlos ausnutzen – als Justizbeamter hat Salvatore Ciaramitaro immer wieder mit dem Thema Kindesmissbrauch zu tun.

Und er weiß auch: „Es kommt so oft vor, dass Kinder einfach verschwinden.“ Der 35-Jährige ist außerdem selbst Vater. In einem besonderen Selbstverteidigungskurs möchte er auch Kindern, die nicht regelmäßig in seiner Taekwondo-Schule trainieren, und deren Familien ein bisschen mehr Sicherheit mit auf den Weg geben.

Bei Selbstverteidigung geht es nicht nur um Nahkampf

Zum ersten Mal finden in der S.C.-Kampfsportschule am kommenden Samstag, 12. November, zweistündige Selbstverteidigungskurse für Kinder in Kooperation mit dem SG Cube statt. Ein Kurs ist für Kinder zwischen acht und zehn Jahren gedacht, der andere für die etwas älteren zwischen elf und 13 Jahren. Zehn Euro berechnet die SG den Eltern für die Teilnahme - innerhalb kürzester Zeit seien die Kurse voll gewesen. Nur bei den älteren Kindern gebe es noch einzelne Restplätze, so der Trainer.

Ähnliche Intensivkurse wie diese hat Salvatore Ciaramitaro an seiner Taekwondo-Schule auch in der Vergangenheit schon angeboten. Ganz wichtig sei dabei, zu verstehen: Bei Selbstverteidigung geht es gar nicht unbedingt um den Nahkampf. „Das ist nicht so, wie man es auf Youtube sieht“, erklärt der Trainer. Kinder könnten nicht einfach mal so einem Erwachsenen den Arm auf den Rücken drehen. Da reiche die Kraft einfach nicht aus.

Tritte und Bewegungen müssen viel geübt werden, damit sie funktionieren

Seinen Schülern, die mehrmals die Woche bei ihm in der S.C.-Kampfsportschule in Endersbach trainieren, bringt er durchaus bei, wie man es auch mit einem viel stärkeren Gegner aufnehmen kann: zum Beispiel mit einem geschickten Tritt gegen das Knie, in die Genitalien oder schlicht mit einer gekonnten Bewegung, mit der auch ein Kind aus dem Griff eines Angreifers entfliehen kann.

Für Intensivkurse tauge so etwas aber nicht. „Das hat ein Kind nach einem halben Jahr wieder vergessen“, sagt Salvatore Ciaramitaro. Und es muss sehr viel geübt werden, damit es in einer echten Notsituation auch funktionieren kann. In seinen Selbstverteidigungskursen für Kinder spielt er mit den Kindern vor allem verschiedene typische Gefahrensituationen durch: wenn ein Auto anhält und ein Fremder das Kind anspricht, oder wenn das Kind auf einer Veranstaltung in der Menschenmenge plötzlich verloren geht.

Auf typische Gefahrensituationen vorbereiten 

„Ich vermittle das Verhalten“, erklärt der 35-Jährige. Dass man zum Beispiel nicht zu dem Auto gehen darf, wenn der Fahrer einen dazu auffordert. Oder dass man, wenn man seine Eltern in der Menge verloren hat, nicht umherrennen soll und laut „Mama, Papa“ rufen soll. „Sonst kommt jemand her, sagt: ,Ich weiß, wo dein Papa ist‘, und nimmt das Kind einfach mit“, beschreibt der Justizbeamte die Gefahr, die aus so einer scheinbar banalen Situation entstehen kann. Sein Ziel: Die Kinder so weit sensibilisieren, dass es vielleicht zukünftig gar nicht erst zu einem Übergriff kommt.

„Klar, Kinder sind naiv und vertrauen schnell“, weiß er. Aber gerade hier will er präventiv eingreifen und den Kindern etwas beibringen: „Vertrauen kannst du den Eltern - sonst niemandem.“ Aus seinem Arbeitsalltag weiß er, dass Täter fast immer aus dem engen Umfeld der Kinder kommen. Oft sei es der Onkel oder auch der Stiefvater. „Ich erlebe das zu oft“, berichtet der 35-Jährige. Auch wenn er das den Kindern in seinen Kursen so vermittelt: Manchmal seien selbst die Eltern übergriffig. „Dann sitzt der Vater da in Handschellen im Gerichtssaal, während die Aussage vom Kind als Video eingespielt wird“, erzählt er.

Kindesmissbrauch ist kein schönes Thema. Niemand spreche gerne darüber, aber es sei einfach unheimlich wichtig, darüber zu sprechen - auch mit den Kindern, findet der S.C.-Kampfsportschulleiter. Deshalb geht es in den Selbstverteidigungsintensivkursen auch darum, wo die Grenzen sind: „Dass man als Kind Nein sagt, wenn der Onkel einen unsittlich anfasst. Und dass es auch bei den Eltern Grenzen gibt.“

Die Eltern wissen, dass der Sechsjährige sich verteidigen kann

Salvatore Ciaramitaro ist selbst Vater. Sein jüngstes Kind ist gerade vier Monate alt, der „Große“ ist dieses Jahr eingeschult worden. Mit seinen sechs Jahren brennt der älteste Sohn bereits genau wie sein Vater fürs Taekwondo. Mit drei Jahren stand er das erste Mal auf der Matte. „Mit vier sah es dann schon ein bisschen nach Sport aus“, schmunzelt der Vater. Jetzt ist Leonardo Ciaramitaro schon baden-württembergischer Meister - und lässt sich so schnell von niemandem aus der Fassung bringen.

Für die Eltern ist es sehr beruhigend, dass der Erstklässler sich auch von deutlich älteren Kindern nicht ärgern lässt und sich im Ernstfall auch verteidigen könnte. Und der Kampfsport sei auch unheimlich gut fürs Selbstvertrauen. Eine tolle Sache, „solange er nicht selbst einen Streit anfängt“, findet der Vater. Aber auch Disziplin, Respekt und Hilfsbereitschaft werden im Taekwondo-Training großgeschrieben: „Die Kinder, die ich hier trainiere, schauen nicht weg“, ist Salvatore Ciaramitaro überzeugt.

Ein Fremder, der ein Kind unter einem Vorwand in sein Auto lockt, Familienmitglieder und enge Freunde, die dieses Vertrauensverhältnis zum Kind schamlos ausnutzen – als Justizbeamter hat Salvatore Ciaramitaro immer wieder mit dem Thema Kindesmissbrauch zu tun.

Und er weiß auch: „Es kommt so oft vor, dass Kinder einfach verschwinden.“ Der 35-Jährige ist außerdem selbst Vater. In einem besonderen Selbstverteidigungskurs möchte er auch Kindern, die nicht regelmäßig in seiner

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