Weinstadt

Schüler schaffen ihren eigenen Staat

Schulestaat
Wahlkampf in der Pause: Valentin Roth wirbt für die Partei „Die Guten“, eine von sieben politischen Gruppierungen, die nächste Woche am Remstal-Gymnasium tatsächlich gewählt werden können. Wer einen Sitz im Parlament ergattert, kann die Geschicke des Staates Remstalistan mitbestimmen. © Palmizi / ZVW

Weinstadt. Eigene Verfassung, eigene Währung ein richtiger Wahlkampf: Mit Remstalistan haben sich die Schüler des Remstal-Gymnasiums einen Staat nach ihren Vorstellungen geschaffen. Nach fünf Jahren Pause stemmt das ganze Weinstädter Gymnasium zum zweiten Mal das Projekt „Schule als Staat“.

Video: Das Remstal-Gymnasium verwandelt sich in Remstalistan - eine parlamentarische Demokratie mit eigener Verfassung und eigener Währung.

Sie nennen sich „Die Goldenen“, „Trumpeltiere“ oder „Die Blauen““: Sieben Parteien kämpfen gerade am Remstal-Gymnasium um Wählerstimmen – und machen in der Pause vor Hunderten Schülern abwechselnd Werbung. Nächste Woche bei der Wahl in den Klassen entscheidet sich, welche Gruppierung am stärksten abschneidet – und so die meisten der 17 Listenplätze erhält. Dazu gibt es noch acht Direktmandate, die auch von unabhängigen Kandidaten gewonnen werden können. Schülersprecher Valentin Roth tritt für die Partei „Die Guten“ an, die jetzt am Mittwoch in der Pause für sich getrommelt hat – und nicht nur aus Schülern besteht. „Wir haben uns gedacht, wir schnappen uns einen beliebten Lehrer“, sagt Valentin. Der Einsatz könnte sich lohnen: Wer im Parlament sitzt, bestimmt die Zukunft von Remstalistan mit.

Remstalistan heißt das neue Land

Auf ihrem Instagram-Account posten die Schüler über den neuen Staat Remstalistan.

„Schule als Staat“ heißt das Projekt, das nach 2011 erst zum zweiten Mal am Remstal-Gymnasium stattfindet. Hier schaffen sich die Schüler ihren eigenen Staat, mit einer Verfassung, einem Wirtschaftsleben und Gesetzen. Konstituierende Sitzung des Parlaments soll im März sein, der Höhepunkt des Spiels ist für den Juni vorgesehen. Fünf Tage lang tun dann alle Schüler und Lehrer so, als ob sie Bürger von Remstalistan wären. Schülersprecher Valentin Roth koordiniert das ganze Projekt mit Lehrer Marco Cinquemani– und traf sich extra im Vorfeld mit Tim Bergmüller, der 2011 Hauptorganisator war und mittlerweile studiert. „Er rät uns, dass wir unser eigenes Ding machen sollen“, sagt Valentin Roth. Remstalistan wird deshalb keine Kopie der „Unabhängigen Schülergemeinschaft Remstal“ von 2011: Der neue Staat wird einige Überraschungen bieten.

Entscheidung fiel auf eine parlamentarische Demokratie

Die Schüler hatten die Wahl zwischen einer parlamentarischen Demokratie wie in Deutschland, einem Präsidialsystem wie in den USA und einer konstitutionellen Monarchie. „Erst haben wir überlegt, Kommunismus zu machen“, sagt Valentin Roth – was allerdings bei den Lehrern nicht so gut ankam. Letztlich entschieden sich die Schüler für ein System wie in Deutschland. Nun bereiten verschiedene Ausschüsse das Spiel vor: Der Arbeitsausschuss sorgt dafür, dass jeder was zu tun hat, und legt mit dem Finanzausschuss fest, wie was besteuert wird. Der Politikausschuss überlegt sich zum Beispiel einen Namen für die Währung und der Werbungsausschuss macht dafür das Design. Der Ausschuss für Tagesplanung wiederum plant Ereignisse. Demos, Streiks, Besuche ausländischer Staatsoberhäupter – hier sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt. Aufpassen müssen die Schüler laut Valentin auch, dass ihr Staat nicht pleitegeht. Da unterscheidet sich Remstalistan nicht vom Rest der Welt. „Es kann natürlich floppen.“

Organisationsteam freut sich über Spenden

Fünf Tage lang wird es im Juni am Remstal-Gymnasium keinen Unterricht geben. Stattdessen läuft dann das Projekt „Schule als Staat“ – und da machen alle Schüler mit. Jeder der rund 900 Schüler wird zehn Euro Anmeldebeitrag zahlen müssen – denn die ganze Organisation des Staatswesens kostet Geld.

Die Schüler versuchen zusätzlich, Firmen als Sponsoren zu gewinnen und von Privatleuten Spenden zu erhalten. Wer finanziell etwas beisteuern will, kann hier spenden. Alle, die auf dem Laufenden bleiben wollen, können sich auf der Facebookseite „Schule als Staat RGW“ informieren. Unter www.remstalistan.de und www.radikaldemokratisch.de haben die Schüler zudem eigene Internetseiten eingerichtet. Auch unsere Zeitung wird über den fiktiven Staat weiter berichten.